Gesellschaftskritik: Über öffentliche Rückkehrer

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Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 38/2015

Wenn sich ein Prominenter eine Zeit lang aus der Öffentlichkeit zurückzieht, muss seine Rückkehr ins Rampenlicht gelingen. Selten ist die Aufmerksamkeit so groß wie bei diesem ersten Auftritt. Die Botschaft, die dieser transportiert, will gut überlegt sein.

Christian Wulff zum Beispiel erschien nach seiner Zeit als Bundespräsident erstmals wieder als öffentliche Figur bei einer Veranstaltung mit Migranten. Botschaft: Ich bleibe dem Thema Integration, das meine Amtszeit prägte, treu. Und: Ich bin ein ernsthafter Politiker und nicht Deutschlands oberster Schnäppchenjäger. Benedikt XVI. wählte für seine Rückkehr ins Weltliche – so paradox kann der Katholizismus sein – einen Gottesdienst im Petersdom, bei dem er demonstrativ auf einem gewöhnlichen Kardinalsstuhl Platz nahm. Botschaft: Es gibt keinen Nebenpapst, ich kann auch ohne rote Schuhe. Und Karl Theodor zu Guttenberg setzte mit seinem Premierenauftritt nach dem Absturz gleich ein doppeltes Zeichen, auf einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax: Ich bin noch wer in der Welt – und: Ich bin jetzt nicht mehr Abschreiber, sondern Vordenker.

Die Geschichte des gezielten ersten Auftritts ist nun um eine Episode reicher: Jürgen Klopp, der BVB-Trainer, der aus dem Meisterhimmel fiel, wählte das Spiel Deutschland gegen Serbien bei der Basketball-Europameisterschaft, um sich einer fußballbegeisterten Nation in Erinnerung zu rufen. Interessant daran sind drei Dinge.

Erstens erschien Klopp so rank und schlank, als habe er Getreide und Zucker ähnlich satt wie sein leptosomer Nachfolger Thomas Tuchel, der gerade ganz Dortmund entschlackt. Botschaft: Ich erfinde mich gerade ein bisschen neu. Zweitens fuchtelte Klopp genauso emotionsgeladen auf der Zuschauertribüne herum wie einst an der Seitenlinie. Botschaft: Im Kern bleibe ich derselbe, der Kloppo, den ihr doch so mögt wie sonst nur noch Helmut Schmidt und Günther Jauch.

Und drittens, die Basketballkulisse: Fußball schlägt zwar alles in Deutschland, aber Basketball ist trendy, begeistert vor allem die Jungen. Botschaft: Der Mann von gestern, der Trainer, der nur eine Spielidee hat, der Ausgebrannte, als den mich die Medien in der letzten Saison beim BVB hingestellt haben, bin ich nicht. Anders gesagt: Nicht Tuchel ist der neue Klopp. Klopp ist der neue Tuchel.

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