Gesellschaftskritik Über theoretische Physik

© Jason Merritt/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 19/2015

Einfach gestrickte Menschen wie wir von der Gesellschaftskritik dachten ja, dass Naturwissenschaften und der Glaube einfach nicht zusammenpassen. Wissen und glauben – das sind zwei paar Schuhe, so unsere naive Annahme. Doch nun widerspricht dieser Annahme ausgerechnet einer der bekanntesten Physiker der Welt, nämlich Stephen Hawking.

Hawking, der seit fast 50 Jahren im Rollstuhl sitzt, weil er an einer seltenen Nervenkrankheit leidet, wurde kürzlich eine Frage gestellt, für die ein Physiker eigentlich die falsche Adresse ist, auch wenn die Fragende das Unpassende ihres Anliegens geschickt verschleierte.

Eine Frau fragte Stephen Hawking nämlich bei einer Veranstaltung in Sydney: "Welche kosmologischen Auswirkungen hat es, dass Zayn One Direction verlassen und damit die Herzen von Millionen Mädchen gebrochen hat?"

Zayn Malik war bis vor ein paar Wochen Sänger der außerordentlich erfolgreichen Boygroup One Direction. (Zayn ist Arabisch und heißt so viel wie "Schönheit", und so sieht der junge Mann auch aus, wobei es seinen weiblichen Fans vor allem sein herrliches schwarzes Haar angetan hat – ein Mädchen schrieb an einen britischen Fernsehsender: "Maliks Haar zeigt mir, dass es noch Wunder gibt.") "Endlich mal eine Frage zu den wirklich wichtigen Dingen", antwortete der Physiker der jungen Frau. "Mein Tipp für jedes junge Mädchen mit gebrochenem Herzen ist, sich auf das Studium der theoretischen Physik zu konzentrieren." Es sei nicht auszuschließen, dass es identische andere Universen gebe – und dass in so einem Universum Zayn noch bei der britisch-irischen Band sei. Was für eine schöne Vorstellung!

Universen, in denen die Welt noch in Ordnung ist: In einem dieser Universen bleibt Jürgen Klopp Trainer des BVB, in einem anderen ist George Clooney nicht mit dieser Amal Wie-auch-immer verheiratet und denkt auch gar nicht daran, sie zu heiraten. In wieder einem anderen Universum ist Stephen Hawking nicht auf einen Rollstuhl und einen Sprachcomputer angewiesen. Im nächsten gibt es keinen Hunger, keine Krankheiten, Kriege und Flüchtlinge. So muss es im Himmel sein. Und damit hat der Physiker Stephen Hawking etwas getan, wofür er endlich den Nobelpreis bekommen sollte: Er hat mit seiner einfachen, allgemeinverständlichen Antwort die Naturwissenschaft und den Glauben miteinander versöhnt.

Kommentare

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Können Sie denn "jenes höhere

Können Sie denn "jenes höhere Wesen, das wir verehren" (H. Böll, Dr. Murkes gesammeltes Schweigen), mit absoluter Gewißheit ausschließen?! Sehen Sie, das ist doch das Nette an uns Agnostikern, daß wir uns eine Hintertür (und sei es auch nur für das Fliegende Spaghettimonster) offenhalten und ansonsten uns an eine Ethik halten, die eben nicht allein aus Humanismus und Aufklärung stammt und Ungläubige nicht als "Gotteslästerer" verurteilt. Ihr Begriff von "Glaube" greift da erheblich zu kurz.

Zayn oder nicht Zayn (Fan) ...
To be or not to be (Hamlet) ...
To be is to do (Platon) ...
To do is to be (Aristoteles) ...
Do be do be do (Sinatra) ...
Yabba dabba doo (Fred Feuerstein) ...
Dabba dabba doo (Kate Bush) ...
Scooby-doobee-doo (Scooby-Doo) ...
Double to be is better for you (Hawking) ...
Double Zayn is not my Zayn (enttäuschter Fan).
Oder auch: Du sollst keine Paralleluniversen haben neben mir (Theologin zu Astrophysiker).

Verdammt noch mal, was habt ihr mich jetzt reingelegt:
Im festen Glauben, dass es in dem Artikel um theoretische Physik gehen würde, habe ich heftig nachgedacht, warum mir ein "Zayn Malik" völlig unbekannt ist und ob es sich bei dem Foto um das Portrait eines neuen wissenschaftlichen Wunderkindes handelt.
Las dann etwas von "One-Direction-Trennung" und habe mein Wissen durchforstet, ob es sich um irgendeinen rätselhaften Effekt handeln könnte, eventuell im Zusammenhang mit dem Urknall...
Fand aber nichts!
Notgedrungen musste ich also den Artikel lesen.
Um dann zu erfahren, dass es einen weiteren Tralala auf dieser Welt gibt, den die Mädels in entsprechendem Alter anschmachten.
Aha, heutzutage muss man dafür also so aussehen?
Interessant, ich stelle mir gerade vor, was ich in den 80ern für Sprüche von irgendwelchen Türstehern zu hören bekommen hätte, wenn ich so aussehend Einlass begehrt hätte...
Ach ja: BRAVO, Herr Hawking!

Und dabei ist das Weltall doch voll von mythischen Jungfrauen-Jungmänner-Geschichten, die zwischen Halo und Halleluja changieren ... und die Hirne junger Damen mitten im Pferdekopfnebel, drinnen wie draußen. Eben noch Pony struwwelisch, alsbald Bonnie Struwwelmisch. Morgens mit 17 ist die Welt aber in Unordnung - statt des unbedarften Gaylord ("Freue dich im Herrn") Pentecost erscheint nunmehr Deneb Maliki als neues Gestirn für Delilah und ihre Haargelüste. Auf dem Kampfstern Galantika tobt mehr als eine Andromeda ("im Gedenken eines Mannes"), die doch bitte am Felsen ihrer Sehnsucht von einem echten Perseiden errettet werden will vor dem aufgeblasenen Ketos. Dafür ist Hawking der richtige Adressat: Sein Alter Ego Eddie Redmayne kann zwar nicht singen ... aber auch er hat die Haare schön, fast wie eine Coma.