Gesellschaftskritik: Über Traumhäuser

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 31/2015

Die Suche nach der passenden Immobilie kann zermürbend sein. Das weiß jetzt auch Katy Perry, obwohl diese Aufgabe für sie an sich kein Problem sein dürfte. Perry ist als Sängerin irrsinnig erfolgreich und hat jede Menge Geld zur Verfügung. Zudem führt sie mit 72 Millionen Followern die Twitter-Hitliste an, und schon ein Hinweis würde genügen, um nicht ein, sondern 5.000 Traumhäuser zu finden. Aber wieso einfach ein Haus kaufen, wenn es auch kompliziert geht?

Perry hat sich nämlich ein ganz besonderes Objekt ausgeguckt: ein toskanisch anmutendes Anwesen in den Hügeln von Los Angeles, in dem bis vor Kurzem noch fünf Nonnen vom "Unbefleckten Herz der gesegneten Jungfrau Maria" wohnten. Die möchten ihr ehemaliges Kloster auch gern verkaufen – aber nicht an Perry.

Schwester Catherine Rose, 86, und Schwester Rita, 77, stört das öffentliche Bild Perrys, die gern freizügig auftritt und deren erster großer Hit I Kissed a Girl hieß. Perry wollte die beiden, berichtet die L.A. Times , daraufhin in einem persönlichen Gespräch von sich überzeugen. Zuversichtlich zeigte sie bei dem Besuch ihr Jesus-Tattoo vor, was aber bei den Schwestern nicht zog, vielleicht auch angesichts ihrer anderen Tattoos: eine Erdbeere, ein Pfefferminzdrops und das Gesicht von Hello Kitty. Auch der Versuch, die Herzen der Nonnen durch das Vorsingen des Gospels Oh Happy Day aus Sister Act 2 zu gewinnen, scheiterte. Und nein, das alles haben wir uns wirklich nicht ausgedacht.

Mehr Eindruck machten da die 14,5 Millionen Dollar, die Perry bietet – cash. Die Summe gefiel dem Erzbischof von L.A. so gut, dass er ihr zusagte. Er führt für sich ins Feld, die anderen drei Nonnen hätten sich schriftlich mit dem Verkauf an Perry einverstanden erklärt. Unterschriften, die – so vermuten Catherine Rose und Rita – unter Zwang oder dem Einsatz von Beruhigungsmitteln zustande gekommen seien. Kurz: In der Diözese scheint es nicht weniger schmutzig zuzugehen als in Perrys Videos.

Die Nonnen streiten jetzt mit dem Erzbischof vor Gericht. An Perry zu verkaufen käme einem Bruch ihres Gelübdes gleich, sagen sie. Zur Not müsse der Vatikan entscheiden. Das könnte für Perry schlecht ausgehen, denn ihre Eltern sind evangelikale Prediger – und vielleicht verbirgt sich hinter dem moralischen ja in Wahrheit ein konfessionelles Problem. Aber das werden wir wohl erst herausfinden, wenn Madonna auf die Immobilie aufmerksam geworden ist.

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Katy mit den Zahnderln, hebe dich von uns! ...
"Doch auch die Frauengestalt wurde mir dort gezeigt, daß ich sie nur von der Mitte ihres Leibes an abwärts sah. Sie hatte nämlich von ihrem Nabel bis zur Stelle, an der man die Frau erkennt, verfärbte, schuppige Flecken. Am selben weiblichen Erkennungsmerkmal erschien ein unförmiges pechschwarzes Haupt mit feurigen Augen, eselsgleichen Ohren, Nase und Rachen, wie sie ein Löwe hat. Mit weit aufgerissenem Maul knirschte es und wetzte schreckenerregend die furchtbaren eisenartigen Zähne" (Hildegard von Bingen, Vision III,11). Wenn frommen Alt-Juffern solches Jung-A... mit Ohren und Vagina dentata erscheint, dann haben sie - like a sisters' act - auszuharren vor Ort. Schließlich prophezeite die Seherin vom Mittelrhein auch: "Eine Unmenge Kot befand sich um das Haupt; es erhob sich daraus wie über einen Berg und versuchte, zur Himmelshöhe aufzusteigen. Da ertönte plötzlich ein Donnerschlag und traf das Haupt mit solcher Wucht, daß es von diesem Berge herabstürzte und seinen Geist zu Tode aushauchte". Amen und Halleluja! Solchermaßen gstad der Pfade und Unpfade versichert (Hildegard, Scivias - Wisse die Wege, gar gräßlich bebildert), mögen die Golden Girls Caterine Rose und Rita auf die Weissagung ihrer berühmten Consoror vertrauen und getrost der weiteren Dinge (D. = Gerichtsverhandlung) harren. Sollte aber die unheilige Virgo Sciccone "Like a Prayer" aufkreuzen ... Wach auf, mein Herz, und singe!

Deputatus esset Gehenne! In dem Immobiliendrama waltet ein der Todsünde Avaritia (Habgier) Verfallener seines Amtes - der keineswegs angelische Erzbischof von LA, der den Nonnen gewiß ihre Gelübde vorgehalten hat: Gelobt hätten sie nicht "Stabilitas loci" (Standortgetreue), sondern "Stabilitas in congregatione" (Festigkeit in der Gemeinschaft, so St.Gallener Professformel). Das wiederum ist vor Jahrzehnten vom ehrwürdigen Pater Emmeram zu Regensburg in praxi widerlegt worden, als er dem Ortsbischof verweigerte, das von ihm bewohnte Claustrum zu Prüfening (Familieneigentum Thurn und Taxis?) zugunsten der Diözese zu räumen. Im Stiftsturm verschanzt, lebte jener Fürstenonkel (echter Habsburger mit typischer Lippe) monastisch, also regulär wie ein Mönch, und achtete darauf, daß die Klausur nicht gebrochen würde. Eines Tages nach Herzattacke wiederbelebt, mußte er alsbald die geistliche Stätte neu weihen. Denn Beistand hatte zuvor geleistet - eine Notärztin. So aber blieb Prüfening vorerst ein Ort mönchischer Gewohnheit.
Benötigen die kalifornischen Nonnen geistlichen Beistand gegen übergriffige Würdenträger, so seien sie auf den Liber visionum des Regensburger Mönchs Otloh (11.Jh.) verwiesen. Dem hatte vom hl. Günther geträumt, bei Rundreise durch die Hölle peinlicher Befragungen habe er allzu weltliche Bischöfe auf glühenden Stühlen sitzen sehen, der Dschehenna überantwortet, ohne Joker, ohne Geld.

Ergänzung zur Stabilitas in congregatione: Damit ist ein Umzug ggf. erlaubt, sofern die Communitas nicht leidet.

Witziger Artikel. Aber irgendwie müssen Klöster ja weiter genutzt werden, wenn immer weniger Menschen dem christlichen Glauben angehören. Ich fragte mich schon öfters, was aus den Klöstern hier in Deutschland wird, bei denen die Nonnen bzw. Mönche nach und nach aussterben. Ob Katy Perry sich ein Kloster kauft oder dort ein Luxus-Hotel entsteht, macht doch keinen Unterschied.

Wenn Nonnen das Haus gehört, warum ist es so eine Sensation, wenn sie auswählen, an wen sie verkaufen wollen.

Warum mischt sich der bigotte Bischof ein?
Auch Nonnen haben Bürgerrechte - und manchmal einen Arsch in der Hose.

Das Sternchen, samt der Verführ-Frauchen-Abbildung ist mir schnurzpiep - Piep - Piep.

"Bürgerrechte" für Nonnen - aber nur in der Holy Soap Opera um Kloster Kaltenthal (ARD), wo die Mutter Oberin ständig über die Köpfe der Konventualinnen hinweg Immobiliengeschäfte zu tätigen versucht. Im Falle von 3441 Waverly Drive leben die alten Schwestern ja gar nicht mehr in ihrem ehemaligen Konventsgebäude, sondern verstreut über den Vorort hin und sind überdies zerstritten. Dann allerdings stehen dem Erzbischof gewisse kirchenrechtlich begründete Amtspflichten zu, gewiß ein Visitationsrecht und auch die Schlichtung innerer Querelen, zumal wenn sie das Gesamtvermögen der Community betreffen. Die Kurialen in Rom wetzen schon die Federn, aber schön langsam. Bis dahin hat Miss Perry das nächste anstößige Album aufgenommen - Dwerking for the Pope?!