© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Mais ohne Dose

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 31/2015

Neulich schrieb mir ein Leser, er blättere sofort um, wenn er in der Zutatenliste eines Rezepts das Modegewürz Kreuzkümmel entdecke. Klar, verstehe ich, habe ich ihm zurückgeschrieben, immer diese dämlichen Food-Trends. Aber jetzt kann ich leider nicht anders, als dieses tolle Rezept für eine Maissuppe mit Zitrone, Chili und eben Kreuzkümmel vorzustellen. Tut mir leid, ich bin ein Modeopfer. Aber Kreuzkümmel, auch Kumin genannt, ist wirklich ein besonderes Gewürz. Es macht so viele Gerichte viel interessanter, dabei riecht es ein bisschen nach Männerschweiß. Ist das nicht originell?

So ein Maiskolben kann etwas unnahbar wirken, wenn er, in dicke Blätter gehüllt, an der Gemüsetheke des Supermarkts liegt. Aber er ist ganz leicht zu handhaben: Mit der Hand lassen sich die Blätter und Fäden abreißen. Die Maiskörner löst man vom Kolben, indem man den Kolben auf einem Schneidbrett aufstellt, gut festhält und längs mit dem Messer daran entlangschneidet. Um die restlichen Körner zu lösen, kann man die stumpfe Seite des Messers dicht am Kolben entlangführen.

Die Körner zusammen mit gehackten Zwiebeln und einer großzügigen Prise Salz in Sonnenblumenöl in einem großen Topf anschwitzen. Unter Rühren ungefähr 5 Minuten lang dünsten, nicht anbrennen lassen. Ablöschen mit Wasser, so viel, dass der Mais gerade bedeckt ist. Das Ganze bei zugedecktem Deckel 20 Minuten lang köcheln lassen. Alles pürieren und durch ein Passiersieb streichen. Dazu braucht man etwas Geduld (und vor allem eben leider ein Passiersieb oder ein anderes feinmaschiges Sieb), aber der Schritt ist wichtig, weil die Häutchen, die die Maiskörner umgeben, nicht schmecken. Schmand unterrühren. Die Suppe abschmecken mit Salz, Kreuzkümmel, Zitrone und Chili und vielleicht noch mal erhitzen.

Suppe aus Mais mit Kreuzkümmel, Chili und Zitrone (für 2 bis 3 Personen)

Zutaten – 4 Maiskolben (frisch, nicht vorgegart), 2 kleine Zwiebeln, Salz, 2 EL Sonnenblumenöl, 100 g Schmand oder Sour Cream, ½ TL Kreuzkümmel, Saft von ½ Zitrone, Chiliflocken nach Geschmack

Kommentare

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Modegewürz? Muss an mir vorbeigegangen sein. Ich koche seit meiner späten Jugend regelmäßig und gern, also fast mein halbes Leben lang, und eines der ersten Gewürze, die ich fest in meinen damals noch recht spartanischen Gewürzschrank aufgenommen habe, war der Kreuzkümmel. Ich glaube, es gab häufiger Gerichte ohne Pfeffer als ohne Kreuzkümmel. Nur Muskatnuss und Paprikapulver kamen ähnlich häufig zum Einsatz.

Gut, heute habe ich die Palette etwas erweitert, und es kann schon mal passieren, dass ich eine ganze Woche lang nicht zum Kreuzkümmel greife - den ich mir mittlerweile, man wird ja älter, anspruchsvoller und ein bisschen dekadenter, meist selbst frisch mahle. Da riecht er dann auch weniger nach Männerschweiß - eine Assoziation, die ich jedenfalls beim Pulver aus dem Supermarkt definitiv nachvollziehen kann.

Wie jemand darauf kommen kann, Kumin sei ein Modegewürz, verstehe ich nicht. Es ist ein wichtiger Bestandteil jedes Currypulvers, wird in vielen südostasiatischen Gerichten verwendet und kommt auch in vielen mexikanischen Gerichten zur Anwendung. Ich benutze es seit Jahrzehnten.

Über Geruch lässt sich streiten, aber dass Kumin ein bisschen nach Männerschweiß riecht, habe ich noch nie gehört.

Aha, Kreuzkümmel ist also ein "Modegewürz".
Was ist mit Salu und Pfeffer?
Nutzt auch jeder Sternekoch, jeden Tag sogar.
Müssen auch "Modegewürze" sein. ;-)

Ohne Kreuzkümmel schmecken viele Gerichte nicht, Iskender Kebab oder Chili con/sin Carne oder oder oder....

"Modegerichte" sind das nicht, schätze ich.

Das Süppchen hört sich gut an, wird ausprobiert.
Mit viel Kreuzkümmel (bei mir übrigens direkt aus der Gewürzmühle) und Chili.