Ich habe einen Traum Charli XCX

"Meine Stimmungsschwankungen sind ein Albtraum"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 5/2015

Träume helfen mir, Probleme zu lösen oder sie überhaupt erst zu erkennen. Vieles entkommt im Traum den Tiefen meines Gehirns und gelangt in mein Bewusstsein.

Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich häufig von einer Hexe geträumt, die mich verfolgte. Es war die Hexe aus dem Disney-Film Sleeping Beauty. Später, als Teenager, hatte ich einmal einen sehr intensiven Traum, in dem ein riesiger, mit Juwelen behangener Elefant in meinem Zimmer stand. Leider habe ich keine Ahnung, was diese Träume bedeuteten.

Besser verstehe ich einen anderen Traum, den ich erst kürzlich hatte: Ich werde wach und sehe, dass sich eine gewaltige Tätowierung über mein Bein zieht –eine geschweifte Klammer, von meinem Knöchel bis hoch zur Hüfte. Ich habe im Internet gelesen, dass ein Tätowierungstraum auf eine wichtige, unmittelbar bevorstehende Entscheidung hindeutet. Diesen Traum hatte ich, als ich gerade an meinem neuen Album arbeitete und darüber nachdachte, musikalisch einiges zu verändern. Der Traum hat mich darin bestärkt, das zu wagen. Er war sehr wichtig für mich.

Ich bin ein sehr unbeständiger Mensch, manchmal habe ich den Eindruck, dass sich meine Persönlichkeit im Stundentakt ändert. Das macht mich irre. Diese Stimmungsschwankungen sind ein Albtraum, ich weiß nicht genau, woher sie kommen. Manchmal helfen mir die wechselnden Stimmungen, kreativ zu sein. Aber meistens möchte ich einfach nur gegen eine Wand schlagen. Auf jeden Fall ist meine Laune sehr abhängig davon, in welcher Umgebung ich bin.

Ich bin oft unsicher und leide unter Panikattacken. Wenn ich beispielsweise unbekannte Menschen treffe und mit ihnen reden muss, bekomme ich große Angst. Dann fühle ich mich ungeschickt, tollpatschig und bin mir selbst peinlich.

Als ich jünger war, hatte ich nicht viele Freunde, in der Schule war ich eine Außenseiterin. Aber das war nicht schlimm: Ich hatte ja Ganny und Supaboulet! Das waren meine imaginären Freunde. Sie sahen aus wie Figuren aus den Peanuts Cartoons. Ganny war ein spaßiger, aufgedrehter Typ, er hatte gelbes Haar und trug einen grünen Pullover und rote Hosen. Supaboulet war eher still, sie hatte eine sehr große Nase und schwarzes Haar, ihr Pony fiel ihr ständig über die Augen.

Ich hatte eine wunderbare Zeit mit diesen beiden Fantasiefiguren, sie waren meine besten Freunde. Sie waren so real und lebendig für mich. Ich habe zum Beispiel meine Mutter so lange genervt, bis sie für die beiden zwei Extramahlzeiten gekocht hat. Ich erinnere mich deutlich an so vieles, was ich mit Ganny und Supaboulet erlebt habe. Einmal waren wir mit dem Wagen unterwegs, und meine Mutter hat nach dem Aussteigen die Autotür zugeschmissen, genau gegen Gannys Kopf. Ich bin ausgerastet!

Heute sind die beiden nicht mehr da, leider. Ich weiß nicht genau, wann sie aus meinem Leben verschwunden sind. Glücklicherweise habe ich heute reale Freunde, daher vermisse ich sie nicht allzu sehr. Aber es wäre schön, sie einmal wiederzusehen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Und aus der Frau wurde das, was wir fliehen.
Königin der Nacht ihre Arie, Mozart. Ihr Vater raubte ihr, ihr Schloss, und sie darf es nur noch betreten, wenn sie sich der Beständigkeit des Verstandes verschreibt. Diese Arie wurde Millionen male gehört und nie verstanden. Bestand hat nur eine Maschine , der Unbestand ist weibliches Denken, ist das was wir alle aufgeben sollen um zu Maschinen zu werden. 1000de von psychischen Leiden kennen wir heute, alles aus dem Reich des Irrationalen, das der Verstand eliminieren will. Wer flieht da nicht zu den Träumen, wo alles irrational ist,.
Ich kann dich fühlen dich verstehen hinter XCX....