Stilkolumne: Auf in den Kampf

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 44/2014

Im digitalen Zeitalter sind Videospiele für viele Menschen wichtiger geworden als Kinofilme. Jedes Detail wird in diesen Spielen mittlerweile hyperrealistisch dargestellt – man sieht, wie Städte untergehen, Drachen geköpft werden und Planeten explodieren. Nur die Mode wird – anders als im Kino – vernachlässigt. Seit der Latzhose von Supermario hat sich im Modebewusstsein der Videospielbranche nicht sehr viel getan. Selbst die stärksten Charaktere sind schlecht gekleidet. In Millionenspielen wie Sims verkörpern die Figuren einen Modestil, der an amerikanische Vorabendserien erinnert. Vielleicht liegt das daran, dass der Videospielkonsument der ersten Stunde modische Kleidung nicht ganz oben auf seiner Bedürfnisliste stehen hatte. Was nicht bedeuten soll, dass man in Videospielen nicht auf die präzise Darstellung von Körpern achten würde.

Schon der Klassiker Tomb Raider zeigte, welche Vorstellungen Spieleentwickler vom weiblichen Körper haben: schmale Taille und Kurven wie der Nürburgring. Lara Croft war also ein Männertraum. Und sie war wenig devot – im Gegenteil ballerte sie reihenweise Gegner um. Sie war der Prototyp einer Frau, die in der Videospielbranche inzwischen sehr beliebt ist: der Amazone. Also einer Kämpferin, die sich nebenbei auch als Sexsymbol eignet. Das bedeutet nicht unbedingt, dass nur Männer sich an solchen Spielcharakteren erfreuen: Besonders in Fantasyspielen tummeln sich diese sexy Amazonen. Sie ziehen mit gepanzerten Brüsten, aber grundsätzlich bauchfrei in den Kampf, die übrige Bekleidung besteht vor allem aus bis zu den Oberschenkeln hochgeschnürten Römersandalen. Videospiele sind der letzte Ort, an dem noch ein mittelalterliches Frauenbild vorherrscht. Vielleicht sind deswegen Mittelalter-Landschaften eine höchst beliebte Spielkulisse. Leider sind die Amazonen nicht auf dem Bildschirm geblieben, sondern von dort auf den Laufsteg in Mailand und Paris gesprungen. Bei den Schauen zeigten jetzt Chloé, Valentino, Stella McCartney, Alexander McQueen Schnür-Looks und Gladiatoren-Sandalen, bei Givenchy sah man hochgeschnürte Stiefel.

Die Frauenbewegung hat sich offenbar nicht genug für Videospiele interessiert – diesen Vorwurf muss man ihr machen. Nun sind die Amazonen in der Sommermode angekommen, und wir haben irgendwie mit ihnen fertigzuwerden.

Foto: Stiefel mit Schnürung von Versace, 1.580 Euro

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Naja, Lara Croft hatte in der ersten Iteration des Klassikers eher Dreieckige Brüste :D

Was das Mittelalterliche Frauenbild angeht: die moderne Fantasy hat nur noch wenig mit dem realen Mittelalter zu tun, und Amazonen in Gladiator-Sandalen sind einfach Popkultur. Für Mittelalterliche Mode wäre es sinnvoller den Codex Manesse zu Rate zu ziehen.

Wobei das jemandem der sich professionell mit Mode und deren Geschichte beschäftigt sicherlich geläufig ist.

Sinnloses Vorurteile anheizen

Sie beschweren sich in ihrem Artikel darüber was für ein angeblich einseitiges Bild Spiele von Frauen zeichnen, führen aber nur ein konkretes beispiel auf, viele andere Spiele erlauben entweder selbausgesuchte Kleidungsstile oder sind weniger freizügig bei der Standardkleidung.
Gleichzeitig hauen sie aber in alle von RTL und anderen Medien gemachten Kerben, das Gamer männlich und modeunbewusst seien und sich an den Spielen aufgeilen würden, sie sollten mal ihre eigene Weltanschauung hinterfragen, ihr uninformierter Feminusmusanflug hilft niemandem!

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