Olympia Campbell: Jahrgang 1995

ZEITmagazin Nr. 28/2015
Die Britin Olympia Campbell, 1995 geboren, wuchs in einer Familie von Modeprofis auf. Die Sachen, die ihre Mutter in den Neunzigern anhatte, hätte sie selbst gern getragen. Interview:

ZEITmagazin: Frau Campbell, Sie haben die Neunziger nur als Kind miterlebt. Hätten Sie gern mehr von dem Jahrzehnt mitbekommen?

Olympia Campbell: Ich hätte gern die Ära des Britpop miterlebt. Außerdem finde ich die Mode toll. Wenn ich Fotos von damals angucke, denke ich, die Leute waren viel mutiger in ihrem Stil, als wir Jungen es heute sind. Sie hatten das Selbstbewusstsein, absolut bekloppte Sachen zu tragen.

ZEITmagazin: Und was aus der heutigen Zeit würde Ihnen fehlen?

Campbell: Der Fahrdienst Uber. Und Facebook. Ich würde das Gefühl vermissen, immer verbunden zu sein mit der ganzen Welt: meinen Freunden, die in anderen Ländern leben, jederzeit eine Facebook-Nachricht schreiben zu können.

ZEITmagazin: Ihre Mutter Sophie Hicks hat bei Tatler und Vogue gearbeitet. Was hat sie in den Neunzigern getragen?

Campbell: Sie zog sich sehr androgyn an: viel Comme des Garçons oder Anzüge, die an den Look chinesischer Arbeiter erinnerten. Die Sachen waren an sich nicht auffällig, aber sie sah sehr anders aus als die Menschen um sie herum.

ZEITmagazin: Nicht nur Ihre Mutter hat in der Modebranche gearbeitet: Ihre Großmutter war ein erfolgreiches Model, und Ihre Schwester Edie Campbell ist es auch. Hat das Ihr Interesse für die Mode gefördert – oder eher gemindert?

Campbell: Ich bin mit viel Respekt vor der Mode aufgewachsen. Und gleichzeitig habe ich die Modewelt weniger glorifiziert als andere. Ich habe gesehen, wie hart meine Schwester schuften musste. Und wenn ich dauernd bei den Castings in hautfarbenem Bodysuit Schlange stehe, finde ich das nicht sehr glamourös. Genau wie das Aufstehen um fünf Uhr morgens. Die Models feiern nicht so viel, wie alle denken. Die wilden Kate-Moss-Partyjahre sind vorbei.

ZEITmagazin: Wann haben Sie zum ersten Mal vor der Kamera gestanden?

Campbell: Mit elf, als Tim Walker unsere gesamte Familie fotografiert hat. Und ich muss sagen: Ich war damals viel selbstsicherer vor der Kamera als jetzt. Ich habe ein paar Plüsch-Hasenohren aus dem Schrank gezogen und gesagt: Die werde ich tragen! In diesem Alter ist man viel lockerer.

ZEITmagazin: Haben Sie sich nur für Fotografen verkleidet oder auch mit Freunden?

Campbell: Als ich klein war, haben meine Freundinnen und ich oft unsere Kleiderschränke ausgeräumt. Dann haben wir Modenschauen für meine Mutter veranstaltet. Ich wohne in London, aber wir haben noch ein Sommerhaus auf dem Land. Als ich fünfzehn war, haben wir uns dort gestylt und Fotos von uns gemacht, mit mürrischem Gesichtsausdruck und zerrissenen Strumpfhosen.

ZEITmagazin: Wie fand das Ihre Mutter? Sie hat ja den Modejournalismus verlassen, um Architektur zu studieren.

Campbell: Unsere Modenschauen damals fand sie lustig. Später, als ich anfing zu arbeiten, sagte sie: Model, solange du kannst, aber sieh auch zu, dass das Leben nicht zu kurz kommt. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel zwei Monate freigenommen, um durch Vietnam zu reisen. Wir waren mit Rucksäcken unterwegs, haben in Hostels geschlafen.

ZEITmagazin: Was kommt als Nächstes?

Campbell: Ich mache einen Roadtrip durch Kalifornien für ein großes Magazin. Außerdem fange ich im September an, in London zu studieren.

ZEITmagazin: Was macht Sie nervöser: ein Shooting oder Ihr erster Tag an der Universität?

Campbell: Der erste Tag an der Universität. Denn das Studium wird eine riesige Lebensumstellung sein. Ich habe mich um ein Zimmer im Studentenwohnheim beworben, und diese Zimmer sind nicht gerade schön. Ich kann von Glück sprechen, wenn ich überhaupt ein eigenes Badezimmer bekomme. Denn in Großbritannien sind die Erstsemester unglaublich schlampig und neigen dazu, sich gehen zu lassen – sie trinken ständig mehr, als sie vertragen.

ZEITmagazin: Warum wohnen Sie dann nicht einfach bei Ihrer Familie in London?

Campbell: Ich möchte ja neue Leute kennenlernen. Darauf freue ich mich.


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