Deutschlandkarte Wie das kleine Küchenmesser genannt wird

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 31/2015
Deutschlandkarte: Wie das kleine Küchenmesser genannt wird © Jörg Block für ZEIT MAGAZIN

Es war eine Einsendung mit Folgen. Auf der Seite "ZEIT der Leser" in der ZEIT Nr. 8/15 wurde die Zuschrift einer Leserin aus dem hessischen Mühlheim abgedruckt. In der Rubrik "Mein Wort-Schatz" erzählte sie, dass sie für ihr kleines Allzweck-Küchenmesser den Begriff Hümmelchen verwende, dieser stamme von ihrer Familie aus dem Ruhrgebiet. In Hessen, wo sie jetzt lebt, sage man aber Kneipchen dazu.

Seitdem erreichten uns über die Leser-Redaktion der ZEIT und die ZEIT ONLINE-Community mehr als hundert Zuschriften mit weiteren Namen für das Messer, und diese zeigen wir nun auf unserer Karte. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen wusste man von interessanten Ausdrücken zu berichten. Mitgeliefert wurden Dialekt-Übersetzungen (Schneidteiferla = Schneidteufelchen) und Beschreibungen, die von der Liebe zu diesem besonderen Kücheninstrument zeugen: "Holzgriff speckig, Klinge immer geschärft, unentbehrlich bei vielerlei Verrichtungen, vom Apfelschälen bis zum Bleistiftspitzen."

Hier lesen Sie nach, was unsere Leser über ihre Begriffe erzählen.

Quelle Leserzuschriften

Kommentare

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ich dachte als kind immer, dass dieses messer "ömeken", also etwa "kleine oma" heißt. weil man damit so schnell schnippeln kann wie es sonst nur die oma hinbekommt, so dachte ich mir.
irgendwann erfuhr ich, dass meine mutter "hümmeken" dazu sagt, die frage nach dem warum konnte sie mir aber unbefriedigenderweise nicht beantworten und so blieb es in meinem kopf trotzdem immer das "ömeken".

Heissa, was für ein schönes Sammelsurium im weiten Felde "Wörter und Sachen". Gerade das westfälisch verschliffene "Hümmeken" gibt Rätsel auf, die aus dem Uralt-Aschgrauen herrühren. Ursprünglicher ist wohl "Hürm-" - was direkt auf (H)Irm(en) zurückweist. "Hirmen" bedeutet schon im Frühmittelalter "aufhören, rasten, ruhen" - aber was ist mit dann mit "(H)Irminsul" (Weltsäule), "Irmingot" (allmächtiger Gott, schon im Hildebrandslied, um 825) und "Irmintheot" (ebd. für wörtl. "Allvolk")?! Das "Hürmeken" also ironisch als kleines Gegenstück zum ganz großen Messer (das ja dem Wortsinne nach auch nur ein "Mittelsax" darstellt)?
In die Abgründe des alltäglichen Miteinanders von Christen und Juden früher verweist wohl "Abrahamchen" (mit Varianten im Hessischen und Pfälzischen). Schließlich wollte Urvater Abraham seinen Sohn Isaak opfern, hat stattdessen aber einen Widder geschächtet. Mit welchem Messer? Schachat ist ein hebräisches Wort- und das nordwürttembergische "Krabbenschächter" hat sicher nichts mit Krabben, aber auch nichts mit (guttural anlautenden) Raben zu tun, sondern wohl mit "Rabbi" (der deutsche wie lateinische Genitiv kann Subiectivus wie Obiectivus sein - man denke nur an die berüchtigte "Kinderwurst"), somit "das Messer, mit dem der Rabbi schächtet".
Ein Lehnwort aus der französischen Küche dürfte dagegen "Pittwock" sein: "im kleinen Gebrauch" = "petite vogue".