Stilkolumne Wenn Blogger gestalten

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 5/2015

Die Mode ist in einer schwierigen Lage – obwohl sie zu den wichtigsten Ausdrucksformen zeitgenössischer Kultur gehört. Menschen suchen ihre Garderobe bewusst aus und diskutieren unterschiedliche Looks. Und sie streiten um die Art, wie Kleidung produziert wird. So hängen die niedrigen Preise von Textildiscountern offensichtlich mit schlechten Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern zusammen. Bestimmte Marken zu tragen oder nicht kommt heute einem persönlichen Statement gleich.

Unsere Kleidung bildet fast alle großen Themen der modernen Gesellschaft ab – etwa das Verhältnis von Arm und Reich. Obwohl sich die Mode also vieler Themen annehmen könnte, sehen wir auf den Schauen zunehmend klein gedachte Entwürfe. Designer bemühen sich heute darum, die Mode zu machen, die die Kunden tragen wollen. Das ist natürlich nicht falsch. Mode heißt jedoch nicht nur, vorhandene Bedürfnisse zu befriedigen, sondern neue zu schaffen. Die Rolle der Infragesteller, der Umwerter und Punks spielen heute nicht mehr die Designer – sondern beispielsweise Mode-Blogger wie Carl Jakob Haupt und David Kurt Karl Roth aus Berlin. Auf Dandy Diary versuchen die beiden seit einigen Jahren, den Betrieb ein bisschen zu stören – und machen so nebenbei eines der besten Mode-Blogs überhaupt. Zum Beispiel haben sie mal einen Fashion-Porno gedreht oder während einer Männer-Modenschau von Dolce & Gabbana einen splitternackten Flitzer auf den Laufsteg geschickt. Sie sind laut und rüpelhaft – aber in diesem schlechten Benehmen liegt eine tiefere Wahrheit: Mit seinen Aktionen hält Dandy Diary dem angepassten Modebetrieb den Spiegel vor. In den wilden siebziger und achtziger Jahre wären die beiden womöglich kaum aufgefallen, heute zählen sie zu den letzten Idealisten. In ihren Gemeinheiten steckt die enttäuschte Liebe von Provokateuren. Die Macher von Dandy Diary wollen, dass Mode etwas bedeutet und nicht alles so wurschtegal ist.

Manchmal schlüpfen sie selbst in die Rolle von Designern. Aktuell hat Dandy Diary für die etwas abgemeldete Marke Kangaroos einen Turnschuh, Streaker Sneaker, entworfen. Er ist für den modernen Flitzer gedacht – in eine Lasche im Futter kann man seinen Hausschlüssel stecken, wenn man splitternackt unterwegs ist. Das ist großartig pennälerhaft gedacht. Und passt zu Menschen, die sich jeder Mode verweigern.

Foto: Der Streaker Sneaker von "Dandy Diary" für Kangaroos, 360 Euro

Kommentare

2 Kommentare Kommentieren

Selten solch einen Schwachsinn gelesen… Die Jungs sind der personifizierte Kommerz unter dem Deckmantel des Idealismus! Alle bisherigen Ideen sind geklaut, einen „Fashion-Porno“ gab es bspw. auch schon vorher. Und bei aller Liebe, wer inhaltslos provozieren will und muss, um aufzufallen, der ist schlichtweg zu bedauern. Die Kooperation mit dem Schuhhersteller setzt allem noch die Krone auf. Idealisten – dass ich nicht lache…