Zimmerpflanzen Weg mit dem Gummibaum: 17 Tipps für Pflanzen in der Wohnung

Interview:
ZEITmagazin Nr. 14/2015

ZEITmagazin: Welches sind die größten Fehler bei der Begrünung von Wohnräumen?

Isabelle Palmer: Viele Menschen entscheiden sich spontan für den Kauf von Zimmerpflanzen. Sie stehen hoch motiviert in der Pflanzenabteilung eines Einrichtungshauses und nehmen alles mit, was ihnen gerade in die Hände fällt – ohne darüber nachzudenken, ob die Pflanzen auch unter den gegebenen Bedingungen wachsen können. Man fängt besser klein an. Zum Beispiel mit dem Ableger einer Pflanze von einem Freund, das kostet nichts. Und sollte es schiefgehen, hat man nicht gleich eine ganze Pflanze auf dem Gewissen. Am besten entscheidet man sich am Anfang für anspruchslose Pflanzen wie Sukkulenten und Kakteen.

ZEITmagazin: Welche Grundregeln sind bei Pflanzen zu beachten?

Palmer: Entweder wird zu viel oder zu wenig gegossen. Deshalb empfehle ich, sich schlauzumachen, welche Pflanze wie viel Wasser braucht. Es gibt inzwischen tolle Blogs und Websites, auf denen die wichtigsten Fragen schnell beantwortet werden, etwa gardenista.com oder apartmenttherapy.com. Es reicht nicht, sich an den Symbolen auf dem Pflanzenetikett zu orientieren: Eine halb volle Sonne kann so vieles bedeuten. Die paar Minuten Zeit zu investieren erspart einem am Ende großen Frust.

ZEITmagazin: Wie findet man den richtigen Platz für die Pflanze?

Palmer: Viele stellen ihre Pflanzen direkt ans Fenster, weil dort am meisten Sonne einfällt. Aber das ist denkbar ungünstig, denn die Glasscheibe intensiviert die Wärme der Sonne, und die Pflanze ist schnell großer Hitze ausgesetzt. Und wenn es bewölkt ist, wird es blitzartig kalt. Außerdem zieht es am Fenster häufig. Deshalb sollten die Pflanzen zwar in die Nähe eines Fensters, aber nicht direkt davor platziert werden.

ZEITmagazin: Oft kommt das Grün in der Wohnung nicht zur Geltung. Wie bringt man Einrichtung und Pflanzen gut zusammen?

Palmer: Harmonisch wird es meist dann, wenn sich die Farbe der Pflanze oder des Topfs irgendwo in der Wohnung wiederfindet. Hat man zum Beispiel Kerzenständer oder eine Lampe aus Kupfer, würde ein kupferfarbener Blumentopf gut passen. Bekommt die Pflanze Blüten oder hat mehrfarbige Blätter, könnte man ihre Farben auf die der Sofakissen oder auch auf die Wandfarbe abstimmen. Wenn man gerade erst anfängt, sich mit Zimmerpflanzen einzurichten, rate ich von großen Statement-Pflanzen ab. Sie verleihen einem Raum zwar Charakter, sehen aber aufgrund ihrer Größe sehr schnell verloren aus. Am besten stellt man sie in die Ecke. Kleinere Pflanzen lassen sich viel leichter in den Raum integrieren. Bei der Auswahl geht man wie beim Kauf von neuen Einrichtungsgegenständen vor: Man kauft nicht impulsiv drauflos, sondern überlegt sich zuerst, wo was stehen soll, und stimmt die Entscheidung darauf ab.

ZEITmagazin: Welche Pflanzen lassen sich gut miteinander kombinieren?

Palmer: Je vielfältiger die Grüntöne sind, desto spannender wird es. Am besten kombiniert man immer eine ungerade Anzahl an Töpfen oder Arrangements miteinander. Also entweder entscheidet man sich für einen einzelnen Topf, oder man kombiniert drei, fünf oder sieben Töpfe miteinander.

ZEITmagazin: Welche Pflanzen werden unterschätzt?

Palmer: Drei Pflanzen haben mehr Beachtung verdient. Der Schwertfarn zum Beispiel. Der ist eher etwas für fortgeschrittene Gärtner: Er fühlt sich zwar auch im Schatten wohl, braucht aber recht viel Wasser, da sein natürlicher Lebensraum der Regenwald ist. Er absorbiert Schmutzpartikel aus der Luft und gibt Wasserdampf ab. Damit wirkt er wie ein natürlicher Luftbefeuchter. Wenn man es pflegeleichter mag, funktioniert ein Ficus lyrata – Geigenfeige – gut. Er war eine Zeit lang ein bisschen aus der Mode, aber jetzt findet man ihn wieder in vielen Gärtnereien. Als Alternative zum allgegenwärtigen Gummibaum ist er ideal. Seine mächtigen, welligen Blätter sind wirklich außergewöhnlich und sorgen für ein tolles Schattenspiel an der Wand. Vor allem für Anfänger sind Luftpflanzen toll: Tillandsien muss man nicht einpflanzen, sie beziehen all ihre Nährstoffe aus der Luft. Es reicht vollkommen aus, sie einmal pro Woche einzusprühen.

ZEITmagazin: Welche Gewächse klettern schön?

Palmer: Die Passionsblume (Passiflora tarminiana) ist wirklich atemberaubend. Sie ähnelt der Clematis, aber ihre Blüte ist noch ein wenig feiner und auffälliger. Auch gewöhnlicher Efeu feiert gerade ein großes Comeback, bei der Begrünung von Innenräumen wird er allerdings noch unterschätzt. Nur sollte man die Finger vom weiß-grünen Efeu lassen, der wirkt schnell spießig. Bei den einfarbigen Arten hat man die Wahl zwischen herzförmigen oder dreieckigen Blättern. Kletterpflanzen sehen vor allem in hängenden Töpfen toll aus.

ZEITmagazin: Und welche blühenden Pflanzen sind zu empfehlen?

Palmer: Das Flammende Käthchen ist wunderschön. Es gehört zu der Familie der Sukkulenten, hat also dicke Blätter, aber eben auch leuchtende Blüten. Wie der Rest seiner Artenfamilie ist es sehr pflegeleicht. Ich habe mal eine Kalanchoe in einer Box vergessen, die sah nach drei Monaten immer noch tadellos aus. Blütenlos und trotzdem sehr farbenreich ist die Buntnessel. Ihre Blätter sind dunkelgrün und gehen in ein tiefes Violett über – so wie die Blumen auf vielen Bildern von Georgia O’Keeffe.

ZEITmagazin: Welche Pflanzen haben gute Überlebenschancen in kleinen, dunklen Wohnungen?

Palmer: Besonders zäh sind natürlich Sukkulenten und Kakteen. Die fühlen sich eigentlich überall wohl. Anstatt eines Blumentopfs nehmen Sie am besten eine große Schale, darin finden gleich mehrere Exemplare Platz. Zusammen mit ein paar Kieselsteinen und Moos hat man dann sofort einen grünen Fleck in der Wohnung geschaffen, der nur wenig Pflege braucht. Für dunkle Wohnungen empfehle ich Gras, das ist sehr pflegeleicht und immergrün. Es gibt so viele verschiedene Gras-Arten – besonders eindrucksvoll ist der Schwarze Schlangenbart wegen seiner außergewöhnlich dunklen Farbe. Auch Aloen gedeihen wunderbar im Schatten. Sie sind enorm ausdauernd und robust. Ähnlich verhält es sich mit Peperomien. Ihre Blätter sind entweder saftig grün, weiß-grün oder rot-braun gestreift. Am besten kombiniert man unterschiedliche Sorten, das sieht dann ein bisschen lebendiger aus.

ZEITmagazin: Wo bekommt man gute Pflanzen?

Palmer: Gartencenter sind in der Auswahl sehr begrenzt und bieten meistens alle das Gleiche an. Wenn man etwas Außergewöhnliches finden will, schaut man am besten ins Internet. Das Angebot dort ist extrem vielfältig, außerdem hat das Online-Pflanzenshopping einen weiteren Vorteil: Alles wird direkt vor die Haustür geliefert. Für Kakteen, Sukkulenten und Samen empfehle ich die Seite kakteen-piltz.de. Der Onlineshop kakteengarten.de hat ein bisschen mehr Auswahl, dort gibt es neben Sukkulenten zum Beispiel auch Gräser oder Opuntien. Für ausgefallene Töpfe lohnt es sich, auf etsy.com zu schauen. Für antike Terrarien oder Wardsche Kästen braucht man etwas mehr Glück. Ich gucke gerne auf Flohmärkten oder auch bei eBay.

ZEITmagazin: Wie oft muss man Zimmerpflanzen umtopfen?

Palmer: Grundsätzlich wird alle zwei Jahre ein neuer Topf fällig. Viel wichtiger ist es aber, den Pflanzen von vornherein genügend Platz zu lassen, damit sie Wurzeln schlagen können. Im Zweifel sollte man sich immer für einen etwas größeren Topf entscheiden.

ZEITmagazin: Wie kann man Pflanzen versorgen, wenn man mal nicht da ist?

Palmer: Es gibt kleine Tricks, mit denen das Schlimmste verhindert werden kann: zum Beispiel aus einer Plastikflasche einen Wasserspender basteln, damit die Pflanze nicht ganz austrocknet. Dazu füllt man erst die Flasche mit Wasser, sticht dann ein paar Löcher in den Deckel und steckt sie verkehrt herum in die Erde. Alternativ kann man die Pflanze einfach in das mit Wasser gefüllte Spülbecken stellen.

ZEITmagazin: Oft stehen Kräuter in der Küche. Ist das überhaupt der richtige Ort für sie?

Palmer: Man muss zwischen den zähen und weniger zähen Kräutern unterscheiden. Selbst bei mir geht das Basilikum leider regelmäßig ein, es ist einfach sehr empfindlich. Rosmarin und Thymian sind da schon robuster. Weil beide Arten Sonne mögen und man sie meist zum Kochen braucht, stellt man sie instinktiv auf die Fensterbank, wo sie schnell austrocknen können. Ich habe vor Kurzem eine alte Weinkiste in einen hängenden Kräutergarten verwandelt – er hängt jetzt über meinem Esstisch. Gerade für kleine Wohnungen ist das eine schöne Lösung. Viele Kräuter eigenen sich aber auch dafür, sie samt Wurzeln im Wasser zu halten. Man braucht lediglich eine Vase, die kann ruhig bauchig sein, nur der Hals muss schmal sein, damit die Pflanzen nicht untergehen. In einem breiteren Gefäß kann man auch mehrere nebeneinander arrangieren.

ZEITmagazin: Was ist mit dem Badezimmer – welche Pflanzen fühlen sich dort wohl?

Palmer: Farne lieben es feucht, deswegen ist das Bad die ideale Umgebung für sie. Neben dem Schwertfarn ist auch das Spargelkraut sehr hübsch. Mein absoluter Favorit unter den Farnen ist aber, gerade weil man ihn so selten sieht, der Frauenhaarfarn. Seine Blätter sind kleine Tupfen, die an Herzen erinnern und herrlich grün leuchten. Allerdings braucht diese Farnart viel Pflege. Gießt man ihn nicht regelmäßig, ist er schnell eingegangen. Ganz anders dagegen Efeu: Nur wenige Pflanzen sind derart unkompliziert, er wächst nahezu überall. Alle drei machen sich gut in hängenden Töpfen. Auch ein Arrangement aus unterschiedlichen Pflanzen wie Haworthia, Pfeilwurz oder Bogenhanf kann toll aussehen. Letztere brauchen kaum Licht, dadurch eignen sie sich wunderbar dafür, dunkle Orte wie zum Beispiel den Platz unter dem Waschbecken zu verschönern.

ZEITmagazin: Welche Pflanzen sind für Hängetöpfe geeignet?

Palmer: Eigentlich fast alle. Ich habe sogar mal Himbeersträucher in hängende Objekte verwandelt. Dafür braucht man lediglich ein großes Stück Moos, auf dem man, ausgebreitet auf einem Tisch, feuchte Erde verteilt. Damit umwickelt man dann den Wurzelballen des Strauchs und zieht das Paket mit Gartenzwirn fest. Allerdings braucht der hängende Obstgarten jeden Tag Wasser, am besten wendet man dafür die erwähnte Tauchmethode im Spülbecken an.

ZEITmagazin: Von welchen Pflanzen sollte man besser die Finger lassen?

Palmer: Bei Yuccapalmen denkt man sofort an langweilige Menschen. Wahrscheinlich weil sie in so vielen trostlosen Büros stehen. Jeder kennt diese bedauernswerten Exemplare auf Schreibtischen, deren braune Blätter schwer nach unten hängen. Ein Albtraum ist für mich auch der Weihnachtsstern. Er hat einfach etwas Altbackenes. So auch die Orchidee, die kann ich mittlerweile wirklich nicht mehr sehen.

ZEITmagazin: Sind vertikal bewachsene Wände nur etwas für Architekten, oder kann man sie auch in der eigenen Wohnung anlegen?

Palmer: Grüne Wände sind nichts für Menschen, die das Gießen vergessen. Damit ein vertikaler Garten wirken kann, braucht man ein gut funktionierendes Bewässerungssystem. Denn es ist fast unmöglich, alle Pflanzen gleichmäßig mit Wasser zu versorgen. Die Schwerkraft zieht die Feuchtigkeit stets nach unten, die oberen Pflanzen bleiben oft trocken. Möchte man einen großen Teil der Wand begrünen, sollte man tatsächlich einen Architekten engagieren. Gibt man sich mit Kleinerem zufrieden, kann man in Bilderrahmen grüne Bilder anlegen, indem man sie mit Moos bestückt. Täglich besprüht, trocknet es auch nicht aus. Oder man bepflanzt eine alte Holzkiste mit Hauswurzen und befestigt sie vor dem Aufhängen mit Hühnerdraht. Auch sie brauchen täglich Feuchtigkeit.

ZEITmagazin: Als Sofortmaßnahme: Wie sieht die Wohnung schnell nach Frühling aus?

Palmer: Das geht am einfachsten mit Zwiebelblumen wie Hyazinthen oder Narzissen. Die gibt es in jedem größeren Supermarkt zu kaufen. Setzen Sie die Zwiebel mit etwas Erde in ein Hyazinthenglas, und stellen Sie es dann an einen kühleren Ort, bis die ersten Wurzeln treiben. Dann kann es an einen helleren Ort, auf die Fensterbank zum Beispiel. Gerade zum Frühlingserwachen macht es Spaß, den Blumen beim Wurzelnschlagen zuzusehen. Das hat etwas von Neuanfang. Toll ist auch der Kumquatbaum. Man sollte aber nicht erwarten, im nächsten Jahr Marmelade aus den kleinen orangefarbenen Zitrusfrüchten kochen zu können – denn leider kommen sie nur selten ein zweites Mal wieder. Dafür ist der Duft ihrer Blüten wirklich einmalig. Das ganze Haus duftet dann nach Italien.

Isabelle Palmer, 34, vermisste den Garten ihrer Kindheit so sehr, dass sie aus ihrer Londoner Wohnung eine grüne Oase machte. Später gründete sie das Onlineunternehmen The Balcony Gardener. Die Grüngestalterin gab uns die Tipps

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