Stilkolumne: Alles so schön bunt hier

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 36/2015

Ein Regenbogen, unendlich weit weg. Obwohl Unendlichkeit ein mathematischer Begriff ist, unter dem wir uns nichts vorstellen können: Wir sehen einen Regenbogen und können unmöglich sagen, ob er nah oder fern ist.

Das liegt daran, dass beide Augen im gleichen Winkel auf den Regenbogen schauen. Eine Verortung im dreidimensionalen Raum wird damit unmöglich. Der Regenbogen, der durch die Brechung des Lichtes in Wassertröpfchen in der Luft entsteht, erschien den Menschen darum immer rätselhaft. Und er hatte etwas Göttliches. Deswegen kommt er schon in der Bibel vor. Im 1. Buch Mose, Vers 9: "Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde. Und Gott sprach zu Noah: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich zwischen mir und allen Wesen aus Fleisch auf der Erde geschlossen habe." Man kann es so sehen: Gott war der Menschheit so überdrüssig geworden, dass er sie bis auf eine Schiffsbesatzung in der Sintflut ersäufte. Dann schenkte er uns den Regenbogen.

Die Welt vor Jahrtausenden war nicht so sehr von Farben bestimmt wie die heutige. Umso mehr muss ein bunter Lichtbogen am Himmel eine imposante Erscheinung gewesen sein. Im Regenbogen wird kulturübergreifend das Gute gesehen. Entsprechend häufig wurde er zitiert: In der Romantik war er ein Symbol für die Liebe zur Natur. Die Beatles illustrierten ihr Album Yellow Submarine in Regenbogenfarben. Die Hippie-Kultur nutzte die Regenbogenfarben für sich, auch die Friedensbewegung tat es, und nun stehen sie vor allem für die Schwulen-und-Lesben-Bewegung.

Zurzeit sind Regenbogen-Looks auch in der Mode viel zu sehen, vor allem in den Zwischen-Kollektionen. Bei Sonia Rykiel, J.W.Anderson, bei Thom Browne, bei Akris und Missoni leuchten die Regenbogenfarben auf Minikleidern, Röcken und Hosenanzügen. Das ist gut. Schließlich machen Regenbögen seit Tausenden Jahren gute Laune. Man wüsste gerne, wie die Menschen zu Sintflutzeiten so waren, dass Gott sie allesamt von der Erde tilgen wollte. In der Bibel steht, die Menschen mussten sterben, weil "alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar".

Wer weiß: Wäre Gott früher auf die Idee mit dem Regenbogen gekommen, vielleicht wäre die Menschheit damals einfach besser drauf gewesen.

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