Die großen Fragen der Liebe Kann er verhindern, betrogen zu werden?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 49/2015

Die Frage: Markus und Katharina lernten sich vor fünfzehn Jahren kennen, als sie beide in einer Ehekrise steckten. Sie gründeten eine Patchworkfamilie. Als die Kinder aus dem Haus waren, pendelte Katharina beruflich in eine weit entfernte Stadt. Als eines Tages ein Mann anrief, der sich als Katharinas neue Beziehung vorstellte und forderte, er solle seine Liebste freigeben, fiel Markus aus allen Wolken. "Ein verrückter Stalker", behauptete Katharina. Sie hatte tatsächlich etwas mit diesem Mann gehabt, das sei aber nichts Ernstes gewesen. Zur Versöhnung will sie Markus heiraten, was sie bisher abgelehnt hatte. Sie feiern ein Fest, die Freunde finden die Zähmung der wilden Ehe toll. Markus grübelt immer wieder, was er tun muss, damit Katharina nicht rückfällig wird.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Markus sollte nicht hinter das schöne Ritual zurückfallen, mit dem er und Katharina die Gefahr des Auseinanderdriftens gestoppt haben. Wenn Katharina eingesehen hat, dass ihr Seitensprung ein Fehler war, und Markus ihr Angebot annehmen konnte, ist das Mögliche geleistet. Das Unmögliche und im Übrigen auch gar nicht Wünschenswerte wäre es, Eros an eine garantiert reißfeste Kette zu legen, wie das Eifersüchtige oft versuchen und womit sie nicht selten genau das Gegenteil erreichen. Bei Katharinas Sinneswandel mag die Verlustangst eine Rolle gespielt haben, aber ihre Bereitschaft, sich auf die symbolische Geste der Heirat einzulassen, zeigt auch die Abkehr von dem Denken, dass freie Liebe gut ausgeht und die Ehe schlecht.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Die deutsche Ehe" ist bei Orell-Füssli erschienen.

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