Katja Suding 99 Fragen an Katja Suding

ZEITmagazin Nr. 26/2015
Wie interviewt man Katja Suding? Der Harmlosigkeit mit harmlosen Fragen begegnen? Von

Öffentliches Interview im Mojo Club auf der Hamburger Reeperbahn: etwa 200 Zuhörer. Im Frühjahr des Jahres holte die ehemalige PR-Beraterin Katja Suding, 39, bei den Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft 7,4 Prozent der Stimmen für die FDP. Seither ist Suding der Star einer seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 zutiefst verunsicherten Partei. Man kann schon sagen: Ohne Katja Suding und ihren Erfolg in Hamburg wäre das Thema FDP in Deutschland wohl für alle Zeiten erledigt gewesen. Jetzt, wo die FDP in Umfragen bundesweit wieder bei 5 Prozent liegt, ist von der Partei auch gleich wieder dieser schrille, aufgekratzte, hohl-großspurige Event-Agentur-Tonfall zu hören, der den Menschen naturgemäß so brutal auf den Wecker geht. Das Schlagwort, mit dem die FDP in Sozialen Netzwerken Wind machen möchte, lautet "German Mut". Das Hashtag, mit dem die FDP bei der letzten Landtagswahl in Bremen ihre Anhänger hinter sich versammelte, lautete #dasdingrocken. Das ist schon ganz, ganz, ganz entsetzlich. Frage, wie man die große Gewinnerin einer Loserpartei interviewt: eher lieb? Eher besonders gemein? Es hat wenig Sinn, für die liebe Katja Suding ein öffentliches Hinrichtungsfest zu veranstalten, da die liebe Katja Suding außerhalb von Hamburg ja kaum jemand kennt. Sie soll ja wirklich total lieb sein. Sie sitzt da, mit blauem Kostüm, übereinandergeschlagenen Beinen, und sieht aus, wie man in den vornehmen Vierteln von Hamburg – Harvestehude, Blankenese – eben aussieht. Ihre Augen stehen eng beieinander. Sie hat, verständlicherweise, auch Angst vor diesem Interview. Statt Killerfragen zu stellen, wollen wir der Harmlosigkeit mit harmlosen Fragen begegnen.

1 Frau Suding, wie viele Stunden Yoga sind es derzeit pro Woche?

Ich war heute beim Sport, aber nicht beim Yoga. Yoga ist dann nächste Woche wieder angesagt.

2 Ihre Lieblings-Joggingstrecke?

Die liegt in Rissen, immer entlang der Elbe durch die Heide.

3 Sind Sie total sympathisch?

Die einen sagen so, die anderen so.

4 Sind Sie immer ganz frech?

Das kann ich sein, wenn man mich richtig ärgert.

5 Ist das eigentlich eine Strafe, wenn man so total gut aussieht wie Sie?

Nun ja, es schadet sicherlich nicht.

6 Ist das die perfideste Kritik, vom politischen Gegner als "fotogen" bezeichnet zu werden?

Überhaupt nicht. Das ist doch ein schönes Kompliment. Glücklicherweise bekomme ich für meine Arbeit aber mehr Komplimente.

7 Sagen Sie, dass reich heiraten noch niemandem geschadet hat?

Einigen hat es vielleicht geschadet. Mir ist es nicht zuteilgeworden, und es war auch nie ein Ziel.

8 Sagen Sie: "Jetzt geht es wieder aufwärts mit der FDP"?

Definitiv. Hamburg hat die Richtung vorgegeben.

9 Was hätten Sie dem Rainer Brüderle gesagt, wenn er Ihnen in einer Hotelbar in Stuttgart sein berühmtes Kompliment gemacht hätte?

Wer sagt denn, dass er’s mir nicht gemacht hat?

Ihre hanseatische Stimmfärbung. Sie spricht weit vorne, mit spitzem Mund. Und sie wirkt enorm konzentriert, bereit, zurückzuschießen, falls man ihr dumm kommt. Jetzt wollen wir sie noch einmal als FDP-Retterin hochleben lassen.

10 7,4 Prozent! Sind Sie jetzt schon eine lebende FDP-Legende?

Wir haben eine ganze Menge geschafft. Schon vor vier Jahren hatten wir ein sehr gutes Ergebnis. Jetzt haben wir uns noch mal gesteigert. Das liegt natürlich daran, dass wir ein wirklich gutes Team haben, in Hamburg und im Bund.

11 Die große Gewinnerin der Verlierer-Partei FDP zu sein: Wie fühlt sich das für Sie an?

Ich fühle mich gut, danke. Aber gewonnen hat natürlich in erster Linie ein klasse Team.

12 Ist die Spaß-Politik viel besser als ihr Ruf?

In der Politik geht es nicht um Spaß. Sie darf aber Spaß machen.

13 Ist das der größte Mythos in der Politik, dass Wahlkämpfe mit Inhalten gewonnen werden?

Natürlich wählen Menschen aufgrund von Inhalten. Klar ist aber, dass diese Inhalte von glaubwürdigen und authentischen Persönlichkeiten vertreten werden müssen. Das ist entscheidend.

14 Sie mussten ja im Alleingang die FDP retten: Mit welchem sehr persönlichen Geschenk hat sich FDP-Chef Christian Lindner bei Ihnen bedankt?

Es gab am Montag in der Präsidiumssitzung für mich einen wirklich schönen, großen Blumenstrauß.

15 Politiker müssen eine Geschichte haben, um Wahlen zu gewinnen: In drei Sätzen, was ist die Katja-Suding-Story?

Wahlen gewinnt man nicht mit einer Story, sondern mit einer Überzeugung und einer positiven Lebenseinstellung. Mir geht es um Chancengerechtigkeit. Menschen sind unterschiedlich, aber jeder muss die Möglichkeiten haben, sich zu verwirklichen und den eigenen Traum zu leben.

16 Heute können Sie’s zugeben: War das "Drei Engel für Lindner"-Foto mit Nicola Beer und Lencke Steiner für die Zeitschrift "Gala" bescheuert?

Überhaupt nicht. Das war ein Interview, das sicherlich die meisten von Ihnen auch gelesen haben. Ich finde es wichtig, dass Politik auch dahin geht, wo man Menschen erreicht, die nicht die politischen Magazine im Fernsehen angucken und die Politikseiten der Tageszeitungen lesen.

17 Was, um Himmels willen, bedeutet der neue FDP-Slogan "German Mut"?

German Mut ist das Gegenmodell zur German Angst. Wir Deutsche betonen immer zu gern das Risiko. German Mut betont die Chancen. Wir wollen kein "Ja, aber", wir wollen "Und los!".

18 Bitte noch mal in zwei Sätzen erklären: Für welche inhaltliche Erneuerung steht der neue magentafarbene Balken im FDP-Logo?

Der steht für die Rückbesinnung auf liberale Inhalte. Wir wollen einen Staat, der vernünftig mit Geld umgehen kann. Wir brauchen Chancen auf bessere Bildung, Selbstbestimmung in allen Lebenslagen, einen Staat, der es uns einfach macht.

19 Können Sie jetzt mal, aus dem Stand, eine politische Überzeugung formulieren?

Ich möchte, dass jedes Kind – ganz egal, aus welchem Elternhaus es kommt, in welchem Stadtteil es aufwächst und auf welche Schule es geht – die besten Chancen hat, richtig, richtig gute Bildung zu bekommen und damit ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Sie stellt ihre berühmten schönen Beine nebeneinander. Das sieht sehr gut und elegant aus, wie in einem Sechziger-Jahre-Film. Katja Suding weiß jetzt, dass sie diese Sorte Interview einigermaßen kann, es wird kein Fiasko geben. Sie setzt ein Zeitschriften-Lächeln in Richtung Publikum auf. Wir wollen diese neu gewonnene Sicherheit gleich mit absurd unsinnigen und albernen Fragen torpedieren.

20 Warum sprechen Sie so hamburgisch, wenn Sie gar nicht aus Hamburg, sondern aus Hannover kommen?

Ich komme aus Vechta, nicht Hannover. Und fast 16 Jahre Hamburg waren sicherlich auch sprachlich prägend.

21 Wie heißt Ihr Jack-Russell-Terrier?

Ich habe keinen, auch keinen Vogel und auch leider keine Zeit für Haustiere.

22 Was kostet so ein Reitpferd im Monat?

Keine Ahnung. Ich hab ja keines.

23 Woran erkennen Sie den Unterschied zwischen einer Perlenkette und einer Zuchtperlenkette?

Ich würde ihn nicht erkennen.

24 Ist das bei Ihnen denkbar, dass Sie eine Perlenkette um einen hochgestellten Polohemdkragen tragen?

Für mich persönlich nicht. Ich besitze nicht mal eine Perlenkette.

25 Gehen Ihnen diese Frauen, die sich einen Hund wie eine neue Handtasche zulegen, auch so auf die Nerven?

Da bin ich ganz tolerant.

26 Was macht man da eigentlich genau, als PR-Beraterin?

Man berät Unternehmen in ihrem öffentlichen Auftritt.

27 In welchem Alter haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass in Ihnen eine Politikerin steckt?

Das war vor mehr als vier Jahren. Ich war entsprechend 35 Jahre alt. Wir hatten sehr plötzliche Neuwahlen hier in Hamburg, damals platzte die schwarz-grüne Koalition. Nach einem kurzen, schnellen Wahlkampf war ich auf einmal Berufspolitikerin. Es kam sehr plötzlich.

28 Ich nenne Ihnen ein paar typische Katja-Suding-Sätze, Sie erklären mir, was sie bedeuten: "Wenn ich nachmittags müde werde, esse ich lieber ein Stück Obst als ein Stück Kuchen."

Habe ich das mal gesagt?

29 "Positiv denken, positiv handeln."

Das war der Satz der Wahlkampagne 2011. Würde ich heute nicht mehr machen.

30 "Ich denke, dass es schwerer ist für attraktive Menschen, als intelligent wahrgenommen zu werden."

Das stammt aus dem Gala-Interview. Auch da ist etwas dran. Aber: Es ist mir dann ja doch gelungen. Gerade Journalisten sollten über diesen Punkt einmal nachdenken.

31 "Warum sollte ein Politiker nicht einfach mal Spaß haben?"

Das ist ja absolut richtig. Danach lebe ich auch. Ich mache meinen Job gerne, will aber auch noch ein Leben und ein bisschen Spaß haben.

Das Publikum: Es hat bisher immer dann laut gelacht und geklatscht, wenn die Fragen sinnlos waren, also von Sudings Jack-Russell-Terrier, ihrem Reitpferd und ihrer Perlenkette handelten, und dann geschwiegen, wenn Frau Suding leblose, deprimierende Politiker-Gratissätze à la "Ich möchte, dass jedes Kind eine tolle Bildung kriegt" aufgesagt hat. Wir geben ihr jetzt Gelegenheit, als Hamburger Lokalpolitikerin zu punkten.

32 Wie erklären Sie den Nichthamburgern das hanseatische Du?

Das ist die Ansprache mit Vornamen und mit Sie.

33 Stimmt die alte Kaufmannsregel, dass es Hamburg immer so gut geht, wie es China geht?

Das Wirtschaftswachstum in China ist noch ein wenig höher als in Deutschland oder Hamburg. Aber natürlich haben wir durch den Hafen eine Verbindung zu China und sind letztlich auch von der dortigen Wirtschaftslage abhängig, so wie alle Logistikzentren auf der Welt.

34 Wie wollen Sie die weitere Abwanderung bedeutender zeitgenössischer Künstler von Hamburg nach Berlin stoppen?

Man kann ja keine Mauern um Hamburg bauen. Aber es ist natürlich schon schade, dass wir nicht nur Künstler, sondern viele kreative Unternehmen, vor allem aus der Medienbranche, von Hamburg nach Berlin verabschieden mussten. Ich habe ganz klar den Ehrgeiz, dass wir hier wieder zur Gründer-, zur Start-up- und Kreativstadt Nummer eins werden. Was fehlt, ist intensive Basis- und Einsteigerförderung.

35 Vor einem Jahr gab’s in Hamburg Gefahrengebiete. Gibt’s die noch?

Die gibt es schon sehr viele Jahre. In St. Georg und auf St. Pauli gibt es zum Beispiel ein Gefahrengebiet.

36 Und wann macht ihr die Elbphilharmonie endlich auf?

Angeblich Anfang 2017. Ich würde mich da nicht festlegen.

37 Wie lautet Ihr Gruß an den berüchtigten Rote-Flora-Eigentümer Klausmartin Kretschmer?

Ich finde es nicht sehr glücklich, wie er agiert. Die Stadt hat keinen schlechten Weg eingeschlagen, die Flora wieder zurückzukaufen. Wir müssen uns nur bewusst sein: Wenn wir die Flora zurückgekauft haben, sind wir die Probleme, die es da gibt, nicht los.

38 Das bestimmende Wahlkampfthema: Wird die Elbe jetzt eigentlich ausgebuddelt oder nicht?

Das hoffe ich sehr. Vor allem, dass sie breiter gemacht wird. Das brauchen wir, um die großen Containerschiffe, die es mehr und mehr gibt, in den Hamburger Hafen holen zu können und mit unserem Hafen wettbewerbsfähig zu bleiben.

39 Eine Zahl, bitte: Wie viele Flüchtlinge kann Hamburg noch aufnehmen?

Noch eine ganze Menge. Wir werden auch noch eine ganze Menge aufnehmen. Wir wollen 10.000 neue Plätze in diesem Jahr schaffen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel.

40 Ist das nicht menschenverachtend, dass die Junkies am Hamburger Hauptbahnhof mit Mozarts "Kleiner Nachtmusik" beschallt werden?

Ich weiß nicht genau, warum man das tut. Ist das noch so?

15 Minuten oder knapp die Hälfte des Interviews sind rum. Frau Suding kann sitzend auf das Allerschönste die Knie beieinanderhalten. Wir brauchen jetzt Zunder, irgendeine Emotion. Emanzipationsfragen.

41 Ist Madonna die Größte?

Ihre Musik mag ich.

42 Ist Hildegard Hamm-Brücher die Größte?

Das habe ich nie so empfunden, ganz ehrlich und bei allem Respekt vor ihrer Lebensleistung.

43 Ist Ursula von der Leyen unter den modernen Frauen derzeit die Größte?

Nein.

44 Auf welche andere moderne Frau in der FDP wollen Sie hinweisen?

Wir haben viele tolle Frauen. Dann weise ich auf Lencke Steiner hin, unsere Spitzenfrau in Bremen.

45 Nervensäge Manuela Schwesig?

Sie nervt mich nicht. Ich bin in vielen politischen Initiativen, die sie macht, überhaupt nicht ihrer Meinung. Wir haben trotzdem ein vernünftiges Verhältnis.

46 Welche Post-post-post-Feministin nervt brutal?

Sie meinen die Generationen nach Alice Schwarzer? Okay, da gibt es eine Menge. Da wächst eine neue Generation von Feministinnen heran, die sind jünger als ich und haben teilweise ein sehr seltsames, ein verkrampftes Bild von Frauen.

47 Was macht Ihr Vaterkomplex?

Er ist nicht vorhanden.

48 Wie lautet Ihr #Aufschrei?

Daran habe ich mich, das wissen Sie, ja nicht beteiligt.

Wir drängen jetzt in ihr Privatleben. Frau Suding lebt ein unkonventionelles Familienmodell. Vielleicht hat sie da ja mal etwas nicht Schablonenhaftes, Vorgefertigtes, Erwartbares, sondern Lebendiges zu sagen.

49 Sie leben getrennt von Ihrem Mann Christian und Ihren Söhnen Johann, 12, und Jacob, 11: Sind Sie vielleicht so etwas wie die mutigste und emanzipierteste Frau Deutschlands?

Nein. Ich bin ja nicht die Erste, die dieses Modell lebt. Aber ich bin schon jemand, der sagt, dass Frauen ihren eigenen Weg gehen müssen. Unser Modell funktioniert hervorragend. Ich freue mich auch, dass ich nachher noch meine Kinder in Empfang nehmen kann und wir einen schönen Abend verbringen.

50 Ist Kindererziehung langweilig?

Meine Kinder sind 11 und 12. Wir sind in einer Phase, die alles andere als langweilig ist. Eher nervenaufreibend, spannend, lustig.

51 Welches ist das Lieblingsgericht Ihrer Söhne?

Wenn ich sie gleich frage, was sie haben wollen, dann werden sie sagen: Mama, kannst du Chicken Tandoori beim Inder bestellen?

52 Haben Sie Ihre Familie denn nun für die FDP oder für einen anderen Mann verlassen?

Im Publikum ist ein Aufstöhnen wegen der Zumutung, die diese Frage darstellt, zu hören.

Die FDP ist männlich? Nein.

53 Wie ist die Abmachung mit Ihrem Mann? An welchen Tagen sehen Sie Ihre Söhne?

Das halten wir flexibel. Jede Woche ist anders.

54 Wie hoch ist das monatliche Vatergeld, das Sie Ihrem Exmann zahlen?

Ich zahle kein Vatergeld.

55 Wenn Sie für Ihr unkonventionelles Familienmodell kritisiert werden, kommt die härtere Kritik da eher von Frauen oder von Männern?

Von den Männern. Aber nur sehr vereinzelt. Aber wenn kritisiert wird, dann sind es die Männer.

56 "Unser Mann für Hamburg" stand angeblich auf Ihren Wahlplakaten: War das nicht frauenfeindlich? Oder männerfeindlich?

Überhaupt nicht. Das ist ein geflügeltes Wort, das wir benutzt haben. Es sollte mediale Aufmerksamkeit erzeugen. Und das hat funktioniert.

57 Ungeheure Geschichte: Ein Grüner warf Ihnen mal vor, "mit Titten und Beinen" Wahlkampf zu führen. Geht es niedriger?

Ich habe den Satz am Wahlabend gehört, da war ich in einem völlig anderen Film. Erst am nächsten Tag sah ich, welche Wellen das noch schlug. Ich musste da ehrlich gesagt ein bisschen schmunzeln.

58 Ist das eine Katja-Suding-Spezialität, dass sie Männer komischerweise aggressiver macht als Frauen?

Gar nicht.

59 Müssen Sie sich beim Begriff Powerfrau auch gleich übergeben?

So schlimm ist es nicht. Aber es ist schon komisch, dass Powermann niemand verwenden würde.

60 Ihr Tipp: Schafft es Hillary?

Ich glaube, sie hat deutlich bessere Chancen als vor vier Jahren.

Das muss man ihr hoch anrechnen, wie sie die sexistischen Angriffe gegen sich und ihr Familienmodell abwehrt und durchsteht. Das Publikum ist Katja Suding, als sie von ihrer Familie erzählte, in stiller Spannung gefolgt. Harter Schnitt: Die stellvertretende FDP-Vorsitzende muss Fragen zum männlichen Pin-up der Partei, dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, beantworten.

61 Finden Sie auch, dass Christian Lindner rein äußerlich Ähnlichkeit hat mit Tim von Tim & Struppi?

Ich überleg gerade. Christian Lindner hat eine wirklich frappierende Ähnlichkeit mit meinem Stellvertreter Michael Kruse in der Bürgerschaftsfraktion. Die werden öfter mal verwechselt.

62 Haben Sie manchmal Angst vor dem berühmt-berüchtigten Intellekt des Christian Lindner?

Angst nicht, ich schätze den sehr.

63 Übertreibt es Christian Lindner mit den gut sitzenden Anzügen?

Überhaupt nicht. Es steht ihm gut. Er soll gerne noch mehr gut sitzende Anzüge tragen. Andere Männer dürfen das gerne auch tun.

64 Was, denken Sie, macht Christian Lindner nach der FDP?

Da das ja noch lange hin ist, haben wir darüber noch nicht gesprochen.

Jetzt wollen wir ihr helfen, aus der Abwehrhaltung, in die unsere Fragen sie immer wieder hineinzwingen, herauszukommen und sich geistvoll zu einem Thema zu äußern: Zu gerne würde man einmal einen echten Gedanken von ihr hören. Neun Fragen zum immer schönen, dem ganz unerschöpflichen Großthema Liberalismus.

65 Macht Sie das irre, dass den Deutschen die Mülltrennung wichtiger ist als ihre persönliche Freiheit?

Ich glaube nicht, dass das so ist. Ich glaube aber, dass man den einen oder anderen immer wieder daran erinnern muss, dass die Freiheit ein wichtiges Gut ist.

66 Wie lautet Ihr Widerspruch zur Anti-Liberalismus-These, dass die Freiheit nur den Reichen gehört?

Ich freue mich für jeden, der sein gutes Auskommen hat. Aber mein Herz gehört denjenigen, die sich auf den Weg machen, ihre Chancen im Leben zu nutzen und dafür hart zu arbeiten. Das macht uns als Gesellschaft stark.

67 Locke, Smith, von Hayek: Welchen Klassiker des Liberalismus empfehlen Sie heute zu lesen?

Ich würde mir da lieber das letzte Grundsatzprogramm der FDP angucken.

68 Völliges Missverständnis, dass die FDP etwas mit Liberalismus zu tun?

Bitte? Das ist kein Missverständnis.

69 Wenn die Menschen das Stichwort "liberal" mit "asozial", "rücksichtslos", "egoistisch" gleichsetzen, welche Begriffe halten Sie dagegen?

Freiheitsliebend, optimistisch, fröhlich, mutig.

70 Warum wird von der FDP eigentlich immer ein philosophisch-ethischer Überbau gefordert, wenn CDU und SPD so was doch längst schon nicht mehr haben?

Wir kommen aus einer ganz anderen Tradition. Wobei ich im Alltag nicht das Gefühl habe, dass da der philosophische Überbau gefragt ist.

71 Warum sind Liberale heute eigentlich nicht mehr links?

Liberalismus ist weder links noch rechts.

72 Krankt der Liberalismus daran, dass er weitgehend durchgesetzt ist?

Wir sehen doch jeden Tag, was im Bund passiert: Es wird abkassiert, bevormundet, reglementiert, bürokratisiert und verboten. Da ist doch klar, dass wir einen Bedarf haben an einer frei-demokratischen Partei.

73 In welcher Situation haben Sie zuletzt Ihre liberale Freiheit gespürt?

Eigentlich jeden Tag. Man muss es sich nur bewusst machen. Ich hatte letzten Samstag frei. Da habe ich mich persönlich sehr frei gefühlt.

74 Sind PR und Politik im Grunde genommen dasselbe?

Überhaupt nicht. Politik befasst sich mit den Herausforderungen und Problemen, die wir als Gesellschaft und als Individuen haben. PR verkauft Ideen, Gedanken, Marketing.

75 Was ist das, eine Antibedenkenträgerin?

Ich sehe in der Zukunft eher Chancen. Ich bin optimistisch, fröhlich, lösungsorientiert, während andere das Haar in der Suppe suchen.

76 Wird in Deutschland zu viel gejammert?

Nein, aber vielleicht manchmal zu wenig angepackt.

77 Wie lautet Ihre Botschaft an 4,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger?

Für 4,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger wünsche ich mir, dass wir sie weiterbilden, dass sie eine Chance haben, aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen. Für einige geht das jetzt schwerer durch den Mindestlohn, das muss man sagen.

78 Flüchtlingspolitik, Freiheit in Zeiten islamistischer Bedrohung, Überwachung im Netz: Warum profiliert sich die FDP auf keinem dieser drei klassischen FDP-Felder?

Wir äußern uns mehr als jede andere Partei zu diesen Themen. Man hört und liest weniger, weil uns die Bühne des Deutschen Bundestags fehlt, das ist leider richtig.

79 Traumjob deutsche Außenministerin?

Nein.

80 Ihr Tipp: In welchem Jahr ist es so weit, dass Deutschland endlich eine Außenministerin hat?

Jetzt, wo wir schon eine Verteidigungsministerin haben, ist das sicher in greifbarer Nähe.

Diese Katja Suding spricht, ganz gleich, was man sie fragt: Schönes, Liebes, Wohlklingendes, Wohlmeinendes, Unwidersprechbares, Immer-Richtiges, Sympathisches. Das ist der schöne Feel-good-Schubidu, mit der man als FDP in Hamburg 7,4 und deutschlandweit 5 Prozent holt. Letzte Runden. Der Selfrating-Test.

81 Bitte schätzen Sie Ihr Talent ein von null Punkten – keinerlei Talent – bis zehn Punkte – maximales Talent. Spaß-Politikerin.

Ein Punkt.

82 Powerfrau.

Bitte definieren.

Eine Frau, die strahlt, die Kraft hat. Die mit ihrem Glanz natürlich aber auch die Leute nervt.

Zehn.

83 Klönschnackerin.

Das tue ich ganz gerne. Sieben bis acht.

84 Karrieristin.

Als Karrierefrau wäre ich nicht in die Politik gegangen. Drei bis vier.

85 Deutsche Außenministerin.

Das könnte ich sicher gut. Ich will’s aber nicht. Sieben.

86 Wann zuletzt in Tränen ausgebrochen?

Am Montag war ich bei einer Gedenkveranstaltung im KZ Neuengamme. Und das war eine wirklich bewegende Veranstaltung, wo ich tatsächlich ein paar Tränen verdrückt habe.

87 Wann zuletzt einen armen Menschen in den Arm genommen?

Nächste Frage, bitte.

88 Wie nehmen Sie Ihrem Sohn Johann die Angst vor dem Einschlafen?

Mit der Frage kommen Sie Jahre zu spät. Die sind inzwischen so alt, dass die, wenn ich müde bin und ins Bett will, längst noch nicht so weit sind. Die bringen mich quasi ins Bett.

Vielleicht ist das ja eine altmodische, ganz sinnlos gewordene Vorstellung, dass Politiker geistvolle, meinungsstarke und charaktervolle Menschen sind. Vielleicht reicht es ja vollkommen, eher grundlos voll gute Laune auszustrahlen. Wir merken uns: Diese Politikerin will Bildung und dass die Elbe ausgebuddelt wird. Bravo, Katja Suding! Noch ein paar freche Fragen. Obwohl freche Fragen an Politiker, das weiß ja jedes Kind, auch keinen Sinn haben.

89 Was macht Ihre Flugangst?

Ich fliege nicht gerne. Aber wenn ich mich ablenke, geht’s einigermaßen.

90 Wie haben Sie Ihre Angst vor der freien Rede in den Griff gekriegt?

Die freie Rede ist tatsächlich eines der Dinge, die ich früher nicht wirklich gern getan habe. Geredet habe ich gerade heute Morgen in der Bürgerschaft – in einer Aktuellen Stunde zum Thema 70 Jahre Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Ich habe mich daran gewöhnt. Inzwischen macht es sogar Spaß.

91 Ist das voll ungerecht, wenn die ZEIT schreibt, dass es Ihnen nur darum geht, schnell bekannt zu werden?

Hat die ZEIT das geschrieben? Ja, das ist voll ungerecht.

92 Wenn Sie den Panzer beschreiben müssten, den Sie sich als Politikerin zugelegt haben: Ist der eher aus Stahl, Glas oder aus Gummi?

Der ist eher aus Stahl. Man braucht den tatsächlich, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Und vor allem dann, wenn man viele Fragen gestellt bekommt.

93 Haben wir jetzt zu wenig über Politik geredet?

Richtig viel haben wir nicht über Politik geredet.

94 Wie geht es Dirk Niebel?

Keine Ahnung, ich hoffe, gut.

95 Wie geht es Silvana Koch-Mehrin?

Auch keine Ahnung. Ich hoffe, gut.

96 Ist Hans-Olaf Henkel bei Ihnen in der FDP willkommen?

Vor ein paar Jahren wäre er sicher willkommen gewesen.

97 Welchen guten Tipp hat Hans-Dietrich Genscher zuletzt gegeben?

Ich habe ihn schon ein paar Monate nicht gesehen. Aber es ist immer wieder beeindruckend, mit ihm zu reden.

98 Echt wahr, dass Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer Sie zu ihrer Hochzeit eingeladen haben und Sie nicht hingegangen sind?

Nein. Das ist nicht wahr.

99 Halten Sie zu Karl-Theodor zu Guttenberg und seiner Frau Stephanie, ganz gegen den Rat Ihrer PR-Berater, Kontakt?

A habe ich keinen PR-Berater, und B hatte ich nie Kontakt zu den beiden.

Katja Suding wurde 1975 im niedersächsischen Vechta geboren. Seit 2011 in der Hamburgischen Bürgerschaft, holte die ehemalige PR-Beraterin im Februar 7,4 Prozent der Stimmen für die FDP. Suding hat zwei Söhne

Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Meine Güte was für abgedroschene Fragen!

Sind sie symphathisch? Danach hätte man fragen sollen: Was machen sie wenn sie in einem Mietshaus wohnen, ihr Nachbar mit seiner Musik die ganze strasse terrorisiert und zwar auch mitten in der Nacht? Sie rufen die Polizei weil kein Mensche schlafen kann und am nächsten Morgen ist ihr Auto zerkratzt?

Oder folgende: Wie reagieren Sie wenn sie zu ihrem Arzt gehen und wollen dem erklären was für Beschwerden sie haben und der sagt: Ich hab nicht viel Zeit? (sowas passiert) Suchen sie sich einen anderen? Fragen sie ihn ob er nicht weinen Beruf verfehlt hat?
Oder wie reagieren sie beim Einkaufe eine riesige Schlang ist vor ihnen und nur eine Kasse besetzt?

Distkutieren sie mit den umstehende über diese blöde Situation und meckern über diese? Oder machen sie den Mund auf und fragen "kann man noch eine Kasse aufmachen?

Alles andere sind typische "Herz, Schmerz der kleine Junge tärumt Fragen!

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will nach Moskau jeden Tag
#3  —  25. Juni 2015, 9:24 Uhr

Ich hoffe sehr, vielleicht am meisten für Die Zeit selbst, dass dieses ein Fake-Interview ist mit der Dame. Ich durchschaue den Text nicht, aber die Fragen und Antworten sind dermaßen blöde, dass es zwar schon vorstellbar ist, dass die Dame solche Antworten gibt oder gegeben hat, aber nicht, dass ein Schreiber, selbst nicht einer von einer Schülerzeitung, die so gestellt hat. Der sollte seinen Ausweis abgeben. Die liebe Katja vor diesem altbackenen Samtvorhang, das passt. Fehlt nur noch, dass der gute Guido und der gute Holz-vor-der-Hütten-Mann (Name vergessen) da hervor winken. Katja verkörpert den Mief, nur in aufgepeppter Form, die von dieser Partei und deren Hauptdarstellern ausströmt. Beine hin oder her, schöne Beine haben auch andere. Karin Göring Eckardt zum Beispiel. Die der Kanzlerin kenne ich leider nicht. Warum klebt Katja eigentlich nicht nur diese beiden Legs aufs Plakat? Dann käme es zu den ewig gewünschten 18 Prozent bei den nächsten Miss-Wahlen.

Wer meckert, wie blöd die Fragen waren, hat die Intention des Interviews eventuell nicht verstanden. Katja Suding sondert regelmäßig in einer Tour Teflon-Antworten ab. Klingt alles gute und nett. Die Aussagen haben aber kein Profil, keine Kanten und machen vor allem nicht angreifbar.

Hier wurde mit unkonventionellen Fragen versucht, sie aus der Reserve zu locken. Fragen, die ihr für gewöhnlich nicht gestellt werden und für die sie keine auswendig gelernten Teflonantworten parat haben kann. Hat halt nicht funktioniert. Aus der Frau sprudelt der Teflon nur so heraus.

Ich stehe inhaltlich seit 20 Jahren dem Liberalismus nahe, aber die Frau macht die FDP für mich nicht attraktiver. Viele Jahre lang war die FDP keine liberale Partei mehr - ob sie es nun ernsthaft sein will, muss sie erst noch beweisen.