Deutschlandkarte Schachvereine

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 7/2015

Was der FC Bayern München im Fußball ist, ist die Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden im Schach: Sie führt die Bundesliga an und darf sich amtierender Deutscher Meister nennen. In Baden-Baden sind mehr Leute in Schachvereinen als irgendwo sonst – im ganzen Land sind es aber nur 90.000. Schachspieler scheint es vor allem in der Provinz zu geben. Das Image lebensferner Eigenbrötler haftet ihnen immer noch an, eigentlich seltsam, weil man Schach längst auch per Smartphone-App spielen kann. Der Norden ist deutlich weniger schachbegeistert als der Süden, was womöglich daran liegt, dass das Leben im reichen Bayern und Baden-Württemberg in ruhigeren Bahnen verläuft. Dass Frauen das stundenlange schweigende Starren aufs Brett nicht so spannend finden, ist eher nicht verwunderlich: Nur sieben Prozent der Vereinsmitglieder sind weiblich. An der Spitze der Ranglisten tauchen sie selten auf, aber das liegt sicher nicht an ihrer intellektuellen, sondern einzig an ihrer numerischen Unterlegenheit.

Recherche Dennis Deuermeier; Geografische Verortung Lutum+Tappert

Kommentare

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Ziegen, die auf Klötzchen starren ...
aha, liebe Kolumnistin, die gibt es also aus guten Gründen nur verschwindend gering in deutschen Schachvereinen. Es läge nicht an der Intelligenz - im Gegenteil, sie haben etwas Besseres zu tun, als sich zu benehmen wie der raunzige Onkel Ludwig in Dirk Bachs Sitcom "Lukas"; der geht nämlich, wenn er nicht weiter weiß, in den Schachklub. Und deshalb bliebe dem deutschen Vereinsschach auch die qualitätsfördernde Quote erspart. Dumm nur, daß ausgerechnet die langjährige Weltklassespielerin und deutsche Nr. 1 Elisabeth Pähtz einen anderen Grund genannt hat: Frauen fehlte die Neigung, sich hineinzuknien - anders gesagt: das Sitzfleisch. Anders gewendet: Männer sind zu allermeist nicht genial, bleiben aber hocken, weil sie sich für genial halten?! Dann wäre tatsächlich die Abstinenz von Frauen eine Form von sozialpragmatischer Hochintelligenz. Und schon sind sie ganz nahe bei der Haltung von Kaiser Firlefranz, der den "Klötzchenschiebern" bei Bayern München (mehrfacher dt. Meister auch dort!) den Geldhahn zudrehte. Schach bringt nichts, jedenfalls nicht in Vereinsform - eine Abart für hinterste Provinz. Was die Karte tatsächlich nur zur (südlichen) Hälfte belegt ... Sollten die Nordlichter also schlauer sein und gar nicht erst hingehen?

Kartenlesen liegt in den Augen der BetrachterInnen ...
Ein paar ketzerische Thesen im Nachzuge: 1. Baden-Badens Spitzenstellung ist dem umfassenden Wirken eines ausgabefreudigen Spitzenmäzens zu verdanken (bei ihm wird alles inkorporiert ... und Erfolg macht Mitläufer). Das war übrigens auch schon so, als die Spitzenvereine in München, Solingen und Köln-Porz saßen. 2. In Universitätsstädten spielen die Schlauen mehrheitlich im Netz - in ihren Heimatdörfern müssen sie deswegen nicht in den Verein (noch dazu in eine Bierkneipe mit Verzehrzwang!). 3. Norddeutschland ist dünner besiedelt (ach was!) - die Dörfer liegen weiter auseinander (Sind Sie schon mal Freitagabend bei Regensturm um Mitternach auf einer Landstraße 7 km nach Hause geradelt?). 4. In Grenzregionen (v.a. im Westen) finden sich beachtliche Mitgliederzahlen - das hängt u.a. damit zusammen, daß schachbegeisterte Holländer und Belgier gern in zwei Ligen spielen (und natürlich auch dazu angeworben werden). 5. Das deutsche Vereinsschach ist mehr auf dem Hund, als es sich eingestehen will - fragen Sie mal bei Mannschaftsleitern und sonstigen Ehrenamtlichen nach ...

Ein Aspekt, der durch die Kartenleserin ausgeblendet wird, ist die Differenzierung zwischen Ost- und Westschach.
Einerseits ist ein Vorantreiben der Wiedervereinigung beider Volksstämme durch idie vorpreschende Verwendung einer gesamtdeutschen Karte nicht zu verübeln, andererseits sind die Unterschiede doch zu gravierend, um weichgezeichnet zu werden.
Der Schreiber dieser Zeilen weiß wovon er redet, leitete er doch bereits mehrere Migrationsprojekte in Sachen Schach ( http://s155896168.online.... berichtet von einem).

Der unbedarfte Leser wird sich angesichts des universalen Regelcharakters des internationalen Turnierschachs vielleicht fragen, wo die Unterschiede zwischen Ost und West denn liegen sollten. Nun, für die einen ist es Kampfsportart für die anderen ein Spielwiese mit hübschen Mehrwerten für die bürgerliche Seele. „Das sind doch Kategorien aus der Zeit des Kalten Kriegs, was soll das hier!“ höre ich den ZEIT-Leser aufbegehren.

Nun, dann empfehle ich, sich einmal in einen Schulschachpatentkurs mit Deutschen beiderseits der Elbe hineinzusetzen. In einer der unterhaltsamsten Konstellationen treffen dann gutmenschartige westdeutsche Unterstufenlehrerin und Ex-Obligaspieler im Rentenalter aus dem Osten aufeinander. Wenn man ein Streitgefecht mit Würze erwartet, hat man wohl etwas tief gestapelt. Selbst erlebt seinerzeit in der schönen Stadt Lübeck. Es ging, wie gesagt, um das Wesen des Schachs, speziell seine Adressierung bei Kindern. Diskutiert wurden Fragen wie: „Sollte ein 5-jähriges Kind schon an echten Wettkämpfen teilnehmen?“, „Ist es nicht eine geistige Vergewaltigung des Kindes, wenn dieses schon im Kindergartenalter mehrere Stunden in der Woche Schach spielen?“, „Wann sollten Kinder anfangen in Erwachsenenmannschaften zu spielen?“ Die Antworten darauf lagen ungefähr so weit auseinander wie „Donald Duck Heft“ und „Frösi“ ( http://de.wikipedia.org/w... ).

Ich bitte die Sache nicht falsch zu verstehen. Ich selbst kämpfe mit jedem Meter in unserem Verein um einen wahren Bruderkuss zwischen ost- und westdeutschen Schach, einige westelbische Brüder sind bereits vollständig integriert, und doch erweist sich die Angelegenheit im Schach oft als schwergängiger als die Zusammenführung von - sagen wir - Georgiern und Ostdeutschen...

Nun, dann empfehle ich, sich einmal in einen Schulschachpatentkurs mit Deutschen beiderseits der Elbe hineinzusetzen. In einer der unterhaltsamsten Konstellationen treffen dann gutmenschartige westdeutsche Unterstufenlehrerin und Ex-Obligaspieler im Rentenalter aus dem Osten aufeinander. Wenn man ein Streitgefecht mit Würze erwartet, hat man wohl etwas tief gestapelt. Selbst erlebt seinerzeit in der schönen Stadt Lübeck. Es ging, wie gesagt, um das Wesen des Schachs, speziell seine Adressierung bei Kindern. Diskutiert wurden Fragen wie: „Sollte ein 5-jähriges Kind schon an echten Wettkämpfen teilnehmen?“, „Ist es nicht eine geistige Vergewaltigung des Kindes, wenn dieses schon im Kindergartenalter mehrere Stunden in der Woche Schach spielen?“, „Wann sollten Kinder anfangen in Erwachsenenmannschaften zu spielen?“ Die Antworten darauf lagen ungefähr so weit auseinander wie „Donald Duck Heft“ und „Frösi“ ( http://de.wikipedia.org/w... ).

Ich bitte die Sache nicht falsch zu verstehen. Ich selbst kämpfe mit jedem Meter in unserem Verein um einen wahren Bruderkuss zwischen ost- und westdeutschen Schach, einige westelbische Brüder sind bereits vollständig integriert, und doch erweist sich die Angelegenheit im Schach oft als schwergängiger als die Zusammenführung von - sagen wir - Georgiern und Ostdeutschen...