Gesellschaftskritik Über Erziehungsprobleme

© Etienne Laurent/dpa
ZEITmagazin Nr. 34/2015

Diese Beckhams. Immer wieder für eine Überraschung gut. Überraschende Frisuren, überraschende Karrieren, überraschende Kollektionen. Unermüdlich arbeiten Posh und Becks daran, das perfekte Paar zu sein. Sanft glitt David nach seinem Ende als Super-Fußballer in ein Geschäftsleben hinüber. Victoria wurde nach den Spice Girls eine sehr erfolgreiche Modedesignerin, und sowohl ihre Nase als auch ihr Körper wurden immer schmaler. So haben sich die beiden seit früher Jugend abgestrampelt, um ganz nach oben zu kommen. Da sind sie jetzt schon seit einer Weile.

Dann kam 2011 nach den drei Jungs eine Nachzüglerin auf die Welt. Vater Beckham tätowierte sich ihren Namen auf den Hals und ward fortan vor allem als Träger von Harper Seven fotografiert, die bezaubernd pummelig sein durfte, im Gegensatz zu ihrer elfengleichen Mutter. Auch musste sie nicht dauernd grinsen, sondern durfte eine Schnute ziehen. Was sie den Fotos nach gern und ausgiebig tut. Nun schlenderte sie gerade wieder einmal mit ihrem Papa durch Los Angeles und hatte dabei – oh Schreck – einen Schnuller im Mund. Obwohl sie schon VIER ist. Eigentlich sollten Kinder nach dem ersten Lebensjahr langsam des Schnullers entwöhnt werden. Auf jeden Fall sollte spätestens im Alter von drei Jahren Schluss sein mit dem Nuckeln, sonst droht Zahnfehlstellung – sprich Defizite bei der Nahrungsverwertung und bei der Schönheit. Dass Harper mit vier noch mit Schnulli rumrennt, brachte dann auch gleich Sittenwächter auf den Plan. Journalisten fragten mahnend, was denn da nur los sei bei den Beckhams – dieser sonst doch so ganz und gar perfekten Familie.

Der Vater verwahrte sich auf Instagram gegen die Einmischung: Eltern wüssten sehr genau, was Trost bei Fieber oder Unwohlsein spende – "und meistens ist das ein Schnuller".

Erste Risse im übermenschlichen Ehrgeiz der Beckhams?

Vielleicht hat die kleine Harper Seven ihre Eltern von ihrem Perfektionszwang befreit. Manche glauben ja, dass Kinder Menschen gütiger machen, lässiger auch, mehr konzentriert auf das Wesentliche. Die Schnullerduldung könnte der erste Schritt sein zu einer Reihe von Lockerungen bei den Beckhams. Auf jeden Fall hat Becks ein gutes Signal an seine kleine Tochter gesandt: Das Leben ist hart genug, wenn du nuckeln musst, dann tu es.

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Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder ... Ah-Oh. Wo ist mein Blinky? Alles andere ist Schnulli-Bulli! Twinky Winky hat mein Blinky - rabäääh. Na gut, dann suche ich mir einen Freund - Linus, der mit der Schnuffeldecke. Mein verrücktes Infantenleben - nichts geht über "pacifier" und "security blanket". Harper, sei wachsam - selbst im Protest wirst du medial durchgestylet. Trick it like Beckham.