Die großen Fragen der Liebe Müssen Kommissare unglücklich sein?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 17/2015

Die Frage: Carola ist eine junge, ehrgeizige Kommissarin; sie macht in ihrer Freizeit den Pilotenschein für Hubschrauber und trainiert Taekwondo. Manchmal denkt sie, dass sie in ihrem Leben gar keinen Platz für eine Familie hat und ihre Rolle als heimliche Geliebte eines verheirateten Staatsanwaltes daher genau das Richtige für sie ist. Niemand ist sauer, wenn sie spät heimkommt. Aber jetzt hat sie doch eine wütende Mail geschrieben und mit Schlussmachen gedroht, weil ihr Freund die Einladung zu einem Skiwochenende zurückgenommen hat. Ein Kollege fährt ebenfalls dorthin, zu riskant. Doch Carola fängt gleich nach ihrem Wutausbruch schon an, ihren Liebhaber zu vermissen. "Da musst du durch", sagt eine Kollegin. "Kommissare haben eben kein Glück in der Liebe!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Tatsächlich sind Kommissarinnen oder Kommissare in den meisten Drehbüchern schwierige Singles, Einzelgänger mit Alkoholproblemen – oder so sehr mit ihrem Beruf verheiratet, dass für Zweisamkeit nicht viel Raum bleibt. Ist das nur ein dramatischer Kunstgriff, oder steckt ein Stück Wahrheit darin, und wenn es auch nur die ist, dass einsame Spürhunde mehr Fantasien auf sich ziehen als brave Familienmenschen? Oft fällt es Frauen schwerer, eine Beziehung nebenbei laufen zu lassen, auch wenn sie denken wie Carola, die glaubt, sie könnte ein Familienleben nicht verantworten. Dennoch sollte sich Carola klarmachen, dass sie einen Mann braucht, mit dem sie sich auseinandersetzen kann, und keinen, der sich nur mit ihr treffen will, wenn es niemand merkt.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Die deutsche Ehe" ist bei Orell-Füssli erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de.

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren