Von A nach B Am Lenker ein Gigant

© Giant
Unser Autor radelt mit dem Giant AnyRoad CoMax von Berlin-Prenzlauer Berg zu Ursula von der Leyen ins Verteidigungsministerium. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 10/2015

Mit einer Mischung aus Renn- und Crossrad Großstadtstraßen zu beackern ist nur auf den ersten Tritt widersinnig. Eigentlich, so denkt man, hat Berlin für ein Rennrad deutlich zu viele Ampeln und für ein Crossrad entschieden zu wenig Querfeldein. Doch der Berliner Radfahrer kompensiert das locker. Ampeln nimmt er prinzipiell nicht wahr, und die Großstadt versteht er als Dschungel, den er auf möglichst verschlungenen Pfaden möglichst rücksichtslos durchqueren muss. Ein Rad, das sein Hersteller, die Firma Giant, AnyRoad CoMax nennt und das als All-Wege-Rad daherkommt, passt also ideal in die deutsche Hauptstadt: Schnell und wild – so ist Berlin. Und ein Leichtgewicht, das sich als Gigant versteht – so ist der Berliner.

Ich bin in Prenzlauer Berg gestartet, einer Heimstatt der Wehrdienstverweigerer, und floate nun dem Verteidigungsministerium in Tiergarten entgegen. Als Besitzer eines gewöhnlichen Wald-und-Wiesen-Rades fühlt sich der Umstieg auf das AnyRoad-Bike so an, als würde ich vom VW Polo auf einen Porsche 911 wechseln: Alles fließt, und beim zartesten Tritt lasse ich all die Gewöhnlichen hinter mir. Man muss nicht fit sein, um sich fit zu fühlen, weshalb im leichtgewichtigen Giganten ein Illusionskünstler steckt. An einer Baustelle wechsle ich von Asphalt auf Schotter, dann auf Sand und zurück auf Asphalt, AnyRoad funktioniert.

Auf dem Weg zu Ursula von der Leyen muss ich an den armen Puma denken, jenen AllTerrain-Schützenpanzer für ausgedehnten Fahrspaß, der zu teuer, zu spät und zu fehlerhaft hergestellt wurde, weshalb er auch vier Jahre nach Erstauslieferung immer noch nicht im Einsatz ist. Vielleicht sollte man dem Puma einen speziellem Oberrohrverlauf für ein sicheres Handling in jeder Fahrsituation einbauen. Den Lenkerbügel müsste man mit breiteren Auflageflächen und nach außen verlaufenden Griffenden ausstatten. Und wenn man dem Puma noch eine durchschlagsichere 32c-Bereifung und die neue Shimano-105er-Schaltung verpassen würde, wäre er nicht nur ein Alleskönner, sondern auch ein AnyRoad. Bei den Soldaten angekommen, weiß ich, was zu tun ist: Schützenpanzer zu Chromrädern – dann klappt’s auch mit dem Export nach Saudi-Arabien.

Technische Daten

Rahmen: Carbon, Reifengröße: 35-622, Schaltung: 22-Gang-Kettenschaltung, Gewicht: 9,9 kg, Bremsen: Mechanische Scheibenbremsen, Basispreis: 1.599 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Der große George Tabori hat von der einzigen Ohrfeige erzählt, die sein Vater ihm jemals verpasst hat. Er kam aus der Schule und behauptete, alle Rumänen seien schwul. Nach der Ohrfeige klaubte sein Vater ihn unter dem Küchentisch hervor, setzte ihn auf seinen Schoß und erklärte ihm, dass das erstens nicht stimme, dass es zweitens, falls doch, nicht so schlimm wäre, und dass es drittens so etwas nicht gäbe: alle Rumänen. Ebenso wenig wie alle Berliner. Ich bin einer, fahre jeden Tag, brettere aber dennoch nicht rücksichtslos über rote Ampeln, schon gar nicht schnell und wild und aus Prinzip. Und, obwohl Wehrdienstverweigerer, wohne ich nicht im Prenzlauer Berg. Als "Gewöhnlicher" fahre ich Fahrrad, Sie fahren ja wohl Panzer. [...]

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Es wäre mir ja schon lieb, wenn Werbung auch als solche gekennzeichnet wird.

Ansonsten:

"Mit einer Mischung aus Renn- und Crossrad Großstadtstraßen zu beackern ist nur auf den ersten Tritt widersinnig."

Gerade angesichts der Kombination aus gut befahrbaren Parkwegen (Rennrad) und miserabel befahrbaren Straßen (Crossrad) scheint dieses Fahrrad für Berlin sehr passend zu sein.

Sorry, aber so Sprüche wie "der Berliner Radfahrer kompensiert das locker. Ampeln nimmt er prinzipiell nicht wahr, und die Großstadt versteht er als Dschungel, den er auf möglichst verschlungenen Pfaden möglichst rücksichtslos durchqueren muss." sind völlig daneben. Klar, Idioten gibt es auch unter den Radfahrern, aber derartige Pauschlisierungen sind einfach eine bodenlose Frechheit. Wäre schön, wenn das geändert würde.