Design Natürlich schön

Wir haben sieben Designer in den Wald geschickt – aus den Fundstücken entwarfen sie Objekte zum Nachbauen.
ZEITmagazin Nr. 14/2015

Federballset von Ana Relvão und Gerhardt Kellermann

Für diese Federballschläger wird ein dünner Ast zu einem Halbkreis gebogen. Je grüner er ist, desto einfacher lässt er sich biegen. Die Enden mit Paketband umwickeln, sie dienen als Griff des Schlägers. Dann ein kleineres Stück Ast zu einer Sichel biegen und in den Rahmen spannen, sodass sich der Kreis schließt. Anschließend mit Band fixieren. Für das Netz eignen sich schmale Streifen aus stabilem Band, das man um den Rahmen wickelt. Aus schmalen Holzstäbchen kann das Netz auch gesteckt werden. Dafür kleine Löcher in den Rahmen stechen. Für den Federball Blätter oder Bänder zu einem Knäuel binden und mit Federn bestecken.

Ana Relvão und Gerhardt Kellermann © Privat

Die 28-jährige Portugiesin Ana Relvão pendelte nach ihrem Industriedesign-Studium zwischen Lissabon und München und war unter anderem für Stefan Diez tätig. Gerhardt Kellermann, 31, entwirft seit 2012 für Marken wie Hay und Flötotto, letztes Jahr gründeten die beiden ihr gemeinsames Studio Relvão Kellermann. Als Designerpaar entwarfen sie für das ZEITmagazin ein Erlebnis für zwei: ein Federballset, das nach Belieben gestaltet werden kann. Auch sonst suchen sie Designlösungen für den Alltag und entwickeln beispielsweise Küchen für Bulthaup.

Holzschalen von Matteo Thun

Aus einem Pappelholz-Block werden drei Keile herausgesägt, die für die kleine, mittlere und große Schale an der niedrigen und hohen Kante jeweils folgende Maße aufweisen: 0,4 und 2,4 Zentimeter, 0,6 und 2,8 sowie 0,6 und 3,5 Zentimeter. Anschließend wird auf dem jeweiligen Keil die Form der Schale eingezeichnet und herausgesägt. Die Holzscheibe mit einer Schraubzwinge auf einem Arbeitstisch fixieren und mit einem Hohleisen den kompletten Innenraum der Schale von außen nach innen Schicht für Schicht abtragen. Dann kommt die Feinarbeit: für eine glatte Oberfläche die Schale mit Schmirgelpapier bearbeiten. Anschließend mit Leinöl behandeln.

Der Architekt und Produktdesigner Matteo Thun, 62, gilt als Vorreiter des nachhaltigen, grünen Designs. Holz war von Anfang an sein Lieblingsmaterial: "Sein Lebenszyklus ist praktisch unendlich. Holz ist leicht, besitzt optimale statische Eigenschaften, und es ist ein Urmaterial, aus dem der Mensch schon immer Gebrauchsgegenstände formte." So wie die drei Schalen, die Thun für uns entworfen hat. Das Beste am Holz, sagt er: "Je älter, desto schöner." Dieses Jahr eröffnet das JW Marriott Venice Resort, für das er eine ganze Insel in der Lagune von Venedig zu einem Hotel umbaute.

Steintiere von Charlotte Talbot

Um aus Steinen Tiere zu machen, braucht man nicht viel. Aber die Wahl der Steine ist entscheidend. Die Form sollte möglichst an Tiere oder lustige Gesichter erinnern. Fündig wird man am ehesten, wenn man spielerisch an die Sache herangeht und der Kopf frei ist. Dabei kann ein langer Spaziergang helfen. Zusätzlich zu den Steinen sollte man noch kleine, trockene Äste und Blätter sammeln. Zu Hause braucht man nur noch ein paar farbige Haushaltsgummis, mit denen die Ärmchen, Beine und Flügel der Tiere aus Ästen befestigt werden. Anschließend die Markierungspunkt-Aufkleber nach Wunsch zuschneiden und als Augen der Tiere aufkleben.

Die Französin Charlotte Talbot zog vor vier Jahren nach München, um für den Designer Konstantin Grcic zu arbeiten. In den Entwürfen der 27-Jährigen vermischt sich immer wieder Kunst mit Raum- und Produktdesign, wie auch die "Friendos" zeigen, die für unser Waldprojekt entstanden. "Ich wollte etwas entwerfen, das beim Betrachter gleich eine Geschichte auslöst." Zuletzt gestaltete sie gemeinsam mit Jonathan Mauloubier die Münchner Ausstellungshalle Lothringer 13, entwirft aber auch immer wieder Funktionales wie Garderoben, Leuchten und Schmuckkästchen.

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