Die großen Fragen der Liebe Wäre der Papa die bessere Mama?

Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 51/2015

Die Frage: Sonja und Dieter sind Lehrer. Sie haben sich ineinander verliebt und ihr Glück wuchs, weil sie sich einig waren, dass sie beide mindestens drei Kinder wollen. Ihre Kindheit soll schöner und geborgener sein als die der Eltern, denn Sonja hat sich ebenso wie Dieter oft verlassen und zu wenig anerkannt gefühlt. Ursprünglich wollten sie sich die Arbeit mit den drei Söhnen teilen und beide berufstätig bleiben. Dann hat sich aber Sonja beurlauben lassen, weil sie die Babys stillen wollte und Dieter erheblich mehr verdient. Wenn Sonja sich überlastet fühlt und möchte, dass Dieter sie mehr unterstützt, ist Dieter sauer. Er findet, dass sie den bei Weitem schöneren Job hat, und sagt vorwurfsvoll: Ich bleibe sofort den ganzen Tag bei den Kindern, wenn du das Familieneinkommen verdienst!

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Sonja sollte durchsetzen, dass dieses Argument nicht mehr auf den Tisch kommt. Zum Verständnis der Konflikte zwischen Sonja und Dieter wäre es hilfreich, wenn sich die beiden klarmachten, dass Unzufriedenheit mit den eigenen Eltern und Erwartungen an das Familienglück schlecht auf den Alltag mit Kindern vorbereiten. Darin geht es doch eher um die Suche nach glücklichen Inseln in einem Ozean von Minikatastrophen. Dieter und Sonja rivalisieren um den Siegeskranz des Garanten der perfekten Familie. Dabei geraten sie in gefährliche Nähe zum Neid auf Zeiten, in denen Männer noch als Versorger funktionierten und Frauen nicht erwarteten, dass Väter Windeln wechseln. Wo die moderne Rollenvielfalt einkehrt, sind auch neue Formen der Konkurrenz möglich.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Die deutsche Ehe" ist bei Orell-Füssli erschienen.

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