James Bond Über Traumberufe

© John Phillips/Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 44/2015

Lieber werde sie Bademeisterin als noch einmal Fürstin von Monaco, sagte Charlene Wittstock dieser Tage einem Reporter. In der gleichen Woche ließ Günther Jauch per Pressemitteilung verkünden, er werde eher Sozialarbeiter, als noch einmal eine politische Talkshow zu moderieren. Und Heidi Klum klagte kürzlich öffentlich, dass sie lieber im Nagelstudio gearbeitet hätte, als Model zu werden.

Das glauben Sie nicht? Ist auch alles nicht passiert. Geschehen ist jedoch Folgendes: In einem Interview anlässlich der Premiere des neuesten Bond-Films Spectre antwortete Daniel Craig auf die Frage, ob er gern noch einmal James Bond spielen würde: "Lieber schneide ich mir die Pulsadern auf."

Dass der Bond, den Daniel Craig verkörpert, keiner von der leichtfüßig-frivolen Sorte ist, wissen wir seit Ein Quantum Trost und Skyfall. Aber dass es dem Schauspieler so wenig Freude bereitet, diesen melancholischen Superhelden zu geben, ist neu. Galt James Bond nicht immer als Traumjob für jeden Schauspieler? Immerhin hat diese Rolle fast jeden, der sie spielte, weltberühmt gemacht, von Frauen bewundert, von Männern beneidet.

Aber schauen wir uns die Sache mal genauer an: Acht Monate lang extrem anstrengende Dreharbeiten, vorher jeden Tag brutal hart trainieren, nur noch Gemüse essen, nachher wochenlange Promotion-Tour, irgendwann kann man die Städte nicht mehr auseinanderhalten, die Gesichter auch nicht. Erschöpfung, Einsamkeit, Sinnfrage.

Eigentlich ist ja meistens Vorsicht geboten, wenn es um Traumjobs geht – und das bringt uns wieder zum Anfang dieser Kolumne: Nehmen wir den Traumberuf Prinzessin. Was zeichnet dieses Berufsbild aus? Thronfolger produzieren, repräsentieren, zugeschleimt werden, auf dummen Events rumhängen, mit anderen Prinzessinnen verglichen, von der Schwiegermutter tyrannisiert und an jeder Ecke fotografiert werden.

Oder der Traumjob Fernsehmoderator: Dauernd muss man sich anhören, dass man schon wieder irgendwem eine zu große Bühne geboten hat, zu nett, zu harsch oder zu schlecht vorbereitet war.

Und dann natürlich der Traumberuf Model: nix essen, viel Wasser trinken, in bescheuerten Model-WGs wohnen.

Wir sind uns sicher: Die Zeit der Traumberufe ist vorbei – James Bond hat nur den Anfang gemacht.

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