Stilkolumne Triumph der Bademeister-Mode

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 23/2015

Was einen schönen Schuh ausmacht, darüber gibt es fast so viele Meinungen wie Schuhe. Man hätte beispielsweise vor nicht allzu langer Zeit Probleme gehabt, Sneakers als attraktives Schuhwerk zu bezeichnen. Heute sind sie Teil jeder zweiten Modenschau. Auch den Gummistiefel hätte man nicht unbedingt in der Schönheitsparade der Fußkleider ganz vorne vermutet: ein unbequemer Kunststoffschuh, in dem die Füße anfangen zu stinken. Bis die britische Marke Burberry den Gummistiefel zum Kultobjekt machte. Es scheint also vieles möglich.

Aber eben nicht alles. Pantoletten etwa – jene flachen, an der Ferse offenen Schuhe zum Hineinschlüpfen – kann man beim besten Willen nicht als schön bezeichnen, oder? Doch plötzlich ist die klassische Fußbekleidung des Bademeisters Teil der Designermode geworden, man sieht sie zum Beispiel bei Cédric Charlier, MSGM, Hunter, Marc Jacobs, Jeremy Scott, Rick Owens, Jil Sander, Stella McCartney, Alexander Wang, Christopher Kane und Raf Simons. Wie konnte das passieren?

Die Pantolette galt schon einmal als heißer Schuh: In der Version der Mules – das sind Pantoletten mit Absatz – waren sie in den französischen Boudoirs des 18. Jahrhunderts sehr beliebt. Weil der Schuh leicht vom Fuß glitt, eignete er sich gut für intime Begegnungen. Ebenfalls fürs Schlafzimmer gedacht waren sogenannte Marabu-Pantoletten, die mit Marabufedern verziert waren und gleichermaßen verspielt und verrucht wirken sollten. Es ging also weniger darum, wie der Schuh aussah, sondern vielmehr darum, was man damit machte. Und oft entsteht die Schönheit eines Schuhs ja erst im Gebrauch: Die Haltung, mit der er getragen wird, macht ihn hübsch oder hässlich.

So verhält es sich auch mit den Pantoletten von heute. Selbst tadellos manikürte Füße sehen darin nicht modisch aus. In der vorne offenen Variante bringt der Schuh die Zehen ungünstig zur Geltung, hinten rückt die womöglich schrundige Ferse in den Blickpunkt. In Pantoletten sieht man aus, als bewege man sich gerade zum Buffet eines All-inclusive-Hotels. Und genau das soll der Schuh auch ausdrücken: Der Träger kann es sich leisten, nicht beeindrucken zu wollen. Er ist ganz einfach entspannt. Völlig egal, dass der vorteilhafte Gang dahin ist, weil man in Pantoletten nur watscheln kann. Und immerhin bekommt man sie auch heute noch im entscheidenden Moment schnell vom Fuß.

Foto: Adiletten von Adidas, 45 Euro

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