© Silvio Knezevic

Wochenmarkt Das Geheimnis der Erbsensuppe

Von
Aus der Serie: Wochenmarkt ZEITmagazin Nr. 51/2015

Die Berliner Erbsensuppe ist ein Gericht, das viele Leute hassen. Dabei ist dieser Eintopf ein ganz normales, sogar ein wunderbares Essen. Eine Erbsensuppe enthält ein bisschen Fleisch, nicht zu viel, gesunde Hülsenfrüchte, die zudem günstig sind, und das schöne Kraut Majoran ist drin, für das man so selten Verwendung findet.

Die Ablehnung könnte damit zu tun haben, dass die Erbsensuppe zu den verhunzten Klassikern gehört, die ich, wie regelmäßige Leser dieser Seite wissen, hier in loser Folge vorstelle. Der Hass entsteht, wenn ein Essen oft sehr schlecht zubereitet gegessen wird, in Kantinen, Speisewagen und, im Fall der Erbsensuppe, aus der Gulaschkanone – irgendwann muss man einfach glauben, das Gericht selbst sei schlecht.

Natürlich gehört die Erbsensuppe auch zu den Opfern des Küchensnobismus, der in Deutschland in dem Moment Einzug hielt, in dem man herausgefunden hatte, wie das Wort Foie gras korrekt ausgesprochen wird. Aber das ist lange her. Jede Epoche hat ihre eigenen Herausforderungen. Freuen wir uns einfach darüber, dass wir unsere Erbsensuppe genießen können, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, warum die deutsche Esskultur so ist, wie sie ist. (Ob diese Erbsensuppe wirklich aus Berlin kommt, kann ich übrigens nicht mit Sicherheit sagen.)

Speck würfeln, Zwiebel hacken, zusammen in einem Topf anschwitzen. Erbsen dazugeben, kurz anschwitzen und dabei umrühren. (Halbierte Schälerbsen muss man vor dem Kochen nicht einweichen.) Mit Wasser ablöschen. Majoran und Lorbeer dazugeben. 45 Minuten lang bei geschlossenem Deckel köcheln lassen. Kartoffeln schälen und in 1 bis 2 cm große Würfel schneiden, Suppengemüse würfeln, Petersilie hacken, in den Topf geben. Salzen und pfeffern. Weitere 30 bis 40 Minuten köcheln lassen. Würstchen in Stücke geschnitten oder im Ganzen für die letzten Minuten der Garzeit dazugeben. Zum Schluss mit Essig abschmecken. Dazu Weißbrot servieren.

Berliner Erbsensuppe (für 6 Portionen)

Zutaten – 200 g Bauchspeck, 1 Zwiebel, 500 g halbierte gelbe Schälerbsen, 1,5 l Wasser, 1 TL frischer Majoran (gehackt), 1 Lorbeerblatt, 200 g Kartoffeln, 1 Bund Suppengrün (Karotte, Lauch, Sellerie, Petersilie), Salz, Pfeffer, Essig (zum Beispiel Weißweinessig), Wiener Würstchen nach Belieben, Weißbrot

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Bei aller Liebe zur künstlerischen Freiheit eines Autors, dass viele Menschen Erbsensuppe hassen, ist eine schwer zu haltende These. Im Gegenteil, die Erbsensuppe landet regelmäßig auf den vorderen Plätzen in Lieblingsliste von Kantinen oder Umfragen [1]. Was viele nicht mögen, und man mag wohl sagen zu Recht, ist natürlich Erbsensuppe, die in einem stundenlangen Kochprozess zu einer grau-grüne Pampe verkocht wird. Es mag allerdings auch niemand trockene Schnitzel oder klumpigen und zähen Griesbrei, bzw. liebloses und völlig verkochtes Kantinenessen im Allgemeinen.

Bereits moniert wurden die Kochzeit von Majoran und Petersilie, da sie eben eine Form dieses Verkochens sind. Ich persönlich mag auch ein murmelgroßes Stück Ingwer in der Erbesensuppe, hinzugegeben 10-15 Minuten vor Ende der Kochzeit und dann natürlich vor dem Servieren wieder entfernt. Je frischer der Ingwer ist, um so weniger Kochzeit benötigt er, bzw. um so stärker ist sein Aroma.

[1] http://www.abendblatt.de/...