Ich habe einen Traum Ariana Grande

"Vor einem Jahr habe ich mich vom Internet verabschiedet"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 49/2014

Ich bin eindeutig im falschen Jahrzehnt zur Welt gekommen. Es wäre ein Traum für mich, in der Vergangenheit zu leben. Die sechziger Jahre sind mehr nach meinem Geschmack als die Gegenwart: die Mode damals, die Musik, überhaupt der ganze Stil dieser Zeit.

Wenn ich Bilder von früher sehe, fange ich an zu träumen. Meine Großeltern haben mir viele Geschichten von damals erzählt. Sie schauten mit mir alte Filme an und spielten mir Platten von Frankie Valli and the Four Seasons vor, von Frank Sinatra und lauter solchen Leuten. Eine weitere Heldin der Vergangenheit ist für mich Marlene Dietrich, ich liebe ihre Stimme und besonders ihre Augenbrauen. Marlene Dietrichs Lieder höre ich gern auf Schallplatten – ich habe eine große Vinyl-Sammlung, und in meinem Zimmer steht natürlich auch ein richtiger Plattenspieler.

Besonders toll an der Vergangenheit finde ich, dass es noch kein Internet gab. Das Leben war deshalb ruhiger. Ich würde die Sozialen Netzwerke und all den anderen Quatsch keine Sekunde vermissen. Nur der direkte Kontakt zu meinen Fans würde mir fehlen. Für mich ist das Internet ein gefährlicher Albtraum. Ich surfe nie im Netz, lese nichts online und schaue mir auch keine Kommentare unter YouTube-Videos an. Ich habe mich auch noch nie gegoogelt. Ich lese stattdessen lieber richtige Bücher, aus Papier. Warum soll ich meine Zeit an einem Ort verschwenden, der voller Lästereien, Halbwahrheiten und Bosheiten ist? Mir sind die positiven Dinge im Leben wichtiger.

Man konnte früher garantiert auf eine entspanntere Art berühmt sein. Frank Sinatra musste sich nicht mit Lästereien aus aller Welt herumschlagen. Wie hätte er sie auch mitbekommen sollen? Andererseits gab es damals natürlich eine größere Distanz zwischen Künstlern und Fans, die mir nicht gefallen würde.

Als ich jünger war, habe ich das Internet intensiver genutzt. Aber vor einem Jahr habe ich mich davon verabschiedet. Eines Tages ging mir einfach auf, dass ich online meine Zeit verschwende und dass es mich davon abhält, Ariana-das-Mädchen zu sein, Ariana-die-Freundin, Ariana-die-Schwester und Ariana-die-Enkelin. Mein Abschied vom Internet war schleichend, aber inzwischen habe ich nie mehr das Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Seitdem lebe ich wie befreit. Man wird ja irre, wenn man immer auf dem Laufenden bleiben möchte. Wenn mir heute bizarre Gerüchte über mich zu Ohren kommen, dann nur, wenn Freunde mich darauf ansprechen: "Ariana, bist du echt schwanger?" Dann rufe ich: "Nein!" Sie sagen: "Alles klar", und die Sache ist erledigt.

Manchmal wird mir der Rummel um meine Person aber auch in der realen Welt zu viel, dann fühle ich mich verwundbar, kaputt und einsam. Aber das ist die Ausnahme. Mit der Zeit habe ich gelernt, mit meinem Job umzugehen. Ich habe mir den ja selbst ausgesucht, und so langsam gewöhne ich mich auch an den Rummel. Was ohne Internet sehr viel einfacher ist.

Ariana Grande, 21, in Florida geboren, ist eine Schauspielerin und Sängerin, deren Stimme vier Oktaven umfasst. Ihr 2013 veröffentlichtes Debütalbum landete auf Platz eins der US-Charts. "My Everything", ihr kürzlich erschienenes zweites Album, erreichte in zwanzig Ländern die Top Ten, so auch in Deutschland

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Kommentare

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Ja früher war doch alles besser. So ist das nun mal mit der Vergangenheit. Nur die guten "Erinnerungen" überleben. Der Sexismus dieser Zeit den man als weiblicher Star sicher auch voll abbekommen hat, der Streß ohne schnelles Internet berühmt und interessant zu bleiben und daß die Lästereien eben nicht im Internet sondern in der Zeitung standen verdrängt man dabei ganz schnell.

Es ist schön für sie, daß sie einen Weg gefunden hat, der sich glücklich macht, auf die Abwertung dessen was sie nicht mehr tut hätte sie dabei dennoch verzichten können.

'Marlene Dietrichs Lieder

'Marlene Dietrichs Lieder höre ich gern auf Schallplatten – ich habe eine große Vinyl-Sammlung, und in meinem Zimmer steht natürlich auch ein richtiger Plattenspieler....'

Schade, dass es dann aber doch so 0815 Musik sein muss, die sie macht, die nichts vom Charme der 60er erkennen lässt. Auch, wenn sie es wahrscheinlich nicht beabsichtigt hat, mainstream ist sie damit trotzdem.