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Wochenmarkt: Die Quitte, eine harte Nuss

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 45/2014

Die Quitte ist eine umständliche Frucht, sie ist im rohen Zustand hart wie Stahl und hat eine so lange Garzeit, dass man in der Zwischenzeit von Berlin nach München fliegen könnte. Deshalb gehören Quitten nicht zum Sortiment eines gewöhnlichen Supermarkts. Aber heute ist alles so einfach und schnell erreichbar, dass es doch rührend ist, wenn etwas zur Abwechslung mal kompliziert ist. Wie lange wird es so etwas noch geben?, habe ich mich gerade heute Morgen gefragt, als ich beobachtet habe, wie ein Mann einen Bürostuhl durch einen schmalen Hauseingang zu zwängen versuchte, er blieb hängen, versuchte es noch einmal, es ging einfach nicht, bis er auf die Idee kam, den Stuhl zu drehen. Die herzerwärmende Ineffizienz des Menschen! Ähnliches würden Sie, lieber Leser, vielleicht von mir denken, wenn Sie mich beim Quittenschneiden sehen könnten. Das Messer rutscht ab, die Quitte fliegt auf den Boden, dann geht es von vorn los. Man muss die Quitten für dieses Chutney auch schälen, das ist allerdings vergleichsweise einfach. Dann wird das Gehäuse entfernt und das Fruchtfleisch in 1 cm große Würfel geschnitten. Diese mit den anderen Zutaten in einen Topf geben, die Flüssigkeit aufkochen lassen, alles bei mittlerer Hitze 1,5 bis 2 Stunden lang köcheln lassen. Das Chutney sollte süßsauer, kräftig und fruchtig schmecken. Man kann zum Schluss nachsalzen, wenn man will. Heiß in ein ausgewaschenes Glas abfüllen. Dann hält sich das Chutney ein paar Wochen lang. Es passt sehr gut zu altem Hartkäse, zum Beispiel zu Cheddar, und zu Blauschimmelkäse wie Stilton. Man kann das Chutney auch gut in ein indisches Gemüsecurry rühren.

Quittenchutney (für 1 mittelgroßes Glas)

Zutaten – 1 kg Quitten, 150 g Zwiebeln (in Streifen geschnitten), 150 g Zucker, 150 ml Apfelessig, 1 TL Wacholderbeeren, 1 TL Salz

Kommentare

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Erlauben Sie mir einen Tipp: ich schrubbe die Quitten und stelle sie dann erst mal so wie sie sind, in den Siebeinsatz des Dampfkochtopfs. Ein paar Minuten Dampf mit wenig Wasser drunter, und das Ganze ist matschig weich und lässt sich mehr oder weniger gut ausschaben. Dann wie gewünscht zu Marmelade oder Chutney weiterverarbeiten. Das Kochwasser kann gfls. mit genutzt werden. Das macht Sinn, weil die Früchte selbst nicht allzu saftig sind.

Naja, mal schnell beim Frühstück ein Rezept geschmückt? Die Darstellung der Quitte - die übrigens einen feinen zitronigen Duft verströmt und von der es über 200 Arten gibt - ist völlig überzogen. Auch das sie verschwinden könnte ist wohl recht absurd. Als "vergessene" Frucht hat sie in den letzten Jahren derart viel Werbung bekommen, das sie wohl nicht so schnell untergeht. Wir besitzen in unserem Garten 8 Quittenbäume und lustigerweise gibt es Jahre in denen sie alle 8 streiken und keine einzige Frucht bringen. Aber im Grunde ist sie doch eher unkompliziert, auch weil man nicht so wahnsinnig viel mit ihr anstellen kann, außer dem besagten Chutney, Gelee, Marmelade ( portug. "marmelo" für Quitte), Saft oder aus den Resten das Quittenbrot. Also kurz gesagt: zerkochen! Was aber sehr wohl war ist, sie ist zunächst sehr hart. Man benötigt ein großes gutes Messer mit dem man die Frucht halbiert, auf die Schnittstelle legt und in Streifen zerlegt. Dann kann man das Gehäuse ganz einfach als Dreieck rausschneiden. Für Gelee ist das Kerngehäuse übrigens ganz praktisch und kann einfach mitgekocht werden - das enthaltene Pektin bindet den Saft schon gut ab und man braucht weniger Zucker. Die Kochzeit von hart nach matschig ist 60 Minuten - das wäre also weniger als die reine Flugzeit Berlin - München (75 Minuten). Es ist schon ok wenn man ein Rezept etwas aufbrezelt, aber bitte nicht mit Unsinn sondern mit Inhalt.

Es gibt schon deutlich mehr, was man aus der Quitte machen kann! Dass Ihnen bei 8 Quittenbäumen nicht schon mehr eingefallen ist, liegt nicht an der Quitte ;-)

In Butter gebratene Quittenwürfel, kräftig gepfeffert, sind zum Beispiel eine sehr leckere Zugabe zu herben Salaten. Oder Quitte als Gemüse gegart zu Wild. Und noch ein paar sehr schöne Rezepte, die über "zerkochen" hinaus gehen hier: http://www.goccus.com/cam...

Wer um Himmelswillen kocht denn Quitten anderthalb bis zwei Stunden? 35 bis 40 Minuten ist mehr als genug. Für ein Chutney und andere Verwendungszwecke muß man Quitten auch nicht unbedingt schälen. Und Zubereitungsarten für Quitten gibt es unzählige. Ebensowenig würde ich Quitten als eine aussterbende Frucht bezeichnen. Man findet sie in der Saison auf fast jedem Wochenmarkt.