Die großen Fragen der Liebe Kann sie seine Eifersucht ertragen?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 10/2015

Die Frage: Marianne und Peter sind seit einem Jahr zusammen und manchmal verzweifelt, weil es trotz – Peter sagt manchmal: wegen – ihrer großen Liebe Streit gibt. Peter hält Marianne vor, dass sie einen anderen geküsst hat, als sie noch nicht richtig zusammen waren. Marianne sagt, er habe doch damals auch nicht zu ihr gestanden, aber Peter meldet sich dann oft tagelang nicht. Peter scheint auch nicht darüber hinwegzukommen, dass Marianne schon mit doppelt so vielen Männern geschlafen hat wie er mit Frauen. Mal sagt er, er habe sich damit abgefunden, mal beschimpft er sie und behauptet, es ekle ihn vor ihr. Dann erklärt er wieder, er sei nur deshalb so eifersüchtig, weil er sie so sehr liebe. Marianne fragt sich, ob sie eine gemeinsame Zukunft haben.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Je weniger das Leben Rosengarten und Ponyhof ist, desto mehr wünschen wir uns wenigstens die Liebe als Wunschkonzert. Es tut weh, zu erleben, dass sie auch ein Training im Ertragen von Rivalität ist, wie bei Marianne und Peter: große Liebe – heftige Rivalität. Der Streitpunkt scheint zu sein, wer abhängiger ist. Mariannes Goldmedaille in der Anknüpfung von Liebesbeziehungen wurmt Peter. Er kann hier nicht fair bleiben und sich mit Silber abfinden, er möchte den Wettbewerb wieder abschaffen, den er doch selbst inszeniert hat. Leider sind zwei Menschen nötig, um aus einer solchen Rivalität auszusteigen; um sie zu beginnen, genügt einer. Der Glaube an die große Liebe sollte nicht zu der Überzeugung führen, es sei überflüssig, liebevoll miteinander umzugehen.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Unbewusste Rituale in der Liebe" ist bei Klett-Cotta erschienen.

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