© David Dieschburg /​ Photcase

Partnersuche: "Die Ressource 'gebildeter Mann' wird knapp"

Millionen Menschen suchen heutzutage online einen Partner. Können sie glücklich werden? Arne Kahlke, einst Chef von Parship und Elitepartner, ist sich nicht sicher. Interview:

Das Netz hat die Liebe befreit. Noch nie konnten wir aus einer so großen Zahl potenzieller Partner wählen, auf Wunsch gefiltert nicht nur nach Alter und Größe, sondern auch nach Lieblingssex und Lieblingsfilm. Noch nie gab es so viele Singles, und 2,5 Millionen Alleinstehende suchen in Deutschland online einen Partner. Was wissen wir nach zwei Jahrzehnten digitaler Beziehungsanbahnung? Wen suchen die Millionen? Werden sie glücklich mit denen, die sie im Netz finden? Ein Gespräch über Beziehungen in Zeiten des Internets mit einem der führenden Experten: dem Elitepartner-Gründer und langjährigen Parship-Chef Arne Kahlke.

ZEITmagazin ONLINE: Herr Kahlke, wie viele Beziehungen haben Sie im Laufe Ihres Lebens gestiftet?

Arne Kahlke: Sicher eine halbe Million, alles zusammengenommen.

ZEITmagazin ONLINE: Damit wären Sie auch einer der größten Heiratsvermittler Europas – und nicht ganz unbeteiligt an der Zeugung Zehntausender Kinder. Und das alles wegen etwas Code, den Sie mal ins Netz gestellt haben.

Kahlke: Ja, das ist ein sehr gutes Gefühl.

ZEITmagazin ONLINE: In Georg Büchners Leonce und Lena flieht Prinz Leonce vor der Zwangsheirat mit einer ihm unbekannten Prinzessin. Auf der Reise lernt er eine Frau kennen und verliebt sich in sie. Es ist die für ihn vorgesehene Prinzessin Lena, ebenfalls auf der Flucht. Happy Ending! Beschreibt diese Geschichte aus dem 19. Jahrhundert nicht auch im 21. noch das Problem mit der Suche nach dem signifikanten Anderen?

Kahlke: Das ist sehr treffend, denn die Menschen werden nicht glücklicher, wenn sie sich alles selbst aussuchen können.

ZEITmagazin ONLINE: Dass Sie das nach 14 Jahren in der Anbahnungsbranche so sehen, ist bedrückend.

Kahlke: Maximale Freiheit und maximale Optimierung führen nicht zu maximalem Glück. Wer seine Beziehung nach dem Baukastenprinzip konstruiert, bekommt nur das, was er will – aber nicht unbedingt das, was er braucht. Wir haben in den digital sehr aktiven Großstädten über 50 Prozent Scheidungsrate. Einige Menschen kehren immer wieder auf die Onlineplattformen zurück, sie kommen nie zur Ruhe. Das geschieht besonders häufig bei Angeboten, die sehr detaillierte Wahlmöglichkeiten bieten. Das andere Extrem sind Dienste, die nur noch nach dem Foto filtern: "Heiß oder nicht?" Und das soll dann mein Lebenspartner werden?

ZEITmagazin ONLINE: Tinder ist ja auch nicht gerade für die Anbahnung von Hochzeiten gedacht. Und eine der weltweit erfolgreichsten Partnervermittlungen, OKCupid, bietet viele der von Ihnen kritisierten Filterfragen. Sie wurde nicht von Psychologen, sondern von Mathematikern gegründet.

Kahlke: Wir sollten bei den meisten Zahlenkriterien locker lassen, selbst bei Alter, Größe und Gewicht. Es ist viel wichtiger, dass man eine ähnliche Einstellung hat und aus einem ähnlichen sozialen Umfeld mit ähnlichen Grundwerten kommt. Das zeigten unsere Langzeitstudien.

Die Persönlichkeitstests, die bei manchen Angeboten der eigentlichen Vermittlung vorausgehen, zeigen zudem, dass die Menschen ein verschobenes Bild von sich haben. Viele meinen, sie seien ganz anders, als die Tests ergeben.

Und sie wissen oft nicht, was gut für sie ist: Wir haben etwa Menschen mit dem stark ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmal Dominanz eher solche vorgeschlagen, die weniger dominant waren. Auf der Straße finden sich zwei dominante Menschen zwar attraktiv. Gerade sexuell kann sich Dominanz kurzfristig sehr anziehen. Aber solche Beziehungen sind häufig nach zwei oder drei Jahren kaputt.

Arne Kahlke im Interview mit ZEITmagazin ONLINE © Andreas Prost für ZEITmagazin Online

ZEITmagazin ONLINE: Sieht so aus, als sei es trotz des riesigen Angebots im Netz nicht gerade einfacher geworden, den richtigen Menschen zu finden.

Kahlke: Eine verhaltensökonomische Grundregel: Wenn es zu viel Auswahl gibt, können wir uns kaum noch entscheiden. Und dann warten wir so lange, bis es zu spät ist. Besonders Frauen kosten die Freiheit der Wahl aus. In früheren Generationen hatten sie ja oft wenig zu bestimmen.

ZEITmagazin ONLINE: Wenn Sie Millionen von Singles aufeinander loslassen, impliziert das, dass nicht eine Person für genau eine andere vorgesehen ist, dass es nicht die eine, große Liebe gibt, sondern Hunderte passende Partner.  

Kahlke: So war es früher ja auch schon. Nur haben sich die Menschen nicht so oft getrennt, wegen der vielen Restriktionen. Man blieb zusammen. Häufig, wenn ich mich mit alten Menschen unterhalte, habe ich das Gefühl, dass es trotzdem eine glückliche Beziehung war. Mit der großen Liebe verbinden wir heute gemeinhin große Affekte, das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch. Das Gelingen einer langfristigen Beziehung erfordert aber so viel mehr. Dazu gehört auch, gemeinsam Höhen und Tiefen durchzustehen. Wohnungssuche, Nachwuchs – jede gemeisterte Krise kann die Liebe stärken.

ZEITmagazin ONLINE: Gibt es noch die große Liebe?

Kahlke: Das muss jeder für sich entscheiden. Die große Liebe gibt es auf jeden Fall für mich.

ZEITmagazin ONLINE: Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

Kahlke: In der Gründungsphase von Elitepartner. Sie war eine Mitarbeiterin von mir.

ZEITmagazin ONLINE: Also die klassische Asymmetrie. War es nicht seltsam, dass Sie gemeinsam eine Partnervermittlung aufgebaut haben, und Sie dabei beide Zugriff auf Tausende Profile von potenziellen Partnerinnen und Partnern hatten?

Kahlke: Das Problem löste sich auf andere Weise. Wir konnten wegen dieser Asymmetrie nicht zusammenarbeiten, sie hat mich daraufhin verlassen. Als ich nicht mehr ihr Chef war, haben wir abseits des Jobs schnell wieder zueinander gefunden und das hält nun schon mehr als ein Jahrzehnt, Kinder inklusive. 

ZEITmagazin ONLINE: Bemerkenswert, dass Ihr eigenes Beziehungsleben keinen digitalen Ursprung hat. War es damals, als Sie sich kennenlernten, noch peinlich, zu erklären, man habe sich im Internet kennengelernt?

Kahlke: Und wie. Ich kam 2001 von einem anderen Start-up und wurde gefragt, ob ich nicht das Marketing einer neuen Partnervermittlung im Internet übernehmen wolle. Mein erster Gedanke war: "Meine Güte, ist das unseriös, das muss ich mir unbedingt genauer anschauen!"

Gebildete Frauen werden in Zukunft immer seltener einen gleichwertigen Partner finden: Es gibt immer mehr Hochschulabsolventinnen als -absolventen.

ZEITmagazin ONLINE: Und heute reden alle ganz entspannt darüber?

Kahlke: Es wird besser. Aber es ist noch nicht selbstverständlich. Von den Frühtagen trennen uns immerhin Welten.

ZEITmagazin ONLINE: Sie sind der Erfinder einer – lange nach Ihrem Weggang – immer noch omnipräsenten Werbekampagne: "Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single." Alleinstehende müssen dadurch das Gefühl bekommen, sie hätten gefälligst unglücklich zu sein. Was, wenn in Wahrheit Alleinsein für viele die beste Variante ist?

Kahlke: Natürlich ist auch das in Ordnung. Ich wollte den Leuten nur Appetit machen. Diese Kampagne funktioniert auch nach all der Zeit noch perfekt. Marketing macht uns ja ständig Lust auf etwas Neues, die meisten Dinge sind nicht einmal gesund, der Partner fürs Leben schon.

ZEITmagazin ONLINE: Wie groß ist die Lebensdauer eines Nutzers auf so einer Plattform?

Kahlke: Manche werden nach ein, zwei Wochen schon fündig. Sie treffen sich gleich mit dem ersten, zweiten Vorschlag und werden glücklich. Andere lassen sich sehr viel Zeit, manche Frauen brauchen buchstäblich Jahre, bis sie sich überhaupt mit jemandem treffen. Und dann gibt es Menschen, die mit 60, 70 ihre große Liebe verloren haben. Die brauchen natürlich länger.

ZEITmagazin ONLINE: Gibt es typische Lebensalter, in denen sich User anmelden?

Kahlke: Schon Mitte 20 stellen viele fest, dass der Baukasten doch nicht das große Glück verspricht. Besonders Frauen sind enttäuscht vom Dating. Sie vergrößern damit zwar die Zahl ihrer potenziellen Partner, aber es geht eben nur um Sex.

Dann gibt es die, die sich lange genug amüsiert haben und an Familie denken. Sie stellen fest, dass Dating funktioniert, aber dafür zu leichtfüßig ist. Dann sieht man sich nach etwas Ernsthaftem um. Das wird als richtiges Projekt betrieben, oft zu Neujahr. Wir sehen am Jahresbeginn einen dramatischen Anstieg der Zahlen in den Plattformen.

Und dann gibt es noch die Frauen ab 35, 40. Sie sehen an ihrem Umfeld, dass Familie jetzt wichtig und der Job nicht alles ist. Dann natürlich die ersten Trennungen. Mit Mitte 40 sind sehr viele schon wieder geschieden. Die gehen auch online.

Frauen urteilen strenger

Männer finden Frauen auf Dating-Plattformen im Schnitt viel besser als umgekehrt
Gemeinsamkeiten/Konflikte bei Sachfragen innerhalb möglicher Koalitionen

ZEITmagazin ONLINE: Frauen bewerten Männer deutlich kritischer als Männer Frauen. Das zeigen jedenfalls die Daten Ihrer ehemaligen Kollegen von OKCupid. (Siehe Grafik.)

Kahlke: Frauen versuchen noch stärker als Männer, zu optimieren, den perfekten Partner zu bekommen. Seit etwa zehn Jahren haben wir nun auch noch mehr Uni-Absolventinnen als -Absolventen. Eine größere Menge gebildeter Frauen sucht also mindestens genauso gebildete Männer, die immer seltener werden. Und nicht alle gebildeten Männer suchen gebildete Frauen, sondern oft auch attraktive Frauen mit weniger Bildung. Kurzum: Die Ressource "gebildeter Mann" wird knapp.

ZEITmagazin ONLINE: In den USA ist das Missverhältnis unter Akademikern noch größer. Während es in Deutschland sieben Prozent mehr Uni-Absolventinnen gibt, sind es dort 35 Prozent – mit fundamentalen Auswirkungen auf die Datingkultur. Viele Männer haben keine Lust mehr, in feste Beziehungen zu gehen.

Kahlke: Bildung ist tatsächlich das Hauptattribut, das der Mann mitbringen sollte. Es ist das Hauptelement der Attraktivität, und nicht äußerliche Merkmale.

Äußere Werte

Schöne Frauen ertrinken in Kontaktanfragen, bei Männern ist der Effekt nicht entfernt so ausgeprägt
Gemeinsamkeiten/Konflikte bei Sachfragen innerhalb möglicher Koalitionen

ZEITmagazin ONLINE: Für Männer scheint das Aussehen von Frauen weiter entscheidend. OKCupid-Daten zeigen, dass Frauen, die sehr attraktiv sind, um Größenordnungen mehr Kontaktanfragen bekommen, bei schönen Männern ist dieser Effekt längst nicht so ausgeprägt. (Siehe Grafik.) Gibt es Frauen, die online praktisch überrannt werden und davor dann zurückschrecken?

Kahlke: Die gibt es. Solche attraktiven Frauen und auch attraktive Männer sind deshalb eher auf Portalen, auf denen es anonymer zugeht, wo man die Bilder erst zu einem späteren Zeitpunkt freischalten kann. So können sie sich verstecken. 

ZEITmagazin ONLINE: Wenn sie so begehrt sind, müssten sie doch unentwegt Heiratsanträge bekommen im realen Leben? Wozu das Internet?

Besonders schöne Frauen ertrinken auf Datingplattformen in Anfragen und ziehen sich daraus zurück. Bei schönen Männern ist der Effekt nicht entfernt so ausgeprägt. © Justin Tallis/​AFP/​Getty Images

Kahlke: Es ist dann eben sehr schwer, den Richtigen zu finden. Weil bei der Anmache die Oberflächlichkeit im Vordergrund steht und weil die Frauen ja auch anspruchsvoll sind. 

Ewige Jugend

Die Interessen von Männern und Frauen divergieren mit zunehmendem Alter
Gemeinsamkeiten/Konflikte bei Sachfragen innerhalb möglicher Koalitionen

ZEITmagazin ONLINE: Würden wir unsere Beziehungen ausschließlich nach dem Aussehen des Partners wählen, wären wir wahrscheinlich schon ausgestorben. Die OKCupid-Daten zeigen jedenfalls Erschreckendes. So finden Männer überwiegend 20-jährige Frauen attraktiv – egal, ob sie selbst 20, 40 oder 60 sind. Frauen hingegen finden Männer attraktiv, die ungefähr in ihrem Alter sind. (Siehe Grafik.)

Kahlke: Evolutionär bedingt achten Männer auf das Alter der Frauen, um gesunden Nachwuchs zu bekommen, das ist nun mal bei jungen Frauen wahrscheinlicher. Frauen hingegen brauchten früher einen Versorger mit Kraft und Status. Heute ist alles anders, aber die archaischen Muster bleiben erhalten. Frauen sagen heute, es ist interessant für mich, einen Partner zu haben, der auf meinem Niveau oder darüber ist. Muskeln sind nicht mehr wichtig, aber dafür eben die Bildung, weil sie Status und Erfolg und damit ein besseres Leben verspricht.

ZEITmagazin ONLINE: Laut Statistik haben gleich gut gebildete Paare Chancen auf langfristiges Glück und auch das asymmetrische Modell des erfolgreichen und vermögenden Mannes mit weniger erfolgreicher Frau funktioniert. Die erfolgreiche Frau mit dem weniger erfolgreichen Mann scheitert häufiger. Wäre das aber angesichts der demographischen Entwicklung nicht die wünschenswerte Variante? 

Kahlke: Ja, die starke Frau mit dem schwachen Mann muss es in Zukunft viel häufiger geben. Frauen sollten von ihrem Anspruch auf einen Versorger Abstand nehmen und sie werden es sicher auch schaffen. Bei Männern, glaube ich, wird es eher schwierig, ihre Dominanz aufzugeben. Aber es wird so kommen müssen. 

ZEITmagazin ONLINE: Wirklich? Wie viele Frauen auf Ihren Plattformen haben auch nur einen Mann akzeptiert, der kleiner ist als sie selbst?

Kahlke: Verschwindend wenige. Es ist leider eines der wichtigsten Kriterien – der Mann muss genauso groß oder größer sein. Keine Frau gibt das gerne zu. Wenn man sie fragt, sagen sie, sie seien offen, aber wenn sie sich dann binden, ist es so.

ZEITmagazin ONLINE: Suchen manche Menschen auf den ach so konservativen Partnerportalen nicht wieder nur Sex?

Kahlke: Es gibt schon einige, die sie für Dating nutzen. Wenn der Service gebührenpflichtig ist, schützt das, denn es gibt ja so viele Datingangebote, die kostenlos sind – noch mehr aber schützt der sehr aufwändige und damit für viele nervige psychologische Test. Mit Folgen: Vor einigen Monaten wurden durch einen Hack die Zahlen der Seitensprung-Plattform Ashley Madison öffentlich. Dort kamen Tausende Männer auf wenige Frauen. Das Interesse an einem Seitensprung ist bei Männern deutlich stärker ausgeprägt. 

ZEITmagazin ONLINE: Haben Sie analysiert, wie Ihre User kommunizieren? Die Kontaktaufnahme ist ja ein magischer Moment. Vom Profil her passt es – aber was, wenn der potenzielle Traumpartner Verschrobenes schreibt?

Kahlke: Dann ist es vorbei. Die Nachrichten konnten wir natürlich nicht analysieren, der Datenschutz verbietet das. Aber unsere Nutzerbefragungen haben ergeben, dass Frauen sich von den Männern längere und individuellere Nachrichten wünschen und mehr Kreativität. Damit man auch sieht, dass sich die Nachricht von der unterscheidet, die an die Userin davor gesendet wurde.

ZEITmagazin ONLINE: Die Datingkommunikation ist nach Analyse von OKCupid heute um zwei Drittel kürzer als vor 10, 15 Jahren. Das hängt wohl mit dem iPhone zusammen.

Kahlke: Und Twitter. Das ist ein großes Problem. Den ersten Eindruck gibt es nicht nur beim Aussehen, sondern auch bei der ersten Nachricht. Die Art, wie ich schreibe, verrät einiges. 

ZEITmagazin ONLINE: Die OKCupid-Daten zeigen auch, dass die User häufig weniger Tastaturanschläge brauchen, als dann am Ende Zeichen in der ersten Nachricht enthalten sind. Das ist keine Magie, sondern Copy-and-paste. Es scheint eine erfolgreiche Strategie zu sein, Textbausteine, die einmal gut funktioniert haben, immer wieder zu verwenden.

Kahlke: Wenn man auf Masse aus ist, kann das in der Tat eine Strategie sein.

ZEITmagazin ONLINE: Es wurde auch mal eine App entwickelt, die nur basierend auf statistischem Matching-Erfolg Blind Dates vermittelt. Also im Grunde das, was Sie favorisieren – Persönlichkeit ohne Fotos. Die Sache war letztlich kein großer Erfolg auf dem Markt. Die User sagten aber, dass sie sehr gute Gespräche gehabt hätten und dass man offener füreinander war als im realen Leben. Sind wir offline gütiger miteinander als online? Ist das Leben toleranter als die Daten?

Kahlke: Anonymität verändert alles. Man kann dann ohne schlechtes Gewissen sehr viel strenger sein. Und andererseits wird auf Datingplattformen ja auch unglaublich viel gefakt und ein viel besseres Bild von sich selbst vermittelt. Dies treibt die Anspruchshaltung weiter in die Höhe.

ZEITmagazin ONLINE: Es gibt angeblich Plattformen, wo Menschen angestellt sind, die Frauen auf Kontaktsuche simulieren.

Kahlke: Ja, das war wohl auch bei Ashley Madison so.

ZEITmagazin ONLINE: Haben Sie das auch eingesetzt?

Kahlke: Nein.

ZEITmagazin ONLINE: Die letzte Szene von Leonce und Lena ist die Hochzeit. Leonce bricht die Zeremonie ab, um sie am nächsten Tag noch einmal feiern zu können. Und danach jeden Tag aufs Neue. Vielleicht besteht die Kunst darin, dieselbe Person immer wieder neu zu sehen und gleichsam immer wieder neu zu heiraten?

Kahlke: Genau das meine ich. Ist die große Liebe die, von der man es am Anfang oberflächlich denkt? Oder ist es etwas, was sich erst im langjährigen Zusammensein entwickelt? Wir sollten nicht ständig auf etwas Besseres hoffen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man unter allen Umständen zusammenbleiben muss, wenn es gar nicht geht. Aber auf der Suche nach Neuem verlieren wir den Blick für die kleinen Dinge, die eine Beziehung gelingen lassen. Das Netz fördert Beziehungen, die auf Dauer nicht glücklich machen.

ZEITmagazin ONLINE: Sie haben mehr als ein Jahrzehnt beobachtet, wie Menschen zusammenkommen. Was haben Sie für Ihre Beziehung daraus gelernt?

Kahlke: Dass es nie besser wird, es wird immer nur anders.

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Offenlegung: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die auch an der ZEIT und an ZEIT ONLINE beteiligt ist, war über ihre Tochter Holtzbrinck Digital bis zum Verkauf an Oakley Capital Mehrheitsgesellschafterin von Parship. Mit einer Minderheit war in den ersten Jahren auch der ZEIT-Verlag an Parship beteiligt. Arne Kahlke besitzt heute keine Anteile an Elitepartner oder Parship mehr. Bis heute existiert eine Werbe-Einbindung von Parship bei ZEIT ONLINE.

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