Stilkolumne Immer schön sportlich im Dienst

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 17/2015

Das Böse hat keinen Stil. Aber was ist mit der Gerechtigkeit? Wie ziehen sich die Guten an? In der Vergangenheit kleideten sich Kriminalkommissare im Fernsehen so, dass man sie bei jeder Gegenüberstellung sofort erkannt hätte. Man schrieb ihnen spezifische Kleidungsstücke zu, die Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit zuließen. So trug Horst Tappert als TV-Kommissar Stephan Derrick immer Anzug, Krawatte und Eulenbrille – die personifizierte Ordnung. Sein Kollege Fritz Wepper durfte als Harry Klein schon mal im lockeren taubenblauen Sakko mit schwarzem Hemd auftreten. Und Götz George trat als Horst Schimanski stets in einer schmuddeligen Army-Jacke auf. Die Botschaft: Dieser Mann hat Wichtigeres zu tun, als sich beim Herrenausstatter herumzudrücken.

Damals bestimmte die Berufskleidung der Kriminalkommissare ihren Stil. Heute gibt es allein beim deutschen Tatort fast 50 aktive Ermittler, darunter 19 Frauen. Aber an wessen Stil erinnert man sich eigentlich, wenn der Fernseher wieder aus ist? Vielleicht an Nora Tschirners Berlin-Mitte-Parka, den sie als Kira Dorn auch in Weimar trägt? Der persönliche Stil kommt nur noch als Karikatur vor, etwa im überkorrekten Outfit von Jan Josef Liefers als Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner Tatort.

Der heutige Tatort-Kommissar tritt dem Zuschauer nicht mehr als Repräsentant einer Berufsgruppe entgegen, sondern als Privatmensch, der einen sehr anstrengenden Beruf hat. Deswegen sollen die Charaktere so aussehen, dass man sich mit ihnen identifizieren kann. Eben noch das Kind ins Bett gebracht und dann schon wieder Handyanruf, Leiche. Das hat dazu geführt, dass Tatort-Kommissare keinen eigenen Stil mehr haben. Aber es gibt durchaus eine Art Tatort-Style: sportliche Unauffälligkeit. Kommissarinnen tragen im Einsatz mehrheitlich kurz geschnittene, taillierte Lederjacken. Der männliche Ermittler trägt gerne einen Troyer, also einen Pullover mit Reißverschluss-Kragen. Oder einen Wollpulli mit Rundhalsausschnitt. Den kann man sehr gut unter einem Sakko anziehen. Ein überzeugender Anhänger dieser Kombination ist Mark Waschke als Robert Karow im Berliner Tatort.

Da es mit dem persönlichen Stil so schwierig geworden ist, könnten Kommissare zur Abwechslung auch mal zu einem Kleidungsstück greifen, das im Tatort keiner von ihnen trägt: eine Uniform. Damit würden nicht nur die Verbrecher nicht rechnen.

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