Ich habe einen Traum: Laura Tonke

"Immer wieder träume ich, dass irgendwelche Stars in mich verliebt sind"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 19/2015

Wenn ich morgens aufwache und über mich selbst lachen muss, liegt das an einem ziemlich peinlichen Traum, der mich seit geraumer Zeit begleitet: Ich träume immer wieder, dass irgendwelche Stars in mich verliebt sind. Es sind nur leider keine Leute, die ich toll finde. Das befremdet mich.

Ich träume zum Beispiel von Justin Bieber, David Hasselhoff oder dem Sänger von Tokio Hotel. Sie lernen mich kennen, die Situation ist sehr authentisch. Ihr Interesse schmeichelt mir. Mir ist bewusst, dass ganz viele andere Frauen gern an meiner Stelle wären, und ich verbringe eine sehr unschuldige Zeit mit dem Star, die jedes Mal damit endet, dass er mich küssen möchte. Ich denke mir: Okay, ein Kuss, was soll’s! Und wache genau in diesem Augenblick auf.

Das Unangenehme an diesem Traum ist, dass er wahrscheinlich viel über mich aussagt. Ich bekomme Anerkennung und Aufwertung durch einen Star – an seiner Seite bin ich automatisch selbst einer. Das schien mir, als ich zehn war, noch sehr erstrebenswert. Ich hörte damals viel Musik von den Ärzten. Wenn Farin Urlaub sang, dass er sich eines Tages rächen und als Star, der in der Zeitung steht, die Herzen aller Mädchen brechen werde, sprach er mir damit aus der Seele. In meinem Fall waren es eben Jungs.

Im Rückblick ist das absurd. Es gab nichts, wofür ich mich hätte rächen müssen. Keine enttäuschte Liebe, keine Ablehnung oder Ausgrenzung. Und auch der Ruhm ist mir mittlerweile egal, die vermeintlichen Annehmlichkeiten, die man als Schauspielerin hat. Der Prozess des Filmemachens ist viel aufregender als das, was er an Starrummel so mit sich bringen kann. Den fand ich schon nach meinem ersten Film anstrengend. Ich habe mich daher sehr bald an Leuten wie Charlotte Gainsbourg oder Jodie Foster orientiert; sie sind sich immer treu geblieben. Das macht mir Mut, denn es zeigt mir, dass man als Schauspielerin nicht gezwungen ist, irgendwelchen Erwartungen oder Klischees zu entsprechen.

Obwohl ich also den Starzirkus ablehne, muss ich gestehen, dass ich mich gern von anderen Menschen begeistern und mitreißen lasse. Ich empfinde mich dann tatsächlich als Fan, mit allem, was dazugehört: rot werden, aufgeregt sein, zu irrationalen Handlungen neigen. Es gibt zum Beispiel ein Fashion-Blog, das ich regelmäßig lese, Dandy Diary. Die Jungs dahinter habe ich mal bei einem Essen getroffen. Ich ging zu ihnen hin und sagte, wie toll ich ihr Blog finde. Dann musste ich sofort weitergehen, ich traute mich einfach nicht, stehen zu bleiben.

Zurzeit bin ich ein großer Fan von Jan Böhmermann. Was der macht, empfinde ich als sehr befreiend. Er spricht so viele Dinge aus, denen ich zustimme. Mich inspiriert er unglaublich, denn durch jemanden wie ihn wird mir bewusst, wie wichtig es ist, dass man für seine Ansichten geradesteht. Das ist es doch letztlich, was einen ausmacht.

Laura Tonke, 41, ist in Berlin geboren und lebt immer noch dort. Mit 17 debütierte sie in Michael Kliers Film "Ostkreuz". Später war sie in der Rolle der Gudrun Ensslin in "Baader" zu sehen. Am 7. Mai startet der Kinofilm "Hedi Schneider steckt fest", in dem sie eine Frau mit Panikattacken spielt

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