Mercedes-Benz C 220 BlueTec Von A nach B

© Daimler AG
Unser Autor fährt mit dem Mercedes-Benz C 220 BlueTec durch Südengland. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 47/2014

Vor nicht allzu langer Zeit, es war ein warmer, für britische Verhältnisse sogar heißer Tag, erfuhr ich die Wahrheit über den Autoverkehr im Vereinigten Königreich. Und ich war froh, mit einem deutschen Auto unterwegs zu sein, einem Wagen, der verhindert, auf britischen Straßen dem Wahnsinn anheimzufallen. Nicht dass der Osten von Sussex arm wäre, nein, die Villen sind proper, und ein Mercedes fällt nicht einmal auf. Doch die Straßen, sie sind zum Gotterbarmen, in einem Zustand, der das Rasen eigentlich verhindert, und wenn man es doch tut, ist die elektronische Überwachung flächendeckend.

Der Ausflug führt uns von Tunbridge Wells bis zum Landschaftsgarten von Stourhead, ein bequemes Tagesprogramm. Vor uns platzt einem Lieferwagen der Reifen, kann passieren, dann kurz darauf einem weiteren. Dichter Verkehr auf der M25, Schnösel aus der City drängeln, kann auch passieren. Ich kann mir allerdings nicht erklären, wie es bei stockendem Verkehr zu so dramatischen Auffahrunfällen kommen kann wie hier. Auf der Überholspur ganz rechts tuckert eine winzige Blechhütte mit einer Miss Marple als Pilotin. Auf freier Strecke macht sie eine Vollbremsung. We are not amused.

In meiner Kindheit in den Sechzigern war ich beeindruckt von den Desastern auf deutschen Autobahnen: grausigen, noch dampfenden Metallskulpturen, Glasteppichen auf der Fahrbahn. Hier sehe ich das alles wieder. Bei Andover drei ausgebrannte Wracks, umstellt von stummen Menschen. Auch die Feuerwehr wirkt ratlos. Es sieht aus wie in Syrien. Wir wollten ein Picknick machen, aber wir durchqueren eine Kampfzone.

Zurück zum Auto: Gerettet an diesem Tag hat uns nicht die Klimaanlage. Vermutlich waren es diese Sicherheits-Assistenzsysteme, die automatischen Spurhalte- und Bremsprogramme, die nun auch die neue C-Klasse hat. Mercedes ist mächtig stolz auf seine "Sicherheitsfahrgastzelle" aus Aluminium mit "besonderer Steifigkeit". "Deformationszonen" mit "optimierten Kraftpfaden" schützten uns. Gottlob mussten wir das Vertrauen in diese Dinge nicht strapazieren. In tiefer Dunkelheit kehrten wir heim. Meine Belohnung war ein lauwarmes, torfiges Bier. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag britisches Bier.

Technische Daten 

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor, Leistung: 125 kW (170 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 7,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 234 km/h, CO2-Emission: 109 g/km, Durchschnittsverbrauch: 4,2 Liter, Basispreis: 38 675 Euro

Thomas E. Schmidt ist Kulturkorrespondent im Feuilleton der ZEIT

Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ein wirklich kunstvoll geschriebener Artikel, am Ende weiss man fast nix über das Auto, noch weniger über England, aber man weiss dass der Meister des Nix in den 60ern ein Kind war und befürchtet dem Wahnsinn anheimzufallen, da braucht es unbedingt noch einen langen nixsagenden Leserbrief, weil es draussen grau ist, der Tag im Büro langweilig ist und ich mindestens genauso gerne schwafle wie der KulturNix

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