Von A nach B: Die unbestechlichen Zwillinge

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Unser Autor fährt mit dem Smart forfour zu einem See in Brandenburg. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 30/2015

Bei meinen Fahrten mit Testwagen lasse ich mich stets von zwei Mit-Testerinnen beraten. Der Grund hierfür ist journalistische Redlichkeit: Die mit den jeweiligen Wagen serienmäßig gelieferte Werbelyrik ("Freundlich, aber selbstbewusst blickt der Smart seinem Betrachter entgegen") zerschellt an der Urteilskraft der beiden Mit-Testerinnen so unerbittlich wie jede Werbelyrik-Kritik am Selbstbewusstsein der Texter. Von "Das Auto ist aber hässlich" bis zu "Omas Auto fährt viel schneller" haben die beiden vieles von sich gegeben, was sich so in den Werbebroschüren nicht wiederfand. Die Mit-Testerinnen heißen übrigens Hedda und Siri, sind neun Jahre alt, Zwillingsschwestern und durch nichts korrumpierbar – außer vielleicht durch "Brötchen ohne alles". Aber so etwas schicken Hersteller in aller Regel nicht mit.

Als wir zu dritt mit dem neuen Smart forfour in Berlin aufbrechen, um zu unserem Geheimtipp-See in Brandenburg zu fahren – der hier qua Status namenlos bleiben muss –, überraschen die beiden Unerbittlichen mit unbekannter Milde. "Ich finde die graue Decke schön", meint Siri, die familieninterne fashion police. Und Hedda, die in ihrer Becherlupe seit geraumer Zeit Moos züchtet, worin stolze Eltern Vorboten einer steilen Karriere als Mikrobiologin erkennen, meint: "Ich mag die Klappfenster" – und klappt das Klappfenster hinten rechts die nächsten 30 Minuten auf und zu, was ihr Vater in dem Wissen großmütig zulässt, dass wissenschaftliche Erkenntnis nur durch Wiederholung dauerhaft abgespeichert werden kann. Mit schöner Decke und klappenden Fenstern flattern wir in dem 3,49-Meter-Winzling über die Autobahn wie ein Küken in einem Schwarm Wildgänse. Schön, dass das Küken von einem "hohen Anteil ultrahochfester warmumgeformter Stähle und höchstfestem Mehrphasenstahl" so sicher ummantelt ist, wie es die "Real Life Safety"-Philosophie des Hauses erfordert.

Nach ausführlichem Baden, Stöckesammeln und Fachsimpeln über den Unterschied von Kühler- und Tischgrill kommen wir Stunden später zurück zum Parkplatz – und können den Smart nicht gleich finden, der Kleine versteckt sich zwischen lauter Großen. Da erkennt das Test-Team: Ein Auto, das man nicht sieht, ist das ideale Gefährt zum Geheim-See.

Technische Daten

Motorbauart: 3-Zylinder-Benzinmotor, Leistung: 66 kW (90 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 11,2 s, Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h, CO 2 -Emission: 99 g/km, Durchschnittsverbrauch: 4,3 Liter, Basispreis: 13.840 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro der ZEIT

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