© Silvio Knezevic

Wochenmarkt: Süßsaures Italien

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 27/2015

Ich weiß, dass die allgemeine Italiensehnsucht in den Sommermonaten am größten ist. Was ist in unserem Leben eigentlich schiefgelaufen, dass wir hier auf dem Bürostuhl kleben, anstatt in einer italienischen Landschaft zu sitzen und uns an unserem Dasein zu erfreuen? Einiges, denke ich, einiges ist schiefgelaufen. Das Argument, ich verkläre Italien, lasse ich übrigens nicht gelten. Im italienischen Vormittagsfernsehen habe ich neulich dank Internet einen Beitrag entdeckt, in dem mir eine nette Signora erklärt hat, wie man eine Makrele mit Rosinen und Kapern zubereitet. Das sah so gut aus, dass ich es gleich nachgekocht habe, und es hat so köstlich geschmeckt, so süßsauer-deftig, dass ich das Rezept hier aufschreiben muss. Ich denke, ein Land, in dem man so wertvolle Ratschläge im Vormittagsfernsehen erhält, hat doch vieles richtig gemacht.

Öl in einer Pfanne heiß werden lassen, die Schalotten dazugeben, 2 bis 3 Minuten lang braten, dann 1 Prise Salz dazu, Hitze reduzieren, 5 bis 7 Minuten lang unter Rühren dünsten. Die Schalotten sollten nicht braun werden, sondern schmelzen. Anchovis grob hacken und dazugeben. Ebenso hinzufügen: Pinienkerne, Lorbeer, Knoblauchzehe (die Signora im Fernsehen drückte die Zehe zuvor mit der breiten Seite eines Messers an). Das Wasser aus den Sultaninen drücken, diese in die Pfanne geben. Kapern dazu. Mit Essig ablöschen. Bei niedriger Hitze ungefähr 5 Minuten lang einkochen. Währenddessen in einer anderen Pfanne die Makrelenfilets in Öl anbraten: zuerst auf der Hautseite, dann wenden. Salzen und pfeffern. Wenn sie gar sind, etwas Zitronensaft darüberträufeln. Zum Schluss Zitronenschale und Petersilie zur Soße geben.

Makrele mit Rosinen und Kapern (für 2 Personen)

Zutaten – Olivenöl, 4 Schalotten (in feine Ringe geschnitten), Salz, 3 Anchovis (in Öl), 50 g Pinienkerne, 1 Lorbeerblatt, 1 Knoblauchzehe (geschält), 50 g Sultaninen (15 Minuten lang in Wasser eingeweicht), 100 g Kapern (in Lake), 2 bis 3 EL Essig (weißer Balsamico, Weißweinessig o. Ä.), 4 Makrelenfilets mit Haut, Pfeffer, 1 Zitrone (Saft und Schale), Petersilie (fein gehackt)

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Ja, Sie verklären Italien. Wie so viele, hauptsächlich Deutsche, die in Italien nur essen wollen und dankbar sind, wenn im Fernsehen satt kritischer Berichte Essen bereitet wird. In jedem Land gibt es Kochensendungen zu allen Tageszeiten. Ich weiß nicht, warum das ausgerechnet in Italien so toll sein soll. Was ist denn das für eine stupide Aussage, dass dann das Land "alles richtig gemacht" haben soll? Schauen Sie sich doch das nächste mal,
wenn Sie wieder ins italienischen Nirvana reisen, den Giftmüll an, der von der Mafia neben die Olivenbäume zB in Apulien versenkt wurde. Nicht nur dass er Ihr "köstliches" Essen kontaminiert, er erhöht auch die Krebsrate der Einwohner.

"den Giftmüll an, der von der Mafia neben die Olivenbäume zB in Apulien versenkt wurde"
Wahnsinn, in Ialien, so was! Und dann sind da nicht 24 Stunden am Tag Sondersendungen drüber? Da kochen die einfach so?
Kein Wunder, das die Regierung in Venezuela nicht funktioniert und die Wüste in Cina erst!

Makrele mit Rosinen, Kapern und Zitrone, sehr schöne Anregung, danke, schönen Weisswein dazu, ein gutes Sommergericht über all dem Müll

cornogrande
#2  —  18. Juli 2015, 12:52 Uhr

" Was ist in unserem Leben eigentlich schiefgelaufen, ..."

mir ist schon klar, daß die frage nicht wirklich ernst gestellt ist, aber exakt die gleiche frage stellen sich viele italiener in bezug auf deutschland auch.

die frage verdeutlicht jedoch auch, welch hohes gut wir mit der kulturellen vielfalt (inweitestem sinn) in europa besitzen.

nur: brüssel und berlin sind gerade dabei, dieses gut in den sand zu setzen.