Deutschlandkarte Namen mit "von"

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 44/2014

Wer im Telefonbuch nach einer Tina von Soundso sucht, hat es schwer, weil er nicht weiß, ob er unter V nachschauen muss oder unter S, das geht in deutschen Telefonbüchern mal so, mal so. Aber dieser Kummer soll hier nicht das Thema sein, stattdessen das Bild, das alle Telefonbucheinträge der Vons in Deutschland liefern. Man sieht, wie es die DDR geschafft hat, bis heute die Vons zu verjagen. Nach Berlin und Potsdam kamen ein paar zurück. Zentren sind Frankfurt am Main, Köln, München. Der Adel ist schon vor Langem vom Land in die Städte gezogen, zum Militär, in die Amtsstuben, später auch in die Banken. Dort, wo die Herzoge sparsam darin waren, Adelstitel zu verleihen, in Württemberg oder in Franken, wohnen bis heute wenige Vons. Im Norden wohnen viele Vons, deren Vorfahren nie adelig waren, das "von" steht hier für eine geografische Herkunft. Von-und-Zus findet man im Telefonbuch fast nie, auch kaum Gräfinnen und Herzöge. Gut für die Telefonbuchautoren, eine Sorge weniger.

Quelle: Universität Mainz/Fabian Fahlbusch

Kommentare

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Der Adel ist doch aber nichts Positives! Wenn es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR heute wenig Adelsdünkel gibt, dann wird sich das positiv auf die Neuen Länder auswirken.

Skandalös ist eher, dass der Adel sich dort versammelt, wo es offensichtlich noch was zu holen gibt: Bonn, Frankfurt, München und nun wieder Berlin. Das zeigt eigentlich nur, wie semifeudal das freie Land BRD doch ist. Der Adel in Amt und Würden, steht aber nicht in den Telefonbüchern.

Die Schickeria prasst, das Volk darbt. Insgesamt hat sich doch recht wenig geändert über alle Katastrophen und Sozialismen ...

Die "Von und Zu"s finden sich

Die "Von und Zu"s finden sich auch deshalb kaum im Telefonbuch, weil die allerwenigsten Blaublüter noch auf dem Sitz Ihres "Handgemals" (= praedium libertatis, das Gut, das die ständische "Freiheit" verbürgt) hausen - wie etwa "von und zu Guttenberg" auf Schloß G. oder "von und zu Eltz" auf Burg E. Allerdings hatten diese, weil von meist raubritterlicher Herkunft, es auch dringend nötig, solches zu betonen. Ursprünglich waren sie ja "nur" Ministerialen, also Dienstleute ihrer wahren Herrschaften, und verwalteten bloß deren Burgen, ehe sie es schafften, selbige Lehnsgüter zu ererbten "Stammsitzen" zu entfremden.