Unter Strom: Handydrucker

Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 40/2015

Ich arbeite in einem kreativen Beruf, ständig hantiere ich mit Bildern. Außerdem fotografiere ich selbst viel, und ich hoffe: nicht mal schlecht. Aber ich habe noch nie ein Bild ausgedruckt. Die Bilder, die ich mache, lagern auf Festplatten und Speicherkarten. Doch jetzt ist mir dieses Gerät von Polaroid in die Hände gefallen. Es ist ein kleiner Drucker, der Bilder, die man mit dem Smartphone gemacht hat, sofort ausdrucken kann.

Die Polaroidkameras waren damals magisch. Ihnen war es zu verdanken, dass man ein Bild von sich selbst binnen einer Minute in der Hand hatte. Und man sah sich selbst, so wie man gerade war. Als die Bilder noch analog waren und man sie nicht auf einem Display kontrollieren konnte, war ein Foto tatsächlich ein eingefrorener Moment. Und wenn man auf einem Foto mal schief guckte, dann konnte man es nicht korrigieren oder löschen. Man hatte ein Zeitdokument in der Hand. Heute hingegen laufen wir alle mit Selfie-Gesichtern herum, wir wissen in jeder Sekunde, wie wir aussehen. Der Polaroiddrucker bringt das Erlebnis des Papierfotos wieder zurück. Es dauert nur einen Moment, schon spuckt der kleine Drucker ein Bild aus. Ein Film reicht für zehn Bilder, ein Paket für 30. Und wie die Selbstentwicklerbilder damals sind auch die heutigen Polaroidbilder relativ teuer. Aber das ist sogar gut, denn dadurch bekommt ein Bild, das man von sich selbst macht, wieder einen Wert.

Und wenn ich eines fernen Tages keine meiner Festplatten mehr decodieren kann, dann werde ich wenigstens dieses eine gedruckte Bild haben, das dokumentiert, wie ich mal ausgesehen habe. Und ja, ich gucke etwas schief darauf.

Technische Daten

Direktdruck über Bluetooth oder NFC- Technologie, kompatibel mit iOS- und Android-Geräten, ZINK-Papier (tintenfrei), Fotos 5 x 7,5-cm-Fotos in Vollfarbe, Gewicht 187 g, Preis 129,99 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

Kommentare

11 Kommentare Seite 2 von 2 Kommentieren

Zitat Wiki:.....Die "Zink"-Technik kam im Juli 2008 erstmals mit dem hosentaschengroßen PoGo-Drucker auf den deutschen Markt....
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Na ja, 7 Jahre um es zu einem Zeitartikel zu bringen, ... gut Ding will Weile haben :-))
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3-Schicht Thermodrucker? Wenn die Bilder so lange Standzeiten haben wie Kassenzettel aus dem Thermodrucker, bleibt nur der Rat der hilfreichen Aldikassiererin:
Kopieren sie den Kassenzettel, der verbleicht auch in der Schublade, oft vor Ende der Garantiezeit!
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Polas ? Das war doch mal das Material zum Wegewerfen, mit denen man Früher (tm) bei der Sinar "Licht&Schärfe" kontrollierte, das man zur Lay-Out abnahme an den Kunden faxte, bevor man den "richtigen Film" von Kodak reinlegte:-))
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Nun ja, so lange sich "unter Strom" mit solchen, für Creative wohl unverzichtbaren Dingen beschäftigt, besteht ja noch Hoffnung.
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Gruss
Sikasuu
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Ps. Eine kleine Anmerkung noch zum Lay-out. In 3-6Punkt, lightgrau auf weiss als Out-Line, in einer Ecke das Wörtchen "Anzeige", bringt auch formal etwas Ordnung ins Blatt :-))
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Pps. Gewinnt die FAZ oder die Zeit das Rennen um "produkt-placemet?" :-))

Franz von Soettingen

#5.1  —  16. Oktober 2015, 22:03 Uhr

Nach meinem Dafürhalten, liegt faz.net uneinholbar in Führung; ausgebaut wurde die letzthin massiv durch den VW-Schläfer Appel in Sachen VW-Diese-Rettungsversuche; die waren schon megapeinlich.