Bibi Bourelly: Big in L.A.

ZEITmagazin Nr. 29/2015
Den neuen Hit von Rihanna hat Bibi Bourelly aus Berlin geschrieben. Bibi wer? Interview:

ZEITmagazin: Frau Bourelly, Sie sind in Berlin aufgewachsen, seit zwei Jahren leben Sie in Los Angeles. Sie haben Rihannas aktuellen Hit Bitch Better Have My Money geschrieben, und in sozialen Netzwerken sieht man Sie mit Stars wie Kanye West und Pharrell Williams. Wie schafft man so was, wenn man gerade erst 21 ist?

Bibi Bourelly: Den Produzenten, dem ich das alles letztlich verdanke, habe ich über Facebook kennengelernt.

ZEITmagazin: So einfach ging das?

Bourelly: Paperboy Fabe, der in Los Angeles arbeitet, hat mich über Facebook angeschrieben, wo er meine Songs gehört hatte. Er hat mich entdeckt. Wir haben dann telefoniert und gechattet, bis er gesagt hat, ich soll nach Los Angeles kommen, und wir schauen mal, ob wir zusammenarbeiten können.

ZEITmagazin: Und wie haben Sie Rihanna kennengelernt?

Bourelly: Ein Freund meines Managers stellte mir Kanye West vor, der meinen Song-Entwurf dann Rihanna vorgespielt hat. Ihr gefiel das Lied, und sie hat es neu aufgenommen.

ZEITmagazin: Wie ist Rihanna denn so?

Bourelly: Ich kenne sie nicht besonders gut, aber sie ist bescheiden und freundlich – überhaupt nicht affektiert.

ZEITmagazin: Wie kam es dazu, dass Sie 2010 mit 16 in die USA gingen?

Bourelly: Ich war in Berlin grottenschlecht in der Schule. Ich hatte eine Hauptschulempfehlung und 180 Fehlstunden im Zeugnis. Mein Vater war besorgt um mich und rief seine Schwester in Amerika an: "Die Bibi schafft ihren mittleren Schulabschluss nicht. Was sollen wir tun?"

ZEITmagazin: Ihr Vater ist der Jazzmusiker Jean-Paul Bourelly. Was hat Ihre Mutter dazu gesagt?

Bourelly: Sie ist gestorben, als ich sechs war. Mein Vater kam vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland, meine Mutter und er haben sich auf einem Jazzfestival kennengelernt, sie war Marokkanerin. Die Familie meines Vaters stammt ursprünglich aus Haiti, wir haben sie in den USA häufig besucht. Meine Tante, die in der Nähe von Washington wohnt, hat sich oft um mich und meinen Bruder gekümmert.

ZEITmagazin: Hat Ihr Vater Sie zur Musik gebracht?

Bourelly: Ich habe mir viel von ihm abgeguckt. Er schickte mich zu einer Gesangslehrerin, die mir geholfen hat, meine Stimme zu entwickeln.

ZEITmagazin: Wie hart war der Neustart mit 16?

Bourelly: Es ging so. In der Schule lief es nicht gut. Ich war ein liebes Kind, aber trotzig. Nur dank zusätzlicher Sommerkurse habe ich den Highschool-Abschluss geschafft. Ich wollte selbst singen und Songs schreiben, und durch meine schwachen Schulleistungen blieb mir keine andere Wahl. Paperboy Fabe sagte, wenn ich mit der Schule fertig bin, könnte ich nach Los Angeles kommen und als Künstlerin mit ihm arbeiten.

ZEITmagazin: Das haben Sie gemacht?

Bourelly: Ja, das war eigentlich wahnsinnig. Aber ich war unzufrieden und rebellisch. Meine Tante hat mich sogar mal für eine Weile aus dem Haus geworfen, weil ich mich nie an ihre Regeln hielt. Ich wusste: Entweder starte ich jetzt einen halbherzigen Versuch an der Uni, oder ich kämpfe in Los Angeles für meine Musik. Ich bin also zu meinem zukünftigen Manager nach Kalifornien gezogen und habe erst mal bei seiner Familie gewohnt.

ZEITmagazin: Ihre Tante hat Sie nicht gestoppt?

Bourelly: Sie hat es mir noch im Auto auf dem Weg zum Flughafen auszureden versucht. Aber ich war ja schon volljährig. Mein Vater ist auch mit 17 von zu Hause weggegangen, von Chicago nach New York, um dort mit bedeutenden Jazzmusikern zu spielen. Der hatte dafür Verständnis.

ZEITmagazin: Vermissen Sie Berlin?

Bourelly: Ja. Und auch meine Freunde. Ich kenne in Los Angeles nur Leute aus der Musikindustrie. Eine seltsame Branche.

ZEITmagazin: Wie meinen Sie das?

Bourelly: Bei Songs, die sich gut verkaufen, versucht jeder mit abzukassieren, auch Menschen, die mit den Songs gar nichts zu tun haben.

Dieser Artikel stammt aus dem ZEITmagazin Nr. 29 vom 16.07.2015.

ZEITmagazin: Ist es womöglich leichter, in Los Angeles Erfolg zu haben als in Europa?

Bourelly: Man trifft dort schneller wichtige Leute aus dem Showgeschäft. Da läuft man halt dem CEO von Disney bei Starbucks in die Arme. Aber man muss bereit sein dafür.

ZEITmagazin: Haben Sie Angst davor, dass sich diese Leute mal nicht mehr für Sie interessieren könnten?

Bourelly: Na klar. Ich hatte auch Angst, nach Los Angeles zu ziehen, ich habe Lampenfieber und Flugangst. Aber Angst ist für mich irrelevant. Ich mache einfach.

Bibi Bourelly, 21, heißt mit Vornamen eigentlich Badrilla und ist in Berlin-Kreuzberg und -Charlottenburg aufgewachsen. Sie singt auch auf Lil Waynes neuem Album "FWA", das gerade erschienen ist.

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