Stilkolumne: Der alte Sack ist wieder da!

Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 49/2015

Warum werden Smartphones immer dünner? Damit sie endlich in die Männer-Hosentaschen passen, ohne diese auszubeulen. Männer müssen viele Dinge transportieren, das ist ein Problem. Geldbörse, Schlüsselbund, Mobiltelefon – man hat nur wenige Möglichkeiten, diese Dinge bei sich zu tragen, ohne wie ein Vollidiot auszusehen. Gut, es gibt Herrenhandtaschen, aber auf diesem Gebiet sind die Optionen allesamt unbefriedigend. Anders als Frauen können Männer nicht auf eine ansprechende Art eine Handtasche tragen. Sie sehen damit immer aus, als trügen sie die Handtasche ihrer Freundin, weil die sich gerade mal die Hände waschen muss.

Eine kleine Tasche mit Schulterriemen wirkt seltsam an einem Mann. Man muss schon eine große Tasche tragen, um ernst zu nehmend auszusehen. Eine Kuriertasche zum Beispiel. Eine große Tasche muss jedoch mit großen Dingen gefüllt sein, um ihr Format zu rechtfertigen. Aber nicht jeder ist DJ oder Kurier. Viele Männer haben einen Job, in dem sie nicht viel hin und her zu tragen haben. Eine Alternative zur Tasche wäre der Rucksack. Ein Rucksack allerdings nimmt dem Mann auf einen Schlag seine Würde. Wer einen Rucksack mit zwei Trägern schultert und nicht gerade vorhat, einen Berg zu besteigen oder Grönland zu durchqueren, der macht schnell den Eindruck eines Jungen auf dem Schulweg. Man hat, um etwas cooler zu wirken, deswegen lange Zeit den Rucksack nur über einer Schulter getragen – aber auch das macht einen nicht unbedingt zu einer begehrenswerten Erscheinung. Man sieht damit einfach ein bisschen unordentlicher aus.

Seit einiger Zeit gibt es eine neue Idee – den Beutel. Das Vorbild ist der Seesack. Seeleute haben einen einzigen großen Sack für ihre Habe. Ein Ding ohne jeden Komfort, einfach nur dazu da, geschleppt und in eine Koje gefeuert zu werden. Nun ist der Seesack wieder in Mode gekommen – als "Seesäckchen". So nennt ihn etwa Burberry: "Little Duffle". Der Name "Duffle" geht wie beim Dufflecoat auf den Stoff zurück, aus dem die Taschen ursprünglich gefertigt wurden: einen schweren Wollstoff aus der belgischen Stadt Duffel, südlich von Antwerpen.

Ein kleiner Sack, den man über die Schulter wirft? Wenn man die richtige Haltung hat, kann das tatsächlich gut aussehen. Wenn man ihn allerdings zu tief in Höhe des Hinterns baumeln lässt, sieht man aus wie ein Schuljunge mit seinem Turnbeutel. Es bleibt also kompliziert.

Foto: Beutel von Burberry, 525 Euro

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

>> Nun ist der Seesack wieder in Mode gekommen – als "Seesäckchen". So nennt ihn etwa Burberry: "Little Duffle". <<

Ich gieße ja ungern Wasser in den Wein, zumal, da es weihnachtet. Aber ein Mann, der ein Seesäckchen für 525,- Euro trägt, hat ganz unabhängig von der Tragehöhe des Säckchens gute Chancen, wie ein Idiot auszusehen. Sollte also der Versuch, nicht wie ein Idiot auszusehen der einzige Antrieb bei der Anschaffung sein, kann man sich für das Geld stattdessen lieber ein nettes Wochenende gönnen.

Mein Gott, es handelt sich um eine Stilkolummne. Immer dieses blöde gemecker. Alles was man/Mann UND Frau sich kaufen will, findet ein perfektes und vielleicht besser aussehendes Pendant für viel weniger auch. Das ist der Sinn einer Stilkolumne. Und so mache ich es und viele Freunde von mir auch. Es geht um das finden von Ideen und Inspiration. Und das zeitgemäß, welche Mode nun einmal ist.