Gesellschaftskritik Über Protagonistinnen von Popsongs

© Johannes Simon/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 21/2015

"Ich kannte sie zu der Zeit noch nicht. Was ich weiß, ist, dass sie damals die einzige griechische Studentin der Bildhauerei am St. Martin’s College war. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sie eine sehr faszinierende Person ist."

Mit diesem Statement kommentierte Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis das Gerücht, der Pulp-Song Common People, der von einer griechischen Studentin aus reichem Hause erzählt, handele von seiner Ehefrau Danae Stratou.

Schwer zu sagen, ob da etwas dran ist. Sicher ist nur: Es gibt viele Popsongs, die auf prominente Frauen zutreffen könnten, und viele prominente Frauen, die vermutlich nichts dagegen hätten, einen Popstar zu einem Song inspiriert zu haben. Wir ahnen schon, welche halbherzigen Dementis wir bald lesen werden:

Der Pressesprecher von Ursula von der Leyen dementierte das Gerücht, der Bob-Dylan-Song Like a Rolling Stone ("Once upon a time you dressed so fine / Threw the bums a dime in your prime, didn’t you?") handele von Ursula von der Leyen: "Ja, die Familie von der Leyen reiste in den sechziger Jahren nach Amerika. Ursula von der Leyen möchte aber betonen, dass Bescheidenheit und Respekt vor Schwächeren in ihrer Familie wichtige Werte waren. Das mag dazu beigetragen haben, dass sie die Person geworden ist, die sie ist." Zeitgleich äußerte sich der Ehemann von Rita Süssmuth zu dem Gerücht, die Elvis-Interpretation von Muss i denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart) sei ein Abschiedsgruß an die zwei Jahre jüngere Rita Süssmuth: "Ja, Rita war ein süßer Backfisch, als Elvis in Deutschland stationiert war. Sie wohnte allerdings im Münsterland und Elvis in Hessen. Damals eine beschwerliche Reise. Aber who knows? Wir finden, dass eine Ehe Geheimnisse braucht." Zur selben Zeit nahm Margot Käßmann auf Facebook Stellung zu der Meldung, Leonard Cohen habe sich von ihr zu seinem Song Hallelujah inspirieren lassen, als sie in den achtziger Jahren in Vancouver als jüngstes Mitglied in den Zentralausschuss des Ökumenischen Rates gewählt wurde: "Zeitlich würde es passen: Das Lied kam 1984 heraus, 1983 war ich in Kanada. Vielleicht hat Leonard Cohen eine meiner Predigten gehört #GottesHand." Nur Karl-Theodor zu Guttenberg reagierte genervt auf die Frage eines Reporters, ob Uptown Girl von seiner Frau Stephanie handele. "Sie war damals acht", sagte er. "Gehen Sie lieber mal der Frage nach, was es mit dem Song Simply the Best auf sich hat."

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