Stilkolumne Spielt das eine Rolle?

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 47/2015

Wer sich heute nicht in irgendeiner Weise körperlich betätigt, gilt nicht nur als unvernünftig, sondern regelrecht als unsozial. Schließlich bürdet er der Umwelt auf, sich später um seinen ineinanderfallenden Körper zu kümmern. Dass man mit Sport die Jugendlichkeit erhalten kann, ist einer der großen Mythen unserer Zeit. Wenn man genau nachschaute, dann würde sich wahrscheinlich herausstellen, dass Sport genauso ungesund wie gesund sein kann. Aber mit Tatsachenforschung hält sich die Mode nicht auf. Der Sport durchdringt sie seit mehr als einem halben Jahrhundert. Je mehr sich die körperliche Arbeit aus der westlichen Welt zurückzog, desto weniger war es ein begehrenswertes soziales Unterscheidungsmerkmal, nicht körperlich arbeiten zu müssen. Der männliche Bauch kam bald nach dem Krieg aus der Mode.

Zunächst infiltrierte der Sport die Mode. Immer mehr Elemente, die man von Sportplätzen her kannte, ob es Schuhe, Sporthosen oder Trainingsjacken waren, tauchten in der Mode auf. Zunächst als bewusste Kontrapunkte zur etablierten Kleidungsweise. Wer mit Sportschuhen auf einen Abendanlass ging, versuchte sich damit vom Establishment abzugrenzen. Mittlerweile ist der Sport nicht nur in die Mode integriert, er ist ihr bestimmendes Element. Die Provokation ist nicht mehr die Trainingshose, sondern der Schmerbauch im Frack.

Aber was ist der sportliche Mensch von heute – wie sieht er aus? Die Durchsetzung der Mode mit Sportanmutungen hat zur Folge, dass nun jeder sportlich aussieht – ganz unabhängig davon, ob er sich wirklich sportlich betätigt. Dies lässt die Ansprüche an das sportliche Outfit steigen. Man hat das Sportgerät bestenfalls dabei. Männer tragen gerne ihr Fahrrad mit sich herum. An diesen Anblick hat man sich schon gewöhnt. Wie man es besser macht, hat der Starfotograf Juergen Teller gezeigt. Er erschien in Paris zur Fashionshow von Céline im kompletten Tennisdress mitsamt Schläger. Er schaute eben mal auf dem Weg zum Training vorbei. Manche Marken beginnen nun selbst Sportgeräte herzustellen. Das Sportgerät für den stilbewussten Städter ist das Skateboard. Man kann es überallhin mitnehmen und sieht damit stets hinreichend aktiv aus. Der Vorteil für Männer ist, dass sie sich durch das Skateboardtragen sparen können, Skaterkleidung anzulegen. Saint Laurent bringt nun ein Skateboard auf den Markt. Damit sieht man immer top aus. Außer man fällt damit auf die Nase.

Foto: Skateboard von Saint Laurent

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