Gesellschaftskritik Über den Weltmeisterfluch

© Andreas Rentz/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 46/2014

Manche sprechen schon von einem "Weltmeisterfluch", nachdem sich in rascher Folge Bastian Schweinsteiger von seiner Sarah, Mesut Özil von seiner Mandy und Manuel Neuer von seiner Kathrin getrennt hat. Mussten die glorreichen Fußballspieler der deutschen Nationalmannschaft etwa für ihren Sieg in Brasilien mit privatem Unglück zahlen? Kein schöner, aber doch ein romantischer Gedanke. Man kennt ja aus Märchen diese gewissen Abmachungen mit einem dunklen Ehrenmann, der auch als stark hinkender Außendienstmitarbeiter der Fa. Hölle GmbH auftritt und gegen eine kleine Gebühr weitreichende Erfolgsgarantien vergibt. Bei der kleinen Gebühr handelt es sich oft um Ehefrauen, Töchter et cetera, die besagtem Herrn Teufel später ausgeliefert werden müssen.

Unseres Wissens ist der Mann jedoch heute vorzugsweise in Börsen- und Bankkreisen unterwegs und hat den Profi-Fußball ganz aufgegeben, weil dieser längst genügend höllische Züge aus sich selbst heraus hervorgebracht hat, mithin eher zur Konkurrenz gehört.

Der Weltmeisterfluch ist wahrscheinlich eher ein Medienfluch – insofern, als dass die Berichterstattung über Fußballstars niemals aufhören darf und deshalb nach dem Ende des Weltmeisterfiebers neuer Nahrung bedurfte. Wenn auf dem Rasen nicht genug Spektakel geliefert wird, müssen die armen Spieler eben aus ihrem Privatleben liefern. Deswegen dürfen sie auch nicht zu früh heiraten: damit der Affärenstrom nicht abreißt oder sich verdünnt.

So sieht es die grundsätzliche Abmachung vor, die der Profi-Fußball mit den Boulevardmedien geschlossen hat, und man erkennt gleich, dass das der Teufel auch nicht teuflischer hingekriegt hätte. Scheidung, Trennung, Seitensprung oder Verrat? Irgend so etwas muss für die Öffentlichkeit immer hergestellt oder ersatzweise vorgetäuscht werden.

Denn die humane Seite des Klatschjournalismus ist, dass es ihm auf Wahrheit nicht ankommt. Sind nicht schon die Namen der sogenannten Spielerfrauen wie aus dem Märchen, das der Playboy einmal im Monat erzählt? Hat Mesut Özils Verflossene wirklich Mandy Capristo geheißen? Im Ernst?

Wir glauben das alles nicht. Wir glauben auch an die Trennungen nicht. Das sind alles Geschichten, die auf einer Pappbühne mit Pin-up-Girls aufgeführt werden, während die braven Spieler heimlich, treu und leise bei irgendeiner Mutti wohnen und dort ihre Bratkartoffeln wegputzen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.


Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Schöner Artikel! Teils wohl wahr, teils sollte man nicht zuviel hinein interpretieren. Das übermäßiger Stress und ständiges Herumreisen keiner Beziehung zuträglich ist, ist klar. Aber auch unter Nicht-Prominenten scheitern Beziehungen regelmäßig. Die Spieler sollten sich einfach selbst fragen, ob ihre Freundinnen aus echtem Interesse oder einfach Mediengeilheit mit ihnen zusammen sind. Was natürlich nicht immer ganz einfach ist. Bei Frau Capristo hätte ich da jedoch eine Vermutung...