Unter Strom Fahrradlicht Lucetta

Mirko Borsche testet das magnetische Fahrradlicht Lucetta von Palomar Von
Aus der Serie: Unter Strom ZEITmagazin Nr. 41/2015

Es gibt ein Problem mit Fahrradlichtern. Dieses hängt zusammen mit der unglückseligen Verbindung von Stil und Gefahr. Wer ein Fahrrad hat, der muss daran eine Beleuchtung haben, ohne Licht zu fahren ist lebensgefährlich. Oft ist das eine LED-Leuchte, die mit verschiedenen Vorrichtungen am Rahmen oder Lenker befestigt wird. Wenn man Fahrrad fahren will, dann klemmt man das Licht an die Halterung, wenn man absteigt, zieht man es wieder ab. Leider ist das stets mit Aufwand verbunden, weshalb man das Licht, entgegen allen guten Vorsätzen, meistens dranlässt. Das geht eine Weile lang gut – bis es dann geklaut wird. Dann kauft man sich ein neues Licht. Aber nur ein ganz billiges, hässliches, weil es ja ohnehin nicht lange bei einem bleiben wird. Schließlich sammeln sich immer mehr hässliche Fahrradlicht-Halterungen am Lenker. Die Alternative: Man lässt das Licht einfach weg und riskiert bei Dunkelheit sein Leben. Gibt es eine Lösung? Ja. Lucetta ist eine kleine leistungsstarke Diode mit einem starken Magneten. Vorder- und Rücklicht heftet man einfach an den Rahmen und fährt los. Wenn man absteigt, zieht man es einfach ab, statt es mühsam von der Halterung zu fummeln. Sofort heften sich beide Magneten zusammen und verschwinden in der Hosentasche. Reduzierter und praktischer geht es nicht. Besonders schön ist, dass die Lucetta-Lichter zusammengesteckt rund sind wie eine alte Filmdose. Leider rollen sie deswegen gut. Als ich zuletzt das Licht vom Rahmen abnahm, fiel es mir aus der Hand, rollte über die Straße und verschwand in einem Gully. Also stand ich schon wieder im Dunklen.

Technische Daten

2-teiliges LED-Licht; 4 Lithium-Ionen-Batterien; verschiedene Blinkmodi; Leuchtdauer maximal 40 Stunden; Gewicht 8 g; Preis ca. 29 Euro

Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins, schreibt jede Woche die Kolumne "Unter Strom"

Kommentare

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Gibt es eine Lösung? Ja: Nabendynamo! Der sorgt in Verbindung mit guten festinstallierten Lampen auch für ausreichende Leuchtstärke.
Diese Pipifunzeln, die immer mehr Leute verwenden (damit meine ich nicht die leistungsstarken Akkuleuchten) sind ein schlechter Witz und dienen bloß als Alibibeleuchtung. In diese Kategorie scheint auch die Lucetta zu gehören. Bei der Nennung der Blinkmodi könnte man auch mal darauf hinweisen, dass das im Straßenverkehr überhaupt nicht zulässig ist.
Was macht man denn mit so einer Lucetta an einem Alu-, Titan- oder Carbonrahmen?

Wer verschandelt sich den schicken Carbonrahmen mit einem festinstallierten Licht? An der Stadtschlampe ist das ja ok, aber doch bitte nicht am MTB oder Roadbike. Da braucht man eine abnehmbare Lösung, falls man mal länger unterwegs ist, als gedacht und, vor allem, *eine* für mehrere Bikes. Der Gedanke mit dem Magneten ist schon nicht schlecht, aber ganz klar noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Die klassische Fahrradbeleuchtung mit Reifendynamo gehört für mich zu den großen Mysterien dieser Welt und ist ganz sicher keine Lösung für die Zukunft. Die halbe Jugend habe ich mich mit Problemen am Fahrradlicht befassen müssen und stand immer wieder vor neuen Rätseln, weil das Licht aus unerfindlichen Gründen nicht funktionierte. Genau wie Forist Atomfred denke ich, die Nabendynamolösung ist bisher noch das Beste, was man haben kann. Sie kann nicht so einfach geklaut werden und ist zudem vergleichsweise zuverlässig in der Funktion.

Ist das nun aber der Weisheit letzter Schluß? Nein! Was mich an der Sache ärgert, ist die Tatsache, wie wenig Aufmerksamkeit diesem wichtigen Thema geschenkt wird. Das selbe gilt übrigens auch für Fahrradschlösser. Es gibt auf Erden einfach keine Lösung, die vollends zufriedenstellt. Während sich Autos heutzutage von selbst öffnen, wenn der Besitzer in der Nähe ist, muß sich der Fahrradfahrer noch immer an engen Fahrradständern oder Laternen mit hakeligen Ketten-, Bügel- oder sonstigen Schlössern herumplagen. Während moderne Autos über Lichtanlagen mit LED verfügen, die nahezu wartungsfrei und unkaputtbar sind, ist selbst bei teuren und modernen Fahrrädern die Technik anfällig. Hier ist in Sachen Weiterentwicklung noch deutlich Luft nach oben.

Interessantes Teil. Wir brauchen auf jeden Fall neue Lösungen, die Leute fahren mehr Fahrrad und nicht jeder (ich und mein Partner zum Beispiel) haben das Geld, sich ein neues Rad mit schickem Nabendynamo zu kaufen oder alte Dynamos ständig reparieren zu lassen. Aber diese LED-Leuchten (wenn auch viel heller als mein alter Dynamo) sind eben auch nicht der Weisheit letzter Schluss, entweder sie werden geklaut, man verliert Kleinteile, sie gehen schnell kaputt... Sie ahnen ja nicht, wieviele von den Dingern schon bei uns herumfliegen (natürlich nur inkompatible Einzelteile). Die Frage ist nur: ist dieses magnetische Ding bezahlbar?

Man kann auch gerade noch das Licht nachrüsten. Habe ich bei meinem Rad auch irgendwann gemacht, weil ich auch keine Lust mehr hatte, ständig zu fummeln. Kost halt mal ein paar Euronen, aber danach hat man schlicht seine Ruhe. Wenn man es selbst nicht alleine kann, ab zur nächsten Selbsthilfewerkstatt, oder noch mal ein paar Scheine drauf legen und den Händler das erledigen lassen.