Wigald Boning "Ich moderiere 'Wetten, dass..?'. Ich trage einen geringelten Badeanzug"

Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 28/2015

Träume sind für mich ein unerschöpflicher Steinbruch von Geschichten, die ich mir im Schlaf selbst erzähle. Oft kann ich sie mir nur ansatzweise erklären. Träumen ist die beste Schule für das Erzählen, ich kenne jedenfalls keine unterhaltsamere und erfüllendere Methode, das zu üben.

Wenn meine Kinder mich bitten, ihnen eine Geschichte zu erzählen, dann versuche ich, live zu träumen. Das ist eine interessante Übung – im Wachzustand Geschichten zu entwickeln, die dem ähneln, was ich nachts träume. Zurzeit schreibe ich an einem surrealistischen Roman, bei dem gehe ich genauso vor.

Über viele Jahre hinweg habe ich Traumtagebücher geführt. Ich habe zahlreiche Kladden vollgeschrieben. Allerdings habe ich danach nie wieder reingeschaut. Ich habe sie ins Regal gestellt, fertig. Das Aufschreiben ist wichtig für mich, sonst sind die Träume sofort weg, und ich kann sie nicht genießen. Besonders interessant wird es, wenn man im Moment des Aufwachens versucht, die Geschichte des Traums zurückzuverfolgen. Mir ist es nie wirklich gelungen, bis zum Anfang des Traums zu gelangen, also musste ich mir immer einiges selbst zusammenreimen. Das Rekonstruieren der Träume ist ein kreativer Prozess. Um ihre Deutung habe ich mich nie bemüht, das ist mir viel zu schwierig.

Eine Zeit lang habe ich nächtliche Traumexperimente gemacht: Ich habe mich mitten in der Nacht wecken lassen in der Hoffnung, gerade einen guten Traum am Schlafittchen zu haben und den dann aufschreiben zu können. Das hat auch einige Male funktioniert. Allerdings ist es natürlich reine Glückssache, wie Angeln. Traumangeln also – kann ich sehr empfehlen!

In einem Traum, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann, moderiere ich gemeinsam mit Bernhard Hoëcker Wetten, dass..?. Es war schon in der Endphase der Sendung, als die Quoten immer schlechter wurden. Bernhard und ich stehen in einer gut gefüllten Stadthalle. Die Halle ist sehr groß, die räumliche Distanz zwischen uns ist gewaltig, die Akustik schlecht, ich kann Bernhard nicht verstehen. Ich trage einen geringelten Badeanzug und versuche, nach Schlangenbeschwörer-Art mit einer Blockflöte einen Gartenschlauch zum Tanzen zu bringen. Das Publikum pfeift, johlt und beschimpft uns. Ich breche meine Beschwörung ab und will in meinen Hosentaschen nach Geld suchen, um den Zuschauern ihre Fernsehgebühren zu erstatten. Aber der Anzug hat keine Taschen, und mein Portemonnaie liegt in der Garderobe. Bernhard plaudert derweil mit Elizabeth Taylor und Heidi Klum über Astrologie, Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Ukraine-Krise. Ich reiße mir das Mikro vom Kopf, tanze ekstatisch und rufe: "Nicht nachmachen!" Dann drücke ich auf eine beleuchtete Zündvorrichtung, und die Bühne fliegt in die Luft. Das Publikum klatscht begeistert, Wetten, dass..? ist Geschichte, der Traum ist vorbei. Wenige Wochen später ist die Show dann tatsächlich abgesetzt worden, allerdings ohne mein Zutun.

Wigald Boning, 48, wurde durch die Comedy-Show "RTL Samstag Nacht" bekannt. Unter dem Namen "Die Doofen" landete er 1995 mit Olli Dittrich an der Spitze der Charts. Auf Bonings Label "Hobby Musik" wollen die beiden nun innerhalb von 15 Jahren 100 Alben aufnehmen. Neun sind bereits erschienen

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Kommentare

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Mit der Traumdeutung und ihrer Verständlichkeit ist es schon eine arge Plage - Sigmund Freud soll auch daran gescheitert sein; dann kann man das gleiche Schicksal RedaktionsmitarbeiterInnen und (ggf.) MitforistInnen nicht übelnehmen. Dennoch - ein neuer Versuch: Der von mir hochgeschätzte Wigald Boning sah sich als "Schlangenbändiger" auf der Bühne - ein Tier-Vergleich, aufschlußreich. Da lag es nahe, eingangs ein Werk desselben parodierend zu zitieren, den "Moorhuhn-Song", der mit "Gimme, gimme, gimme" (s. auch Abba und Madonna) beginnt, und die vergnüglichen Treib- und Triebarten mit Moorhühnern zu persiflieren: "Gimme more huhn dreams" und solches zu überschreiben mit: "Wake me up for your go-go" (gackgack?!). In seinem Buch "Unser Land soll schöner werden" hat WB "das Gliedertier" (Tier!!) "in der Bildungspolitik" erfunden - eine bevorzugte Bettlektüre, da dort "Irrealschule" und andere Gumminasien als Traumobjekte aufgespießt werden. Dann macht der Schlümmer (=Schlummer) nümmer dümmer - im Gegenteil, Zeit für "Die Doofen" (Olli Dittrich, WB) und eine neugedichtete Strophe von (Bildungs-)"Mief":
Nimm mich ernst, auch wenn ich träume - nur das Träumen öffnet Räume:
Bin so frei.
Drum ruht auf der Büchertheke prompt die nächste Traum-Scharteke:
Lies dich frei.
Wie man sieht - "Der Klügere kippt nach".

TV-Stars und sonstige Bühnenschaffende werden gern als moderne Medizinmänner der Unterhaltung teils gefeiert, teils verteufelt. Wie sagte schon der uralte Cheyenne Chief Old Lodge Skin: "Sometimes the magic works, and sometimes it doesn't" ("Little Big Man", 1970). Aus der Großfamilie der Bühnenbauer (Boning! Von altsächs. buno, bono, Dachstübchen) ist jemand Wigald nachbenannt worden, wg. Geburtsort "Wigaldingeshus" (Wildeshausen/Old.), Haus der Sippe des Wigald. Grund: Sein (ggf.) Vorfahre W. sei ein "Ritter" des (auch in der Niedersachsen-Hymne besungenen) Herzogs Widukind gewesen. Nein - kein "Ritter" (Unfreie durften keine Waffen führen, damals), sondern ein Schamane. Wildeshausen und sein Alexander-Stift gehörten zum ältesten Eigengut der "Widukinde" - die frommen Stifter Wigbert und Waltbert bewältigten als direkte Nachkommen die heidnische Vergangenheit des Spitzenahn. Die Familie müßte eigentlich "Wigolte" heißen (wig = Kampf, olt/walt = Entscheider). Wigald - Wie Du Kind?! Passt scho'. Denn der Name Widukind ("Waldkind") ist eine schamanistische Kenning (umschreibender Euphemismus) - wie "Widugauuwo", der Waldheuler - für den Wolf (Tier!!), das Familien-Totem. (Vgl. Angelsachsen-Heros Beowulfs, Bienenwolf, als Bär - der Krieger im Bärenfell, ein Berserkr, Bären-Recke). Widukind als Visionär, Seher und Opferer im Wolfshabit. Wigald, der Träger bezeichnender Outfits, bitte den nächsten Traum - waauuuuu.