© Ian Gavan

Cate Blanchett Cate

Sie war Königin Elisabeth, Bob Dylan und eine Elbin in "Der Herr der Ringe". In ihrem neuen Film verliebt sich Cate Blanchett in eine Frau. Was ist die Gabe dieser Schauspielerin, die für jede ihrer Rollen einen Oscar verdient hätte? Von
ZEITmagazin Nr. 49/2015

Die Schauspielerin Cate Blanchett sitzt an einem sonnigen Herbsttag auf einem Sofa in einem Londoner Hotelzimmer und schwärmt – von Angela Merkel. "Die Tatsache, dass sie die Grenzen Deutschlands offen gehalten hat und damit auch den Druck vom Libanon und von Jordanien genommen hat, ist einfach wunderbar. Es ist ein Weckruf für den Rest von Europa und ganz besonders für das Land, aus dem ich komme." Blanchett ist Australierin. "Ich schätze Angela Merkel auch für ihr Engagement beim Thema Klimawandel. Sie zeigt Führungsqualitäten, wenn es darauf ankommt."

Cate Blanchett, 46, zweifache Oscar-Preisträgerin, ist seit Jahren einer der größten Stars in Hollywood. Sie spielt in hochgelobten Filmen wie Elizabeth und Blue Jasmine und in Blockbustern wie Der Herr der Ringe. Das Time-Magazin zählte sie zu den "100 einflussreichsten Personen des Jahres". Und mit der Hauptrolle in ihrem neuen Film Carolwird sie derzeit für einen dritten Oscar gehandelt.

Aber an diesem Herbsttag in London will sie erst einmal wissen, wie Angela Merkels Flüchtlingspolitik in Deutschland aufgenommen wird. Gespalten, antwortet der Reporter, die einen bewundern sie dafür, die anderen kritisieren sie und reden von "Merkels Flüchtlingen". "Es ist unverantwortlich, auch von den Medien, die gesamte Flüchtlingsdebatte so auf Merkel zu konzentrieren", sagt Blanchett. "Und wir haben es auch nicht mit Wirtschaftsflüchtlingen zu tun, wie lange Zeit wieder und wieder behauptet wurde. Diese Menschen suchen Asyl, sie fliehen, weil sie bedroht sind. Es geht in dieser Debatte auch um Sprache. Die Medien haben hier eine große Verantwortung." Sie schaut den Reporter dabei mit einer gewissen Strenge an.

Cate Blanchett beim Film Festival in London 2015 © Stuart C. Wilson/Getty Images

Zu Deutschland hat Cate Blanchett eine besondere Beziehung. Sie ist öfter in Berlin und hatte mehrere Gastspiele in Recklinghausen. "Ich bewundere Nina Hoss und Lars Eidinger", sagt sie über deutsche Kollegen. "Lars ist so gut, er ist gefährlich." Sie lacht. Immer wieder hat sie in den vergangenen Jahren darüber nachgedacht, in die deutsche Hauptstadt zu ziehen. "Ich wünschte, wir würden in Berlin leben. Momentan habe ich das Gefühl, es leben mehr Australier in Berlin als in Australien." Wie meint sie das? "Einmal war ich mit meinen Kindern auf einem Spielplatz in Prenzlauer Berg und bin richtig in Panik geraten, weil ich mich umgeschaut habe und plötzlich dachte: Hier sind ja alle Leute wie ich!" Sie erzählt, dass sie in Berlin ständig andere Australier getroffen habe, die auch irgendetwas Künstlerisches machen. "Nach einer Weile dachte ich: Vielleicht sollten wir alle wieder gemeinsam nach Hause gehen." Wieder ihr Lachen.

Blanchett, 1,74 Meter groß, trägt an dem Tag schwarzes Sakko, weiße Bluse mit Spitzen, schwarze Hose, schwarze Lackschuhe. Wenn man so nahe vor ihr auf dem Sofa sitzt, fällt einem zunächst einmal auf, wie zierlich ihr Gesicht in Wirklichkeit ist; auch ihre berühmten Augen, die man von der Leinwand kennt, wirken auf den ersten Blick kleiner als gedacht. Das ist wohl das, was man ein perfektes Kinogesicht nennt: Die Kameras können es groß ziehen, es bleibt schön und hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck.

Während des Gesprächs streicht sich Cate Blanchett immer wieder die Haare aus dem Gesicht und hinter ihre Ohren, kurz darauf fallen sie wieder nach vorn. "Meine Ohren sind ohnehin schon so groß", sagt sie und lacht wieder. "Zur Tragödie des Älterwerdens gehört, dass die Ohren größer und größer werden. Ich rede mir deshalb ein, dass es stimmt, was man sagt: Große Ohren stehen für Weisheit. Was bleibt mir auch anderes übrig."

Cate Blanchett ist nach London gekommen für die Europa-Premiere ihres neuen Films Carol, der Verfilmung eines Romans von Patricia Highsmith. Die Schriftstellerin, berühmt für ihre Krimis, hat Carol 1952 ursprünglich unter einem Pseudonym veröffentlicht. Die Handlung ist inspiriert von ihrem eigenen Leben: Carol ist eine verheiratete Frau aus den besseren Kreisen New Yorks. Sie verliebt sich in die junge Therese, die in einem Kaufhaus arbeitet und Fotografin werden möchte.

Carol wird von Cate Blanchett gespielt, Therese von Rooney Mara, Regie führt Todd Haynes, mit dem Blanchett vor einigen Jahren einen Film über Bob Dylan gedreht hat. Blanchett wollte Carol schon seit Jahren spielen, dann gab es Komplikationen, der erste Regisseur sprang ab, aber jetzt sind alle Beteiligten glücklich. Die ersten Kritiken sind euphorisch, auch in London. Die Oscar-Verleihung im kommenden Jahr könnte für Carol ein großer Abend werden. In Deutschland kommt der Film am 17. Dezember in die Kinos.

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

>> Was ist die Gabe dieser Schauspielerin, die für jede ihrer Rollen einen Oscar verdient hätte? <<

Ach, sie ist wohl einfach eine Schauspielerin, im Gegensatz zu diversen operierte-Nase-in-Richtung-Kamera-Halterinnen. Schade nur, dass sie selbst auf Schein statt Sein hereinfällt, wie sie durch ihre Bewertung der "Klimakanzlerin" beweist. In roten Jacken vor Gletschern rumstehen ist *kein* Beitrag zum Klimaschutz.

Und mehr hat Merkel nicht drauf.

Alice_42:
Ich glaube, so was kann man nur empfinden, wenn man selbst noch keine größere Verantwortung tragen musste, das Ausloten von tatsächlich zur Verfügung stehenden Spielräumen und entsprechendes Handeln in kleinen aber effizienten Schritten gebührt mir mehr Respekt ab als folgenlose Träumereien.

Zurück zu Cate Blanchett, eine wunderbare Frau und ein sehr interessantes Interview - danke dafür!

>> Handeln in kleinen aber effizienten Schritten <<

Merkel geht nicht einmal die kleinen Schritte, allenfalls rückwärts - nur als Beispiel sei ihr Wirken als Cheflobbyistin der deutschen Automobilindustrie genannt, wenn es um die europäischen Abgasnormen ging.

Aber nun zurück zu Cate Blanchett, der man es nachsehen kann, dass sie aus der Entfernung nur die schönen Bilder, aber nicht die tatsächlichen Nachrichten dahinter wahrnimmt.