Kettwiesel Evo Von A nach B

Unsere Autorin fährt mit dem Kettwiesel Evo durch Hannover. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 50/2014

Die Stadt Hannover hat Radlern einiges zu bieten. Sie ist arm an Steigungen, dafür reich an Kunst im öffentlichen Raum. Niki de Saint Phalle verewigte sich mit diversen Nanas. Alexander Calder stellte einen seiner prachtvollen Vielbeiner auf. Und schon am Bahnhofsvorplatz begrüßt mich ein Kanaldeckel mit Musik (sollte es sich dabei nicht um eine Klanginstallation handeln, liebe Stadtwerke, müsste mal ein echter Installateur vorbeischauen).

Ansonsten ist die Stadt angenehm ruhig und leer. Mit anderen Worten: Hannover ist die ideale Teststrecke für ein Gefährt wie das Kettwiesel Evo. Denn das ist nicht nur länger und breiter als ein normales Fahrrad, sondern bringt auch ziemlich Tempo auf den Asphalt.

Anfangs betätige ich die Pedale ebenso vorsichtig wie den Lenker, der sich unter meinen Oberschenkeln befindet. Ich muss mich erst daran gewöhnen, mich im Liegen fortzubewegen. Allerdings biete ich so auch dem Wind kaum Widerstand. Der Vorteil zeigt sich, als ich in die Herrenhäuser Allee einbiege. Auf der schnurgeraden Strecke in Richtung Schloss meldet der Tacho ratzfatz 20 Stundenkilometer – dabei habe ich noch gar nicht richtig losgelegt. Ich erreiche 24,8 Stundenkilometer, dann ist die Allee zu Ende, und ich biege in die gewundenen Wege des Georgengartens ab.

Dass ich dabei das Tempo drossle, erweist sich insofern als ungünstig, als sich nun all die Hunde, die eben auf der Hundewiese tobten, mir und meinem Dreirad zuwenden. Ich stelle fest: Der Dobermann und ich, wir sind auf Augenhöhe! Eilig mache ich mich davon, wobei das Kettwiesel die Kurven erstaunlich gut bewältigt.

Dass ich der Natur näher bin als auf einem normalen Fahrrad, merke ich erneut, als es zu regnen beginnt. Ich rieche den Duft feuchter Maulwurfshügel und lerne, dass das optionale Rundum-Verdeck nicht allein der coolen Optik dient. Schon wieder bei Sonne mache ich mich auf die Suche nach Holperstrecken, um die "Vollfederung" zu testen, auf die die Konstrukteure so stolz sind. Na ja! Zum Glück gibt es kaum Schlaglöcher, und das "Kopfsteinpflaster", das Timm Ulrichs mit Abgüssen seines eigenen Schädels am Schiffgraben verlegt hat, das meide ich lieber – schon aus Respekt vor der Kunst!

Technische Daten:

Rahmen: Aluminium, Reifengröße: 20 Zoll, Gewicht: 24,5 kg, Schaltung: 8-Gang-Nabenschaltung, Bremsen: Felgenbremsen (vorn), Scheibenbremsen (hinten), Sitzhöhe: 50 cm, Basispreis: 4.190 Euro

Jutta Hoffritz ist Redakteurin im Ressort "ZEIT der Leser"

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Ich liebe den/das Catweasel :-))....
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aber Kopf und Bauch widersprechen sich da!
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Himmlisch diese Teil, schnell, wendig (man kann auf dem Teller drehen mit Bremse und Lenkung, optimal für Stadt, Langstrecke, Einkauf. Ein richtiges Gebrauchrad, Verkehrsmittel (mit Einachshänger oder angepassten Packtaschen..)
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aber mMn. zu gefährlich!
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Nicht das Rad, das ist mMn. optimal, aber das Mitschwimmen im Verkehr ist das Probem.
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Unter der Fensterkante von PKWs. Blaulicht am Helm und Fähnchen am Rad reichen nicht..... Leider!
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Hab es ausgiebig getestet, wird hier um die Ecke gebaut, würde mir sofort eins kaufen, wenn.......
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der Strassenverkehr dafür geeignet wäre!
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Mein "Rad" für den MOMENT NACH DEM Strassenkampf!
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Meint traurig um diese TOLLE Idee
Sikasuu