Von A nach B: Allein im Wald

Unser Autor fährt mit dem Mountainbike Carver ICB 02 zum Berliner Grunewaldturm. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 33/2015

Schon beim ersten Blick auf dieses metallicblau glitzernde Fahrrad ahnt man, dass die Zeiten, in denen Radfahren ein gemütlicher Spaß war, der nebenbei auch noch der Fortbewegung diente, vorbei sind. Aber wozu ist so ein Ding, das aussieht wie eine Motocross-Maschine, eigentlich gut? Und wer braucht so was?

Eine Antwort kann man in Berlin nur im Grunewald finden, dem größten Wald der Stadt. Eine Wildnis, wie der Städter sie mag, denn die Natur ist hier schön geordnet und wie ein Schachbrett von Wegen durchzogen. Die breiten Stollenreifen des Carver, die auf der Straße gerade noch schwerfällig rollten, wühlen sich in die von einem Gewitter am Vorabend noch nasse Erde, und die Federung schluckt den holprigen Waldboden einfach weg. An einer Gabelung macht man Pause, als eine Familie schnaufend auf ganz gewöhnlichen Straßenrädern vorbeikommt und ebenfalls anhält, Wasserflaschen und Brote werden ausgepackt. Keiner guckt, keiner grüßt, auch mitten im Wald ist immer noch Großstadt.

Da ertönt ein Poltern, das sich schnell nähert. Es ist, als rasten die Waldgeister auf einen zu. In einer Geschwindigkeit, die man nicht für möglich gehalten hat, schießt ein Mann auf einem Mountainbike den abschüssigen Pfad hinunter, der hier den Weg kreuzt, dann folgt eine Frau, ebenfalls auf einem solchen Rad, auch nicht langsamer. Sekunden später sind sie weg. In der Ferne rumpelt es noch ein bisschen, dann ist wieder Stille. Die Familie hat sich gar nicht stören lassen. Das erscheint plötzlich wie eine vernünftige Haltung: Leute, die nichts Besseres zu tun haben als Extremsport – und solche, die so aussehen –, ignoriert man halt.

Als kurz darauf das Smartphone kein Netz mehr hat, erweist sich der Wald ohne Navi als Irrgarten. Niemand mehr zu sehen, den man nach dem Weg fragen könnte. Nur Musik weht mit dem Wind von irgendwo her. Auf einmal ist dieses Rad in der Not, in die es einen gebracht hat, genau das richtige: Es trägt einen tapfer den steilsten Hügel hinauf und wieder hinab und durch jede Schlammpfütze – und bis zum Ausflugslokal am Grunewaldturm, wo von einer Freiluftbühne aus zwei Musiker verloren gegangenen Radlern mit Schlagzeug und Orgel den Weg weisen.

Technische Daten

Rahmen: Aluminium, Schaltung: 20-Gang-Kettenschaltung, Reifengröße: 26 Zoll, Gewicht: 14,1 kg, Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen, Basispreis: 2.699 Euro

Jörg Burger ist Redakteur des ZEITmagazins

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

der autor hat die antwort auf die frage, wer dieses mountainbike braucht, vielleicht gefunden. ich sehe sie nicht.
schön, es hat outdoor-reifen und federung. nur: das haben alle mountainbikes, dafür muss ich keine 3000€ ausgeben. mit 14kg gewicht ist es dazu noch ein ziemlich brocken und eine 20gang - kettenschaltung ist auch nicht so der brüller - davon abgesehen sind die "technischen details" sowieso so kümmerlich, dass sie über das fahrrad nicht wirklich viel aussagen.
ich habe den eindruck, herr burger hat keine ahnung von fahrrädern und interessiert sich auch nicht dafür.

Erst informieren, dann anderen Ahnungslosigkeit unterstellen, oder in diesem Fall besser unterlassen.
2x10 ist bei vielen teuren Bikes längst Standard, läuft runder, ist leichter und die "fehlenden" Gänge im Vergleich zu 3fach sind größenteils redundant.
Und die 14 kg sind für ein robustes Enduro oder gar Downhill Rad völlig akzeptabel, mit dem 10kg Carbon Renner wird man da nicht sehr lange Spaß haben.

Na ja, 20 Gang geht nicht. Es muß irgendwas x3 sein, also 18, 21, 24,28. Hinterradfederung haben nicht alle Mountainbikes. Mein 9kg Bike (inkl. Werkzeug), das schon 2x über die Alpen war, hat z.B. keine. Typischer Großstädter - Bericht, fahren Sie halt mal zum anfangen in irgendein deutsches Mittelgebirge, z.B. nach Heiligenstadt in der Fränkischen Schweiz. Die Gemeinde hat sich dem MTB Sport verschrieben, und es gibt ein sehr gut ausgeschildertes Wegenetz. Daß in den Tälern der Fränkischen auch kein Smartphone funktioniert, da muß man durch. Da hört man auch keine Musikkapelle, sondern maximal einen Specht, der seine Wohnung ausbaut :)

Ja wunderbar, ICBs wo man hinschaut. Die Dinger sind so überflüssig das ich gleich 2 davon habe.20 Gänge braucht kein Mensch - mir reichen 1x10 und 1x11.Eins wiegt 16 kg - dafür das andere nur 13.Also lieber Redakteur... die Welt der Biketechnik ist größer und vielfältiger als du ahnst.Fahr doch kurzentschlossen zur Eurobike und informier dich mal.Ich fahre heute mit einem ICB und meiner 4jährigen Tochter erst einkaufen und dann in die Eisdiele.