Harald Martenstein: Über die Ausstrahlung des griechischen Finanzministers

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Aus der Serie: Martenstein ZEITmagazin Nr. 13/2015

Eine Frau, die ich gut kenne, gestand mir ihre Liebe. Und zwar die Liebe zu dem griechischen Finanzminister Varoufakis. Dieser Typ sei unglaublich cool. Mehr noch, cool und heiß zugleich. Ihre Freundinnen würden Varoufakis auch alle toll finden. Er ist das neue Sexsymbol.

"Obwohl er den Kragen seiner Anzugjacke hochschlägt und das Hemd über der Hose trägt?", fragte ich. Die gleiche Frau sagt nämlich zu mir immer, ich soll den Jackenkragen nicht hochschlagen und das Hemd nicht über der Hose tragen. Das sei albern und gockelhaft. Ob ich mich beim James-Dean-Lookalike-Wettbewerb in der Seniorenklasse bewerben möchte.

Sie sagte: "Varoufakis kann es tragen. Ihm steht es."

Ich sagte, dieser Varoufakis macht eine destruktive Politik, die sein Land höchstwahrscheinlich in den Abgrund führt. Womöglich ruiniert er die ganze EU. Sie sagte: "Er macht Politik wie ein Rockstar. Ein Rockstar zerschlägt halt hin und wieder die Einrichtung seines Hotelzimmers. Das gehört bei einem Rockstar dazu."

Wenn ich anfangen würde, ein Hotelzimmer zu zerschlagen, dann würde sie den Arzt rufen. Ich sagte, klar, ein Rockstar nimmt Drogen ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, und Varoufakis nimmt Kredite ohne Rücksicht auf seine Gläubiger. Die Parallelen sind überdeutlich.

Sie sagte: "Varoufakis ist ein Spieler. Alles oder nichts. Ein Mann, der genau weiß, was er will. Ein Mann, der ohne Umwege seinen Weg geht. Sehr viril, aber auch verletzlich und spirituell. Ein bisschen erinnert Varoufakis mich an Pater Ralph aus den Dornenvögeln, dieser Fernsehserie."

Ja, sagte ich, das stimmt. Varoufakis weiß genau, was er will. Er will unser Steuergeld. Dort, wo er mein Geld finden kann, geht dieser Dornenvogel ohne Umwege hin, völlig richtig. Gott, bin ich froh, dass wenigstens Angela Merkel nicht auf ihn abfährt. Aber wenn eines Tages Ursula von der Leyen Kanzlerin ist oder sogar Andrea Nahles, sind die Einlagen der deutschen Sparer nicht mehr sicher. Das wird alles an den Heiratsschwindler in Athen überwiesen. Warum fallt ihr Frauen eigentlich immer wieder auf diesen Typ Mann herein? Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass einer wie Varoufakis Windeln wechselt oder den Geschirrspüler ausräumt. Wenn seine Partnerin von ihm verlangt, dass er Windeln wechselt, dann droht er ihr damit, dass er Flüchtlinge aus Afrika in der Wohnung aufnimmt. Vielleicht sogar Terroristen. Oder er verfasst eine elfseitige Erklärung, in der steht, dass er sehr bald eine Windel wechseln wird, großes Ehrenwort, anschließend geht er weg und kommt erst nach einer Woche wieder zurück.

Das ist billiger Populismus, sagte die Frau. Und die Drohung, dass sie uns ihre Flüchtlinge schicken, falls sie kein Geld kriegen, kam von einem anderen griechischen Minister! Weißt du, mit der gleichen bedingungslosen Leidenschaft, mit der er für sein Land kämpft, würde Varoufakis auch um die Frau kämpfen, die er will. Das fühle ich. Er spielt sogar Klavier.

Ist dir nicht aufgefallen, fragte ich, dass im griechischen Kabinett keine Frau sitzt? Die haben keine einzige Ministerin. Nicht mal im Kulturministerium! Dieses Kabinett ist zu 100 Prozent schwanzgesteuert. Das griechische Kabinett ist etwa so frauenbewegt wie der Vatikan. Deshalb sind die auch so aggressiv, im Vatikan sorgt das Christentum für einen etwas niedrigeren Testosteronspiegel. Und das findet ihr Frauen plötzlich super? Was ist mit der Quote?

Man soll nicht immer alles zerreden, sagte die Frau.

Harald Martenstein ist Redakteur des Tagesspiegels.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Tja...

Tja...

So bleibt dem Mann an der Seite der Frau nur eines übrig. Gelegentlich den gockelnden Rockstar geben und das häussliche Inventar teilweise zu zerstören in einem Anfall von künstlicher Erregung.

Showbusiness halt und sind wir ehrlich, die künstlichen Erregungszustände deutscher Politiker vom Schlage eines Volker Kaudas und ähnliche geht auch uns Männerwelt mit Hirn wo es sein soll reichlich peinlich auf den Keks.

Falls Sie also mal mit einer E-Gitarre durch die Glasvitrine zu hause fegen wollen...

die eigenen Ketten und Handschellen ablegen, Hemd aus der Hose, Kragen hoch und Haare ab oder frei wehen lassen.

...do so - die Frau erlaubt es an sich...und allseits keep on rockin' free world...