Von A nach B: Der endgültige Männertest

© Audi AG
Unser Autor fährt mit dem Audi S3 Cabriolet in Hamburg um die Alster. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 28/2015

Irgendwann im Leben eines Mannes kommt der Moment, da er sich entscheiden muss, wer er sein will. Was ihn ausmacht. Ob er Nein sagen kann im Angesicht der Verführung. Die Verführung – das kann Geld sein. Macht. Eine Frau. Oder ein Auto wie dieses Audi S3 Cabriolet. Ein Auto, bei dem aus jeder Naht der Feinnappa-Ledersitze die Absicht quillt, mich zu bezirzen. Dieser Wagen ist ein Testwagen: ein Charaktertestwagen.

Ich will dich rumkriegen, sagt dieses Auto mit dem titanmatten Glanz der Alugussräder. Mach mich auf, flüstert es, schau nur, wie rasch und elegant sich das Verdeck öffnen lässt. Du willst es doch auch, offen fahren, jetzt, sofort, hier an der Alster. Das Wasser, die Mädchen, die Häuser, alles funkelt, wer möchte da schon eingesperrt bleiben in einer Metallbox?

Ich muss das Gaspedal nur mit der Fußspitze streicheln, schon hechtet der Wagen nach vorn, drei Häuserblocks weit, presst mich in den Sitz, schießt über die Sierichstraße und brüllt: Ja, tritt mich, jag mich rauf bis nach Sylt, bring mich endlich auf die Autobahn, und es kostet wirklich viel Mühe, in Richtung Innenstadt abzubiegen. Dieser Wagen ist eine Übung in Affektkontrolle. Jedes Mal, wenn die Automatik schaltet, faucht etwas am Heck, ein aggressives Röhren ertönt, eine nur mühsam unterdrückte Gewalt macht sich breit, die Sound-Designer haben ganze Arbeit geleistet, wenngleich die Damen auf dem Ballindamm natürlich indigniert zur Seite schauen angesichts des Potenzgebrumms. Sei es, weil sie den Lärm an sich unhanseatisch finden. Sei es, weil es eben nicht der Lärm eines Vintage-Porsches ist.

Am Ende hat mich Glenn Gould gerettet, auf Höhe der Staatsoper. Die Goldberg-Variationen, halblaut auf dem fetten Soundsystem von Bang & Olufsen. Ruhe besiegt die schiere Kraft. Ein Moment des Zen unter den grünen Bäumen an der Moorweide. Das Monster und ich zuckeln in Richtung Harvestehude über den Mittelweg, protestantisch fast, sehr kontrolliert. Less is more. Aber ist weniger wirklich mehr? Irgendwo, ganz tief im Getriebe der Selbstbeherrschungsmaschine, flüstert ein Stimmchen: Less is a bore. Weniger wäre ganz schön langweilig.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor, Leistung: 221 kW (300 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 5,4 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, CO 2 -Emission: 164 g/km, Durchschnittsverbrauch: 7,1 Liter, Basispreis: 49.000 Euro

Heinrich Wefing ist stellv. Ressortleiter Politik bei der ZEIT.

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