Die großen Fragen der Liebe Gibt es eine Liebe ohne Hindernisse?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 24/2015

Die Frage: Sam und Laura waren die ersten Ehejahre mit ihrem Kinderwunsch beschäftigt. Mithilfe der Fertilitätsmedizin bekamen sie Zwillinge – und teilten weiterhin das Gefühl, für ihre erotische Beziehung zu wenig Zeit zu haben. Mittlerweile gehen die Zwillinge aufs Gymnasium. Laura hat mit Empörung eine Nebenbeziehung von Sam entdeckt. Sie wollte sich trennen, hat aber eingelenkt, als Sam versprach, die Freundin zu verlassen. Und jetzt hat es sie erwischt: Sie hat sich in einen verheirateten Mann verliebt. Als Sam das herausfindet, reagiert er so panisch, dass auch Laura einen Rückzieher macht. Die beiden versöhnen sich und durchleben einen Liebesfrühling. Aber Laura träumt weiter von ihrem Geliebten und schimpft sich nachher aus: Das geht so nicht weiter!

Wolfgang Schmidbauer: Im Nachhinein, etwa am Vorabend silberner, noch besser goldener Hochzeiten, lassen sich beruhigende Erkenntnisse über die Festigkeit unserer Liebesbeziehungen gewinnen. Durch verkrampftes Bemühen, einen Dauerzustand herzustellen und festzuhalten, lässt sich leider keine Sicherheit gewinnen. In Lauras Sehnsucht nach der ganz und gar auf Sam bezogenen Liebe sehe ich eher eine Selbstkritik, dass auch Sam und sie das Geheimnis der perfekten Ehe nicht entdeckt haben. Auch wenn es Laura nicht leichtfällt, den Geliebten aufzugeben, verbindet sie doch mit Sam viel mehr. Sie muss keinen Dauerzustand nach Vorschrift herstellen, sie hat ihn schon: Eine Liebe, die Winterstürmen standhält und in einen späten Frühling findet, wird auch in Zukunft einiges verkraften.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Die deutsche Ehe" ist bei Orell-Füssli erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de.

Kommentare

0 Kommentare Kommentieren