Emilia Clarke "Ich wollte aufspringen und schreien, aber es ging nicht"

Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 29/2015

Die Arbeit verfolgt mich oft in meine Träume. So auch zuletzt beim Dreh von Terminator Genisys. In neun von zehn Nächten träumte ich von meiner Rolle und den bevorstehenden Szenen. Zur Vorbereitung absolvierte ich ein intensives Training und lernte, wie man eine Waffe richtig hält und wie man kämpft. Davon war ich abends so ausgelaugt, dass ich müde ins Bett fiel und die wildesten Träume hatte. Leider blieben mir keine konkreten Szenen in Erinnerung, nur das Gefühl der Erschöpfung beim Aufwachen.

Mit dem Schlafen hatte ich ansonsten noch nie Probleme. Vor Kurzem las ich ein Interview, in dem jemand erzählte, er stelle sich beim Einschlafen vor, ein U-Boot zu sein. So ähnlich ist das auch bei mir: Ich lasse Stück für Stück los und tauche hinein in den Schlaf. Nur wenn ich besonders aufgekratzt bin vom vorangegangenen Tag, funktioniert das nicht. Dann versuche ich, mich an einem positiven Gedanken festzuhalten. Das hilft mir, runterzukommen.

Zum Schlafen brauche ich kein großes Bett. Im Gegenteil: Ich könnte im größten Queensize-Bett der Welt liegen und würde mich nachts trotzdem am äußersten Rand wie ein Embryo zusammenrollen. Genau so wache ich morgens auf. Ein Doppelbett? Für mich die reinste Platzverschwendung. Und doch lege ich großen Wert auf mein Bett. Bei uns gibt es ein Sprichwort, das besagt: Du verbringst die Hälfte deiner Zeit im Bett und die andere Hälfte in Schuhen – deshalb solltest du in beides investieren. Daran halte ich mich. Ich habe eine spezielle Auflage für die Matratze. Dadurch liege ich angenehm weich. Außerdem brauche ich viele Kissen und Decken. Ich mag es gemütlich.

Leider erlebe ich immer wieder Schlaflähmungen. Ich wache auf oder denke, ich sei aufgewacht, kann aber weder sprechen noch mich bewegen. Ich erinnere mich an eine Szene neulich: Aus dem Augenwinkel heraus glaubte ich ein Mädchen zu sehen. Es war komplett weiß gekleidet und lief langsam auf mich zu. Ich konnte nicht erkennen, was es von mir wollte. Die Situation war beängstigend. Ich wollte aufspringen und schreien, aber es ging nicht. Es war einfach schrecklich.

Dass ich immer wieder solche Momente erlebe, liegt vielleicht daran, dass ich ein sehr fantasievoller Mensch bin. Schon als Kind flüchtete ich mich in Tagträume, in meine kleinen Scheinwelten. Ich glaube an die Macht der Vorstellungskraft. Das reizt mich auch an der Schauspielerei: dass man durch das Geschichtenerzählen starke Botschaften vermitteln und Menschen berühren kann.

Einer meiner Lieblingsfilme, der genau das macht, ist My Fair Lady mit Audrey Hepburn und Rex Harrison. Ich war etwa fünf Jahre alt, als ich diesen Film zum ersten Mal sah. Die Geschichte zog mich völlig in ihren Bann. Es ist das klassische Motiv: ein Aufstieg aus der Armut. Einem jungen Mädchen wird das Werkzeug an die Hand gegeben, das es ihr ermöglicht, der Mensch zu werden, der sie sein will. Wirklich zauberhaft.

Emilia Clarke, 28, ist in London geboren. Bekannt wurde die Schauspielerin durch die Fantasy- Serie "Game of Thrones", in der sie die Rolle der Drachenmutter Daenerys Targaryen spielt. Zurzeit ist sie an der Seite von Arnold Schwarzenegger in "Terminator Genisys" im Kino zu sehen

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