© Silvio Knezevic

Wochenmarkt: Süßer, fremder Kürbis

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Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 39/2015

In den Küchen des Orients findet man nichts dabei, aus Fleisch und Gemüse Süßspeisen zuzubereiten. Es gibt einen marokkanischen Kuchen, der mit Puderzucker und Taubenfleisch gefüllt ist, was erstaunlich gut schmeckt. Kürbis isst man im Libanon mit Rosenwasser, und in der Türkei ist er ein gewöhnliches Dessert. Ich halte Kürbisnachtische hier bei uns für integrationswillig und -fähig. Mithilfe der zugewanderten Rezepte wäre es uns möglich, unseren Gemüseverzehr zu steigern, was uns aus eigener Kraft seit Jahren ja nicht gelingt. Und wenn man genügend Zucker verwendet, vergisst man sowieso, dass der Kürbis ein Gemüse ist: Er ist weich, schön bunt und also perfektes dessert material. (Ich kann aber versprechen, dass bald weitere Kürbisrezepte folgen werden, wahrscheinlich solche, in denen Speck eine Rolle spielt.)

Kürbis und Zucker in einen Topf geben, zwei Stunden lang ziehen lassen. Wasser hinzufügen, Zimtstange auf den Kürbis legen. Man kann an dieser Stelle mit zerstoßenen Kardamomsamen, gemahlenen Nelken oder einer Vanilleschote experimentieren. Das Ganze langsam erhitzen, 20 Minuten lang bei mittlerer Hitze zugedeckt köcheln lassen. Ab und zu umrühren, der Kürbis darf nicht anbrennen. Die Flüssigkeit ist zum Schluss zu einem Sirup eingedickt, der Kürbis ist weich, aber fällt nicht auseinander. Etwas abkühlen lassen, Zimtstange entfernen. Zitronensaft über den Kürbis träufeln. Zum Servieren auf Teller verteilen, etwas von dem Sirup darübergießen. Crème fraîche hinzugeben. Das Ganze mit Sesam bestreuen.

Süßer Kürbis (für 4 Personen)

Zutaten – 600 g Hokkaido-Kürbis (nicht geschält, ohne Kerne, in 5 cm große Würfel geschnitten), 150 g Zucker, 50 ml Wasser, 1 Zimtstange, Saft von ½ Zitrone, 2 bis 3 EL Sesam, 1 Becher Crème fraîche

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