1995: Immer noch da

Daniel Josefsohn fotografierte vor 20 Jahren eine legendäre MTV-Kampagne. Jetzt traf er die Protagonisten von damals wieder.
ZEITmagazin Nr. 28/2015

Ich hatte einfach Glück. Ich fotografierte gerade Snowboarder für ein Sportlabel und war deswegen fast täglich bei der Werbeagentur, die plötzlich den Zuschlag für die MTV-Kampagne erhielt. Und dann war ich ja halt gerade da. Die nächsten drei Tage und drei Nächte war ich bei strömendem Regen in München unterwegs und castete 200 Leute. "Hey, ich mache Fotos für MTV, hast du Lust?" Das genügte.

Damals war Casting etwas sehr Cooles, es gab noch keine Castingshows, Leute fanden es toll, fotografiert zu werden. Am letzten Tag vor dem Shooting stellte ich mich im strömenden Regen irgendwo unter. Und da stand Ivonne hinter mir. Ich bekniete sie im Regen: Bitte, bitte, komm am nächsten Tag zum MTV-Shooting, bitte, bitte, bitte! Sie kam. Ihr Bild mit dem Label "Miststück" wurde das bekannteste Motiv.

Ich würde mir gerne den Erfolg der Kampagne zuschreiben. Aber es war das Team: der Art-Director Chris Rehberger, die Texterin Julia Hinrichs – und ich. Ich wollte so einfach und echt fotografieren wie möglich. Also steckte ich einen Ringblitz auf die Kamera, und los ging’s.

Es wurde roh und gut. Wir fotografierten auf Polaroid und entwickelten die Bilder direkt vor Ort. Chris wählte aus den Motiven jeweils den "Holy Shot" aus, das alles bestimmende Bild. Die Models suchten sich ihre Begriffe wie "Flittchen", "Chaot", "Egoist" zum Teil selbst aus. Ich fotografierte auch mich und wählte "Fauler Sack". Weil es für mich zutraf: Wer viel denkt, muss nicht viel arbeiten.

Die MTV-Kampagne wurde ein Bestseller. Manche rissen die Plakate runter, um sie bei sich zu Hause aufzuhängen. Danach wurde alles sehr viel leichter für mich. Die Kampagne war mein persönlicher Fischer-Dübel.

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