© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Köstliches vom frei laufenden Mangold

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 28/2015

Neulich habe ich Bio-Freiland-Mangold gekauft, denn wie alle Deutschen glaube ich an die Segnungen frischer Luft. In dem Mangold waren Hunderte Läuse. So viele waren es, dass sie mich nachts im Traum verfolgten. Bio ist super und das einzig Richtige, klar, aber Bio ist auch eine Sekte: Man muss schon sehr an den höheren Sinn des Öko-Landbaus glauben. Denn rational lässt sich nicht erklären, warum ein vernünftiger Verbraucher einen schlaffen Mangold für einen absurden Preis kauft, um dann eine Stunde damit zu verbringen, ihn zu wässern und waschen. Mir fällt dazu ein, dass derzeit ein Pariser Modehaus große Erfolge feiert, weil es ein so gutes Marketing und irgendwie auch das Glück hat, den Nerv der Zeit zu treffen: Sie können jedenfalls gerade alles für jeden Preis verkaufen, sagen wir unbequeme Holzclogs für 700 Euro. Wie nachhaltig diese Strategie ist, wird sich zeigen. Denn irgendwann werden die Leute wahrscheinlich zur Vernunft kommen.

Es wurde trotzdem ein köstliches Essen aus dem verlausten Mangold (man kann die Läuse mitessen, sie sind ja nicht giftig und so klein, dass sie niemandem auffallen). Dieses Gericht ist eine Beilage zu gebratenem Fisch oder zum Steak, oder man isst es einfach so. Zuerst Rosinen in Wasser einweichen. Öl in der Pfanne erhitzen, Mandeln dazu, 2 Minuten lang unter Rühren rösten, bis sie ein bisschen Farbe annehmen. Knoblauch dazu, weiterbraten, dabei rühren (nicht braun werden lassen). Mangold dazu, nach 2 Minuten Hitze runterschalten, Chili, Salz, abgetropfte Rosinen dazu, weitere 5 Minuten lang dünsten. Zitronenschale und Zitronensaft hinzufügen. Kurz einkochen lassen. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken, falls notwendig.

Mangold mit Chili und Zitrone (für 2 Personen)

Zutaten – 40 g Rosinen, 2 EL Olivenöl, 50 g Mandelstifte, 2 Knoblauchzehen (geschält, fein geschnitten), 1 großer Bund junger Mangold (Blätter und Stiele in schmale Streifen geschnitten), 1 kleine rote Chilischote (ohne Kerne, klein geschnitten), Salz, Abrieb von 1 Zitrone, 2 EL Zitronensaft

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Das ist nur Pech oder einfach schlechte Qualität, in meiner Bio-Kiste ist häufig Mangold, und der war nie verlaust oder welk.
Wenn ich keine Zeit habe, ist der in drei Minuten abgespült und in einer klaren Gemüsesuppe untergebracht. Ansonsten auch für alles, wo sonst Spinat rankommt, chinesisch pfannengerührt, Lasagne, "Laubfrösche", Maultaschenfüllung etc.
Wirklich kein kompliziertes Gemüse - wenn man es beim richtigen Händler kauft.

Liebe Frau Raether, ich habe ein Problem mit Ihrer Darstellung! Wenn Sie konventionelle Ware einkaufen und kaufen dort verschimmelte Erdbeeren oder verwelkten Salat oder verfaulte Äpfel, dann sind Sie es selbst Schuld. Und wenn Sie verwelkten verlausten Biomangold kaufen, dann auch.
Ich würde mich nun wirklich nicht über etwas Sektenhaftes aufregen, wenn es einzig mein eigenes Verhalten ist, was den Vorgang zum Sektenhaften machen könnte!
Ich kaufe nicht ständig, aber ab und an Bio, verlaust hatte ich noch nie, und welken Kram kaufe ich nicht - weder Bio noch konventionell!